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Gewerkschaft

18.11.2019

Muss bald jeder allein für höhere Löhne streiten?

Robert Günthner vom DGB Bayern stellte die Vorteile von Tarifverträgen für Arbeitnehmer heraus.
Foto: DGB

Der DGB-Kreisverband diskutiert über den „Sinkflug“ der Tarifbindung – und erklärt, warum das falsch sei

Jahrzehntelang waren sich Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften in Deutschland einig, dass eine hohe Tarifbindung in den Branchen gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle schafft. Das aber hat sich drastisch geändert. Seit Ende der 90er Jahre geht die Tarifbindung der Beschäftigten in Deutschland wie in Bayern drastisch zurück. Immer mehr Unternehmen ziehen sich aus der Tarifbindung zurück! Aus diesem Grund, so die Dillinger DGB-Kreisvorsitzende Antonie Schiefnetter, stellte der Kreisverband Dillingen sein diesjähriges Betriebs- und Personalrätetreffen unter das Motto „Muss bald jeder alleine für höhere Löhne streiten? – Tarifbindung im Sinkflug?“.

In seinem Impulsreferat stellte Robert Günthner (DGB Bayern) laut Pressemitteilung die Vorteile von Tarifverträgen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer heraus. „Arbeitnehmer mit Tarifverträgen verdienen in der Regel deutlich besser, erhalten häufig Weihnachts- und Urlaubsgeld, können länger in Urlaub gehen und haben kürzere Arbeitszeiten“, so Günthner. Aber auch Arbeitgeber profitieren, wie Günthner darlegte, „nicht nur, weil sie ein gutes Betriebsklima und zufriedene, motivierte Beschäftigte haben, sondern auch, weil Tarifverträge allen Unternehmen gleiche Wettbewerbsbedingungen garantieren.“ Aber, so Günthner weiter, auch die Politik müsse ein Interesse an einer hohen Tarifbindung haben. Sie profitiere ebenfalls, da Tarifverträge stabile Verhältnisse in der Wirtschaft und eine soziale Ausgewogenheit garantierten sowie für höhere Sozialabgaben sorgten.

Der DGB will in den nächsten Wochen mit seiner Kampagne „Tarifgerecht. Für alle“ die Bedeutung der Tarifbindung bundesweit zum Thema machen. In Bayern nutze der DGB die Kommunalwahlen 2020, um sich weiterhin für die Einführung eines bayerischen Vergabegesetzes einzusetzen, das die Tarifbindung als ein Vergabekriterium festschreibe. „Warum haben alle Bundesländer verstanden, dass ein Vergabegesetz nötig und sinnvoll ist, nur Bayern und Sachsen nicht?“, fragte Günthner an dieser Stelle.

Hermann Bunk (Röhm) und Fritz Jenewein (LMV) veranschaulichten mit den Beispielen ihrer beiden Betriebe, wie der Weg zu Tarifverträgen praktisch aussehen kann. Beide waren sich einig, dass der Zusammenhalt der Belegschaft, der Rückhalt einer starken Gewerkschaft sowie die Bereitschaft, dicke Bretter zu bohren, Voraussetzungen für Tarifverträge seien.

Die Bedeutung von Betriebs- und Personalräten betonte Steffen Pampolas (IG Metall Augsburg), der am eigenen und an beruflichen Beispielen über die Erfolge bei der Gründung von Betriebs- und Personalräten berichtete, die inzwischen auch für Tarifbindung in ihrem Unternehmen gesorgt hätten.

Abschließend zitierte die Dillinger DGB-Kreisvorsitzende Schiefnetter Kanzlerin Angela Merkel, die zum 70. Jubiläum des DGB betont hatte, dass ihr die Entwicklung bei der Tarifbindung Sorgen bereite. Für sie sei die Tarifbindung ein Kernstück des Zusammenhalts. Deshalb ist es laut Schiefnetter wichtig, eine Möglichkeit zu finden, dass diejenigen, die sich weiter zur Tarifbindung bekennen, bessergestellt und sozusagen belohnt werden können, damit die Tarifpartnerschaft auch bei der Feier von 80 und 90 Jahren Grundgesetz noch ein wichtiger Markstein der Sozialen Partnerschaft sei. (pm)

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