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Gundelfingen

22.01.2019

Neuer Ortsverband: Die Grünen wollen in Gundelfingen mitreden

Bei der Gründung des neuen Ortsverbandes der Grünen in Gundelfingen: (von links) Joachim Hien, Eva Lettenbauer, Roswitha Stöpfel, Walter Altmann, Yasmin Yildiz, Katharina Schulze und Heidi Terpoorten.
Bild: Andreas Schopf

Die Partei gründet einen Ortsverband in der Gärtnerstadt. Zum Auftakt kommt unter anderem Katharina Schulze. Warum sie sich nach der Veranstaltung ärgert.

Katharina Schulze bekommt am Montagabend deutlich zu spüren, wie schlecht die Netzabdeckung in der Region ist. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bayerischen Landtag sitzt im Zug und will am Handy den Handball-Krimi zwischen Deutschland und Kroatien verfolgen. Nur: Sie hat keinen Empfang. „Die Netzabdeckung ist eine Katastrophe“, twittert die 33-Jährige. „Ich bekomme hier zwischen Gundelfingen und Dinkelscherben nichts mit!“

Grüne Gundelfingen: Gründung des Ortsverbandes sei "historischer Tag"

Dass Schulze – Shootingstar und Spitzenkandidatin der Grünen bei den Landtagswahlen im Herbst – überhaupt den Weg in den hiesigen Landstrich gefunden hat, hängt mit einem, zumindest aus Sicht der Partei, erfreulichen Ereignis zusammen. Die Grünen haben einen Ortsverband in Gundelfingen gegründet. Er ist neben Dillingen und Binswangen der dritte im Landkreis. Zum Auftakt im Hotel-Gasthof Sonne in Echenbrunn kommt neben Schulze auch die neu gewählte Landtagsabgeordnete Eva Lettenbauer. Es sei ein „historischer Tag“, begrüßt Grünen-Kreissprecher Joachim Hien die beiden und die rund 50 Gäste. Bezirksrätin Heidi Terpoorten, die selbst bis vor sieben Jahren in Gundelfingen gewohnt hat, berichtet, dass sie dort schon damals einen Ortsverband gründen wollte. Dass es in ihrer alten Heimat nun geklappt hat, freue sie umso mehr. Und sie gibt ein Ziel aus: Im nächsten Gundelfinger Stadtrat sollen die Grünen vertreten sein.

Dann spricht Katharina Schulze. „Wie kann man das Jahr besser starten, als mit der Gründung eines neuen Ortsverbandes?“, beginnt sie. Schulze gratuliert den Gundelfingern und betont, dass die politische Arbeit vor Ort mit am wichtigsten sei. „Das betrifft die Leute persönlich.“ Dann schwenkt sie auf die großen Themen. Schulze kritisiert die CSU, die AfD und Donald Trump. Sie spricht über die Energiewende, Mobilität, giftfreie Landwirtschaft, Tierschutz und die Gefahren durch Nationalismus. Einstellungen wie „Bavaria first“ würden ins Chaos führen. Und auch ein harter Brexit habe weitreichende Folgen für die heimische Wirtschaft, warnt sie. „Da werden viele Unternehmen in der Region mit den Ohren schlackern.“

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Katharina Schulze gratuliert den Grünen in Gundelfingen

Die Gründung des Ortsverbandes in Gundelfingen komme zu einem guten Zeitpunkt. Mit der Europawahl in diesem und den Kommunalwahlen im kommenden Jahr würden zwei wichtige Entscheidungen anstehen, sagt Schulze. Abschließend motiviert sie: „Man kriegt die Welt nicht besser gemeckert. Lasst sie uns besser machen.“ Im Gespräch mit unserer Redaktion sagt Schulze: „Was die Menschen hier in Gundelfingen antreibt, ist der dringende Wunsch, etwas zu ändern und die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Wir alle merken doch: Unsere Demokratie verteidigt sich nicht von selbst.“

Schulzes neue Kollegin im Landtag und Abgeordnete aus dem Landkreis Donau-Ries, Eva Lettenbauer, löst sie auf der Bühne ab. Lettenbauer verkündet, dass der Ortsverband am Tag der Neugründung bereits zwei neue Mitglieder verzeichnen kann. „Ein super Signal“, sagt sie. Sie würde derzeit in der Region viele Menschen kennenlernen, die „grün ticken“. Auch die Entscheidung der Gemeinde Haunsheim, pestizidfreie Kommune zu werden (hier finden Sie mehr zu dieser Entscheidung), lobt sie. „Das sind Dinge, die motivieren.“ Kritisch äußert sie sich zur geplanten B16-Umfahrung in Höchstädt. Die Gegend dort sei schützenswert. „Wir müssen deutlich machen, dass es bei diesem Thema einen großen Einspruch in der Bevölkerung gibt.“ (Lesen Sie hier mehr dazu, wie der Höchstädter Stadtrat die Weichen für die B16 Nord gestellt hat)

Dann kommt der trockene Teil des Abends – die Wahl des neuen Ortsvorstandes. Das ist nicht mehr als ein formaler Akt. Drei Kandidaten stellen sich zur Wahl. Wie für die Grünen üblich, eine Frau und ein Mann für den Doppel-Vorsitz, dazu eine Schriftführerin. Schulze und Lettenbauer spielen die Wahlhelferinnen, und verkünden die wenig überraschenden Ergebnisse: Die sechs Wahlberechtigten schenken den drei Kandidaten ihr Vertrauen, und diese nehmen die Wahl an.

Roswitha Stöpfel und Walter Altmann sind die Vorsitzenden

Vorsitzende des neuen Ortsverbandes ist zum einen Roswitha Stöpfel, Inhaberin von „Landeinkauf“, einem Anbieter von nachhaltigen und regionalen Lebensmitteln in Gundelfingen. Der Mensch, die Natur sowie soziales und ethisches Handeln sei ihr wichtig, betont sie in ihrer Vorstellung. Als Vorsitzender an ihrer Seite steht Walter Altmann. Er sei „größter Sympathisant der Grünen“, sagt er. „Bisher stand ich damit meistens alleine da. Deshalb gefällt es mir ungemein, dass es jetzt einen Ortsverband gibt.“ Schriftführerin ist Yasmin Yildiz. „Ich hatte eine tolle Kindheit und führe ein schönes Leben in Gundelfingen“, sagt sie. „Ich möchte, dass das für nachfolgende Generationen so bleibt.“

Es gibt ein Geschenk für Schulze und Lettenbauer, Fotos werden geschossen. Dann brechen die beiden mit dem Zug auf. Und Schulze, bekennende Handball-Anhängerin, ärgert sich über die Netzabdeckung in der Region.

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