1. Startseite
  2. Lokales (Dillingen)
  3. Natürliche Alternativen schaffen

Hochwasser

04.03.2015

Natürliche Alternativen schaffen

Im Juni 2012 wurde der Auwald bei Hygstetten – auf der anderen Seite der Donau liegt Peterswörth – bei Hochwasser natürlich geflutet. Dr. Christine Margraf vom Bund Naturschutz sagt, dass der Erhalt und die Wiederherstellung der Auen an Flüssen mit die beste Alternative zu Flutpoldern sind.
2 Bilder
Im Juni 2012 wurde der Auwald bei Hygstetten – auf der anderen Seite der Donau liegt Peterswörth – bei Hochwasser natürlich geflutet. Dr. Christine Margraf vom Bund Naturschutz sagt, dass der Erhalt und die Wiederherstellung der Auen an Flüssen mit die beste Alternative zu Flutpoldern sind.
Bild: Aumiller

Dr. Christine Margraf vom Bund Naturschutz sagt, dass die geplanten Flutpolder im Landkreis nicht wirksam sind. Sie lehnt diese ab. Und dafür hat sie ihre Gründe

Sie spricht von Märchen, die das Ministerium in die Welt setze. Sagt, dass die Bürger „verarscht“ würden und die Planungen „schizophren“ seien. Dr. Christine Margraf wurde deutlich am vergangenen Dienstagabend in Blindheim. Die Biologin beim Bund Naturschutz und dortige Leiterin in der Fachabteilung in München sagte: „Wir lehnen die Flutpolder ab. Denn es stimmt überhaupt nicht, dass sie für untere Anlieger der Donau helfen. Außerdem sind die Polder aus unserer Sicht naturschutzfachlich sehr kritisch zu beurteilen.“ Damit traf Margraf in Blindheim voll ins Schwarze – die vielen Bürger, die auf Einladung von BN-Kreisvorsitzendem Dieter Leippert in den Gasthof Zum Kreuz gekommen waren, nickten zustimmend, fühlten sich bestätigt.

Der ein oder andere schöpfte gar Hoffnung. Hoffnung darauf, dass das Umweltministerium auf den Bund Naturschutz hört und die Planungen für die Flutpolder überdenkt, neu berechnet oder gar bleiben lässt – auch wenn manche natürliche Alternative, die an diesem Abend vorgestellt wurde, auch nicht auf jedermanns Begeisterung stieß. Leippert sagte: „Der technische Hochwasserschutz ist uns ein Dorn im Auge. Es gibt definitiv natürliche Alternativen zu Poldern. Wir haben diese dem Ministerium schon lange vorgestellt. Wir hoffen, endlich in die Diskussion einsteigen zu können.“ Dazu wurde Biologin Margraf nach Blindheim geladen, sie ist beim Bund Naturschutz Expertin für Hochwasserschutz. Sie erklärte, dass die Regierung – bevor diese Polder gebaut werden können – erst nachweisen muss, dass es keine Alternativen gebe und ob sie an den dort geplanten Stellen auch wirksam seien. „Allein die Wirksamkeit macht überhaupt keinen Sinn. Damit können wir ihnen schon einen großen Stein in den Weg legen“, so Margraf. Denn laut Studie der TU München würden die Polder nur bei extremem Hochwasser, wie etwa einer Jahrhundertflut, anspringen, erläuterte die Biologin. „Wir hatten hier in der Region noch nie so ein großes Hochwasser. Ich frage mich also, wann die Polder eingesetzt werden? Deshalb können wir davon ausgehen, dass auch bei einem jährlichen Hochwasser ökologisch geflutet wird. Die Vegetation und die Tiere sollen sich dem Hochwasser ja anpassen“, so Margraf. Des Weiteren würden die Polder im europäischen Schutzgebiet geplant werden. Vor allem rund um Höchstädt/Blindheim liege der Polder mitten im Naturschutzgebiet, der Klosterbach verläuft dort auch.

Christine Margraf sagte auch, dass die Polder nicht für andere Ortschaften wirken würden. „Wenn in Donauwörth das Wasser steht, muss ich sagen: falsche Stadtplanung. Wenn in Neuburg, Ingolstadt oder Kelheim das Wasser steht, dann deshalb, weil Donau und Lech zusammentreffen. Bei Passau treffen Inn und Donau zusammen. Diese gefährliche Überlagerung führt zu Hochwasser. Und wo genau sollen da die Polder helfen?“ Diese Problematik sei auch aus der Studie der TUM herauszulesen, abgesehen davon, dass ihrer Meinung nach von der Universität Idealzahlen hergenommen wurden, die mit der Realität nicht vereinbar seien.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Doch was tun gegen Hochwasser, wenn die Polder nicht wirksam sind? Christine Margraf sagte: „Wir müssen das Hochwasser dort zurückhalten, wo es entsteht. Wir müssen die Speicherkapazitäten unseres Landes nutzen.“ Die Polder würden lediglich die Symptome bekämpfen, der Bund Naturschutz wolle die Ursache bekämpfen. „Außerdem frage ich mich, wer die Verantwortung übernimmt, wann die Polder geflutet werden und wann nicht.“ Davon abgesehen, dass in Poldern tagelang das Wasser nicht fließen würde und dass es so sehr sauerstoffarm werde. Naturschutzrechtlich sei deshalb ein Polder mehr als kritisch zu bewerten.

Ein fertiges Konzept, wie es anders geht, hatte Margraf aber nicht. Aber Alternativen, die ihrer Meinung nach wirken und Polder ersetzen würden. „Man müsste alle unsere Maßnahmen genauso durchrechnen, aber das kostet und ist aufwendig. Bei den Poldern geht das alles schneller und einfacher. Genau deshalb wurde es auch gemacht.“ Die Alternativen, die Margraf am Dienstag in Blindheim vorstellte, waren: der Erhalt und die Wiederherstellung der Auen an Flüssen, Deichrückverlegung, Verbesserung der Versickerungsfähigkeit des Bodens, Wasser-Rückhalt und Abfluss-Verlangsamung an Nebenflüssen und in Mooren, Vermeidung von Versiegelung und Einrichtung von dezentralen, kleinen Rückhalteräumen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren