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Dillingen/Gundelfingen

04.10.2018

Nicht wie der Vogel Strauß den Kopf in den Sand stecken

Der Befreiungstheologe und Missionar Paulo Suess, der aus Gundelfingen stammt, sprach jetzt beim Katholischen Akademikerkreis in Dillingen über die päpstliche Umwelt- und Sozialenzyklika.

Befreiungstheologe Paulo Suess führt in Dillingen in die päpstliche Sozialenzyklika ein. Er plädiert für die Priesterweihe von verheirateten Männern und die Ordination von Frauen.

Spätestens mit Papst Franziskus sollte allen Katholiken – und nicht nur ihnen – klar geworden sein, wie viel Aufmerksamkeit sie dem Kontinent seiner Herkunft zuwenden müssten. Dem trug der Dillinger Katholische Akademikerkreis Rechnung, indem er Prof. Dr. Paolo Suess dazu einlud, in die Thematik der päpstlichen Umwelt- und Sozialenzyklika „Laudato si“ und der davon stark motivierten, zum Oktober 2019 geplanten Bischofssynode für das Amazonasgebiet einzuführen. Es wäre auch kaum ein kompetenterer Referent zu gewinnen gewesen als er, der aus Gundelfingen stammt, aber längst in Südamerika heimisch geworden und dort als Befreiungstheologe in prominenter Stellung tätig ist.

Das bestätigte Paolo Suess eindrucksvoll mit seinem Vortrag: Dessen Inhaltsreichtum und Diktion leiteten sich spürbar aus persönlichen Erfahrungen wie aus gründlicher Vertrautheit mit jenen Dokumenten her, in denen die lateinamerikanische Kirche und Theologie sich an den ihr gestellten Problemen abarbeitet. Die detaillierten Informationen und Überlegungen verdichtete er immer wieder in eingängigen Bildern. So bezeichnete er etwa das Amazonasgebiet als die Lunge unserer Erde und die dortigen misslichen Verhältnisse als Lungenentzündung, die sich auf den ganzen Planeten auswirkt. Zu heilen ist sie – ökologisch – nur durch Abkehr von maßlosem Konsum, vom Ziel kapitalistischer Macht- und Gewinnmaximierung, mithin von der Ausbeutung der Natur und – sozial – durch die volle Respektierung der Menschenrechte und der Kultur(en) der Armen.

Für die anfangs genannte Synode ist die sozio-ökologische Dimension eines erneuerten Lebenssystems freilich unlöslich verflochten mit einer dringend erforderlichen Neuevangelisierung. Gelingen könne diese nur von der Basis her, im Hören auf die Anliegen und Ideen der Armen und den ihnen innewohnenden Geist. Das setzt, wie Suess sagte, voraus, dass die Ortsgemeinden Freiraum haben, das gemeinsame Unverzichtbare des Glaubens in „kulturellen Variationen“ zu verwirklichen. Weil aber grundlegend für den Aufbau der Gemeinden und ihre missionarische Wirksamkeit die Eucharistiefeier sei, müsse vor allem der eklatante Priestermangel behoben werden. Die Priesterweihe von verheirateten „viri probati“, das heißt von längst bewährten Gemeindeleitern, wie die Frauenordination werden deshalb nach Ansicht des Missionars sehr vernehmbar zur Sprache und auf den Prüfstand kommen müssen. Wer dies als unrechtmäßigen Bruch mit der Tradition beargwöhne, der verkenne, dass die Geschichte der Kirche bis heute eine Geschichte immer neuer Aufbrüche sei.

Die Erwartungen an die Bischofssynode für das Amazonasgebiet, die in Rom tagen wird, bündelte Prof. Suess wieder in ein einprägsames Bild von drei Vögeln: In Rom möge sich mit dem lateinamerikanischen Kondor die Taube des Heiligen Geistes niederlassen, und niemand möge dort und in der ganzen Kirche wie der Vogel Strauß den Kopf in den Sand stecken vor den anstehenden Problemen und notwendigen Entwicklungen. Zustimmender, herzlicher Beifall!

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