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Dillingen

27.07.2017

Nach dem Rathaus-Brand blutet Dillingern das Herz

Ein Brand hat am Mittwochabend im linken der beiden Gebäude des Dillinger Rathauses gewütet. Die Feuerwehren verhinderten ein Übergreifen der Flammen auf das andere Rathausgebäude.
Bild: Berfin Yilmaz

Nach dem Brand stehen viele Menschen in Dillingen fassungslos vor dem beschädigten Rathaus. Der Schaden geht wohl in die Millionen. Doch ein bisschen Alltag kehrte schon zurück.

Am Tag nach dem Brand zeigen die meisten Fußgänger in der Dillinger Königstraße die gleiche Reaktion. Sie stehen fassungslos vor dem Absperrzaun am Rathaus, das am Mittwochabend lichterloh gebrannt hat. „Als ich auf Facebook und bei WhatsApp die Bilder gesehen habe, musste ich sofort weinen“, sagt eine städtische Mitarbeiterin. Sie habe am ganzen Körper gezittert.

Roswitha Maier geht es ebenso. „Das ist furchtbar, ich bin schockiert und kann es gar nicht glauben“, teilt die Dillingerin mit und blickt ungläubig auf den zerstörten Dachstuhl. Und Erika Schweizer ist ebenfalls fassungslos. „Mir blutet das Herz, wenn ich das sehe“, sagt die Stadträtin. Die Flammen haben im Altbau der beiden Rathausgebäude gewütet. Dort brannten der Dachstuhl, wo das Feuer nach ersten Erkenntnissen ausbrach, und die beiden darunterliegenden Sitzungssäle aus.

Hochzeit im Dillinger Rathaus am Tag nach dem Brand

Der Stadtentwicklungsausschuss sollte um 19 Uhr im Sitzungssaal tagen. Nach Angaben der Polizei bemerkten einige Stadträte den Brand und versuchten noch, das Feuer zu löschen. Die Flammen griffen jedoch schnell auf das Gebäude über. Nur ein Großeinsatz der Feuerwehren verhinderte Schlimmeres.

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Wie Einsatzleiter Markus Pfeifer von der Dillinger Feuerwehr am Donnerstagnachmittag auf der Pressekonferenz erklärt, seien die offenen Flammen nach einer halben Stunde nicht mehr sichtbar gewesen. Im Inneren löschten die 120 Einsatzkräfte der Wehren aus Dillingen, Hausen, Schretzheim, Donaualtheim und Lauingen weitere zwei Stunden. Und sorgten, ausgerüstet mit Atemschutz, auch dafür, die Wasserschäden im Gebäude so gering wie möglich zu halten. So wurden beispielsweise mit Druckerpapier Dämme geschaffen, um den Archivbereich vor Löschwasser zu schützen.

Das Dillinger Rathaus ist ausgebrannt. Hunderte Helfer kämpften am Mittwochabend gegen den Brand.
49 Bilder
Dillinger Rathaus brennt aus
Bild: Berthold Veh, Benjamin Reif, Engelhart

Weil auch die EDV-Anlage keinen Schaden davongetragen hatte und der Verwaltungstrakt des Rathauses vom Feuer fast komplett unberührt blieb, konnte bereits wenige Stunden nach dem Brand das Bürgerbüro wieder besetzt werden. Am Freitag werden laut Kunz das Bürgerbüro und die Verwaltung zum größten Teil wieder die Amtsgeschäfte weiterführen.

„Jetzt gilt es, die Ärmel hochzukrempeln, in die Hände zu spucken und anzupacken. Ich bin zuversichtlich, dass wir Dillinger das gemeinsam schaffen“, so das Stadtoberhaupt, das sich gerührt über den großen Zuspruch aus der Bevölkerung und den Nachbarstädten zeigt. Aber auch vom großen Einsatz der Mitarbeiter.

Mit Feuereifer hatten sich einige am Donnerstagmorgen an die Reinigung gemacht, um trotz der Brandkatastrophe einen festlichen Rahmen für die Hochzeit von Luminita Bejenaru und Jörg Weber zu schaffen. Die Wege für das Brautpaar wurden gewienert und geputzt, sodass die beiden trockenen Fußes ins Eheglück schreiten konnten. „Ich habe sie vormittags gleich angerufen, dass der glücklichste Tag in ihrem Leben natürlich trotzdem stattfinden kann“, erzählt der Standesbeamte Walter Hoffmann.

Ein schönes Bild und ein erster bei der Rückkehr zum Alltag. Im Rathaus fand am Donnerstag die Trauung von Luminita Bejenaru und Jörg Weber statt.
Bild: Jan Koenen, Stadtverwaltung

Feuer richtete hohen Schaden am Rathaus in Dillingen an

Im denkmalgeschützten Gebäude selbst waren die Experten am Donnerstagnachmittag noch mit der Überprüfung der Standfestigkeit beschäftigt. Die Brandermittler und die Polizei konnten das Gebäude daher laut Kriminalhauptkommissar Thomas Müller noch nicht betreten, um sich auf die Suche nach der Brandursache zu machen. Daher könne man auch noch keine Aussage dazu machen, ob der Brand möglicherweise durch Bauarbeiten am Dach ausgelöst wurde, oder ob es gar Brandstiftung gewesen sein könnte. Bestätigen kann Müller aber, dass am Mittwoch Zimmererarbeiten am Dachstuhl ausgeführt wurden.

Wie hoch der Sachschaden letztlich sein wird, darüber will Oberbürgermeister Kunz am Donnerstag nicht spekulieren. Mit 100.000 Euro sei es aber sicherlich nicht getan. Wichtig sei vor allen Dingen, dass niemand zu Schaden gekommen sei. Aber auch, dass zahlreiche Dinge von unschätzbarem ideellem Wert, wie das Dillinger Triptychon, das Goldene Buch oder die Amtskette und das Archiv, gerettet werden konnten.

Auch dank des mutigen Einsatzes der Kollegen aus dem Stadtentwicklungsausschuss. Nun gelte es, gemeinsam zu putzen, zu schrubben und zu scheuern. „Damit der Laden wieder läuft“, wie Frank Kunz sagt.

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