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12.02.2015

Neue Hexen hat das Land

24 Mitglieder haben die Heuberghexen in Zöschingen. Die Hästräger sind zwischen zwölf und 60 Jahre alt und werden in diesem Jahr am Rußigen Freitag zum ersten Mal das Rathaus stürmen.
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24 Mitglieder haben die Heuberghexen in Zöschingen. Die Hästräger sind zwischen zwölf und 60 Jahre alt und werden in diesem Jahr am Rußigen Freitag zum ersten Mal das Rathaus stürmen.

In Zöschingen hat sich eine neue Zunft gegründet. Doch bis die Narren durch die Straßen toben konnten, war einiges an Vorarbeit nötig

Eine Hakennase mit Gummizug übers Gesicht ziehen, Omas Besen aus dem Schuppen holen und ihren alten Schürzel aus dem Kleiderschrank. Eine Warze auf die Wange kleben. Fertig ist die Hexe. Nein, so einfach war das nicht in Zöschingen. Bis die Heuberghexen auf ihrem ersten Umzug ihr Unwesen treiben konnten, bedurfte es einiger Arbeit. Und die, sagt Zunftmeister Simon Popp, begann eigentlich schon 2014. Und zwar am Aschermittwoch.

In den närrischen Tagen zuvor waren er und ein paar seiner Freunde als Simpsons unterwegs. Dafür hatten sie große Styropormasken angefertigt. Ein Wahnsinns-Aufwand sei das gewesen. Für eine einzige Saison. „Das war fast zu schade dafür. Da ist die Idee entstanden vielleicht was mit Holz zu machen. Etwas, das man viele Jahre nutzen kann.“ Inspiration seien dabei letztlich auch die Eisbühl-Goischter aus Dischingen gewesen. An denen, sagt Simon Popp, habe man sich orientiert. „Aber uns war klar, dass wir Hexen wollten.“ So griff er sich die Buntstifte, skizzierte die erste Hexenmaske. Und gleich ein mögliches Häs dazu. Doch es blieb nicht bei der einen Skizze. Immer wieder kamen neue Vorschläge. Größere Nase, spitzeres Kinn. Schließlich war die perfekte Form gefunden.

Doch wer sollte die Maske schließlich tragen? Simon Popp und Martin Wagner warfen in Zöschingen die Werbetrommel an. „Wir sind mit Zetteln durchs Dorf gezogen, haben eine Infoveranstaltung gemacht und versucht, Leute dafür zu begeistern. Und das ist uns ziemlich gut gelungen.“ Natürlich seien sie auch von manchen belächelt worden, als das Projekt noch in den Kinderschuhen steckte. „Aber das ist mittlerweile ins Staunen übergegangen.“

Denn in nur wenigen Monaten haben die jungen Männer eine neue Zunft aus dem Boden gestampft. Komplett mit hölzerner Maske, Häs und Satzung, eingetragen als Verein. Der Name: Heuberghexen. Der sei schnell gefunden gewesen, sagen die beiden Zunftmeister. Ebenso wie der Schlachtruf: „Heuberghex, hex, hex.“ Länger gedauert habe es mit der Maske und dem Häs. Klar sei bei Letzterem gewesen, dass die Farben aus dem Zöschinger Wappen beinhaltet sein sollen. Die Hose ist deshalb weiß, die von Anneliese Wagner ehrenamtlich gestrickten 24 Paar Stulpen blau-gelb, das Hemd blau, der Schurz gelb. So sind auch gleich die Landesfarben von Bayern und Baden-Württemberg, das schließlich direkt nebenan liegt, mit drin. Die Sache mit dem Häs, das sei eine echte Gemeinschaftsproduktion gewesen, sagt Simon Popp. Viele haben ehrenamtlich mitgeholfen, gestrickt und genäht. Damit bis zum ersten Auftritt am 9. Januar alles fertig war, wurden sogar Nachtschichten eingelegt. Und dann gab es da ein paar Spezialaufgaben. Eine davon: 25 Pferdeschweife besorgen. In Regensburg haben sie schließlich einen Händler gefunden, der so etwas vertreibt. Die Schaffelle wurden in Nürnberg gegerbt. Matthias Krass stellte den Kontakt zu einem Besenbinder her und stiftete im Anschluss die kompletten Besen. Fehlte nur noch die Maske. Die machte sich Simon Popp zur Aufgabe. Im Rahmen seines Studiums an der pädagogischen Hochschule in Schwäbisch Gmünd schrieb er gleich eine fachpraktische Arbeit über die Herstellung einer solchen Maske. Selbst geschnitzt hatte er vorher noch nie. „Ich habe mir ein paar Tipps vom Chef der Dischinger Goischter geholt, mich an einen Lindenblock gesetzt und losgelegt.“ Nach vielen Stunden stand dann der Prototyp, auf dessen Basis die anderen Masken gefertigt wurden. Den letzten Schliff gaben die 24 Hästräger ihren Masken schließlich selbst, bemalten sie auch persönlich. „Jede ist ein bisschen anders.“ Und trotzdem: Auf einem Umzug zu erkennen, wer wer ist, das fällt ihnen noch extrem schwer. „Da muss man dann auf die Schuhe schauen.“

Böse Hexen, sagt Simon Popp, das seien sie nicht. Aber wer nicht aufpasst, der kann schon einmal eine Heudusche abbekommen, eine Runde im Heubett drehen oder Bekanntschaft mit der Schandgeige machen. Gut möglich, dass dieses Schicksal am Rußigen Freitag auch Bürgermeister Tobias Steinwinter ereilt. Der ist passives Mitglied der Zunft und habe förmlich um eine Erstürmung seiner Amtsräume durch die Hexen, die auch einen Tanz eingeübt haben, gebettelt. „Da darf er sich auf was gefasst machen“, sagt Simon Popp. Wesentlich gesitteter verhalten sich die 24 Hästräger, die zwischen zwölf und 60 Jahre alt sind, in den Kindergärten, die sie heuer besuchen. „Wir wollen den Kindern die Angst nehmen“, sagt Simon Popp. Die Schandgeige bleibt da wohl zu Hause.

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