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04.12.2007

Neue Runde im Streit um die "Karlsbader Oblaten"

Dillingen (bv, ddp) - Der CSU-Europaabgeordnete und Chef der Sudetendeutschen Landsmannschaft (SL), Bernd Posselt, fordert im Streit zwischen Deutschland und Tschechien um den Namen "Karlsbader Oblaten" eine einvernehmliche politische Lösung.

Mehrere tschechische Hersteller drängen bei der EU auf einen Schutz der Ursprungsbezeichnung "Karlsbader Oblaten". Nach ihrem Willen sollen nur noch Waffeln, die in der Region Karlsbad produziert werden, den Namen Karlsbader Oblaten tragen dürfen. Auch die Herstellung mit Karlsbader Mineral-Heilwasser spiele eine wichtige Rolle. Bereits vor drei Jahren hatte Tschechien einen Antrag auf den Schutz des Namens eingereicht, inzwischen wehrt sich Deutschland mit einem Einspruch in Brüssel. Die Firma Wetzel, die seit der Vertreibung von Gründerin Marlene Wetzel-Hackspacher aus Marienbad in Dillingen "Karlsbader Oblaten" produziert und heute von Hans Hackspacher geführt wird, hat ebenfalls in Brüssel Einspruch eingelegt und Unterstützung bei OB Hans-Jürgen Weigl und der SL-Kreisgruppe gefunden.

Hauptproblem in dem Streit ist laut Posselt, dass "die spezifische Situation einer Vertreibung" von der EU nicht bedacht worden sei, als vor Jahren die Richtlinie über den Schutz regionaler Erzeugnisse geschaffen wurde. Ihn stimme es zuversichtlich, dass sich nun das Bundeslandwirtschaftsministerium in dieser Sache engagiere.

Wenig Verständnis für Kritik

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Wenig Verständnis zeigte der CSU-Politiker für derzeit heftige Kritik in Tschechien am Einspruch der Firma Wetzel. "Man hat die Erzeuger der Oblaten vertrieben, die Menschen haben unter entsetzlichen Opfern ihre Betriebe aus dem Nichts aufgebaut, und jetzt ist das alles wieder gefährdet. Wenn jemand einen Grund zur Emotionalisierung hätte, wären es die Sudetendeutschen", sagt Posselt. Brezina hält dagegen den Antrag der tschechischen Hersteller auf einen Schutz der Ursprungsbezeichnung für gerechtfertigt. Er verlangte, die Kommission solle den Fall unabhängig vom historischen Kontext beurteilen. Es gehe um "eine rein wirtschaftliche Auseinandersetzung".

Es geht aber auch um rund 30 Arbeitsplätze in Dillingen, denn es drohe das Aus für die schwäbische Oblaten-Produktion: "Wer will denn Dillinger Oblaten kaufen?", fragt Hans Hackspacher. Karlsbader Oblaten wurden bis 1945 vor allem im damals mehrheitlich von Deutschen bewohnten "Bäderdreieck Karlsbad - Marienbad - Franzensbad", aber auch in Österreich hergestellt. Marlene Wetzel-Hackspacher und ihre Familie hatten in Karlsbad Oblaten gebacken. Nach der Vertreibung führte die heute 85-Jährige die Tradition in Dillingen fort.

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