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Bissingen-Kesselostheim

20.09.2020

Neue Denzel-Kapelle ist jetzt schon ein Magnet

Zahlreiche geladene Gäste trafen sich am Samstagmittag zur ökumenischen Segnung der sechsten Wegekapelle der Siegfried-und-Elfriede-Denzel-Stiftung auf einer Anhöhe über dem Bissinger Ortsteil Kesselostheim. Die moderne Kapelle ist jetzt schon ein Touristenmagnet.
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Zahlreiche geladene Gäste trafen sich am Samstagmittag zur ökumenischen Segnung der sechsten Wegekapelle der Siegfried-und-Elfriede-Denzel-Stiftung auf einer Anhöhe über dem Bissinger Ortsteil Kesselostheim. Die moderne Kapelle ist jetzt schon ein Touristenmagnet.
Bild: Brigitte Bunk

Plus Der renommierte Architekt Volker Staab kommt zur Segnungsfeier seines Werks nach Kesselostheim, die viele Menschen verfolgen. Er erklärt ein besonderes Phänomen dieses Kapellenturms.

Noch nie habe er in seiner 30-jährigen Berufslaufbahn selbst den Ort für sein Werk aussuchen dürfen, sagte Professor Volker Staab. Bei der ökumenischen Segnungsfeier am Samstag mit zahlreichen geladenen Gästen sah der renommierte Architekt aus Berlin nun erstmals die fertiggestellte Denzel-Kapelle auf der Anhöhe über dem Bissinger Ortsteil Kesselostheim, die sich schon vor der Eröffnung zu einem Touristenmagnet entwickelt hat.

Architekt Staab: "Das muss eine Kapelle hin"

„Als ich diesen Hang sah, war das Liebe auf den ersten Blick, ich dachte mir, da muss eine Kapelle hin“, blickte Stararchitekt Staab vor den vielen Interessierten zurück.

Neue Denzel-Kapelle ist jetzt schon ein Magnet
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Die Denzel-Kapelle von Volker Staab
Bild: Brigitte Bunk

Dann habe er sich gefragt, was eine Wegekapelle genau sei. Die Antwort: Ein Ort, in dem man sich besinnt, betet, Schutz sucht und Rast macht. Außerdem solle sie von weithin sichtbar sein, damit jeder die Markierung dieses Ortes sieht. Staab lenkte die Blicke der Gäste zum Weg, von dem aus der Blick ins Tal geht. Und eben zum weithin sichtbaren Kapellenturm zwischen den Bäumen, mit den Holz-Lamellen, die im Innenraum zu jeder Tages- und Jahreszeit für eine unterschiedliche Lichtstimmung sorgen. „Mich fasziniert es, dass die Kapelle im Inneren mit dem Blick nach oben wesentlich höher wirkt als von außen“, teilte der Architekt mit. Staab ließ wissen, dass er sich für das nächste Jahr eine Radtour vorgenommen habe. „Eine Reise an alle sieben Wegekapellen wäre ein wunderbares Erlebnis.“ Der Architekt bedankte sich bei allen, die „zur hervorragenden Umsetzung meiner Ideen beigetragen haben“ – unter anderem bei den ausführenden Firmen und bei seinen Mitarbeitern Ulf Theenhausen und Marienne Wissmann.

Besucher urteilen ganz unterschiedlich über die Kapellen

Der stellvertretende Vorsitzende der Siegfried-und-Elfriede-Denzel-Stiftung, Peter Fassl, erinnerte an die vielen Detaildiskussionen. Es sei bei diesem Prozess immer wieder eine gute Lösung gefunden worden. Die inzwischen sechs Kapellen, die der Wertinger Holzunternehmer Siegfried Denzel und seine Frau Elfriede gestiftet haben, werden unter den verschiedensten Aspekten wahrgenommen. Dies habe man anhand der Besucherbücher festgestellt. Die Herausforderung sei, dass an diesen starken Orten starke Antworten verlangt werden, betonte Fassl. Als großes Glück bezeichnete der Bezirksheimatpfleger, dass sämtliche Architekten mit ihrer Kreativität hervorragende Leistungen abgeliefert hätten. Volker Staab, der sonst Projekte verwirklicht, die in der Größe in einer anderen Dimension spielen, habe hier bei Bissingen zur Freude der Besucher diesen Ort geschaffen, wo sie im Trockenen zur Ruhe und Besinnung kommen. Die Stiftung sorge dafür, dass sämtliche Kapellen in einem guten Zustand bleiben.

Vor der Segnung beteten der katholische Pater Georg Vadakkinezhath und die evangelische Pfarrerin Simone Rink mit den Gästen. Die Pfarrerin nahm die Kreuze in der Kapelle als Metapher für die Lasten, die jeder mit sich trägt und Gott im Gebet anvertrauen kann. „Ich werde die Aufgaben selbst angehen, aber ich kann gestärkt von diesem Ort weggehen“, meinte Rink. Notker Wolf sprach die Fürbitten. Der emeritierte Aptprimas der Benediktiner sprach Peter Fassl ein großes Lob aus. „Diese modernen Kapellen hinterlassen ein Zeichen aus unserer Zeit für die Zukunft“, glaubt der Benediktiner. An den Stifter Siegfried Denzel gerichtet sagte er: „Toll, das Sie in Ihrem Alter für die Moderne einen Blick haben.“

Siegfried Denzel selbst betonte, dass er mit den Kapellen der Region ein Geschenk machen wolle. An die Architekten gerichtet, von denen auch Hans Engel, Wilhelm Huber und Alen Jasarevic vor Ort waren, sagte er: „Sie haben für die Region etwas geschaffen, ich konnte mithelfen.“ Vor allem dankte er seiner Frau Elfriede, die ihn vielseitig geleitet habe, und erklärte, dass diese Kapellen ein Lohn ihrer beider Arbeit sei.

Vor 300 Jahren gab es in der Nähe eine Kapelle

Bissingens Bürgermeister Stephan Herreiner meinte, das imposante Bauwerk füge sich so in die Gemeinde ein, als ob es schon immer dagestanden sei. Der Rathauschef erinnerte an die Kapelle, die bis vor 300 Jahren in der Nähe dieses Ortes gegeben habe. Landrat Leo Schrell gab zu, dass er anfangs skeptisch gegenüber dem Sieben-Kapellen-Projekt gewesen sei. Umso mehr freue er sich jetzt, dass Siegfried Denzel und Peter Fassl sieben hochkarätige Architekten zusammengebracht haben, welche die Kapellen an den Radwegen realisieren.

Bezirkstagspräsident Martin Sailer weiß: „Moderne Baukultur lädt zur Auseinandersetzung ein.“ Vielleicht sage auch einer, einen so hohen Turm hätte es nicht gebraucht. Doch gerade in dieser Zeit, die von Oberflächlichkeit und Beschleunigung geprägt sei, sind Kunst und Kultur laut Sailer als Kontrastprogramm wichtig.

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