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Oberliezheim

03.05.2019

Oberliezheim ist „klein genug, damit es noch funktioniert“

Vor 750 Jahren wurde Oberliezheim urkundlich zum ersten Mal erwähnt. In diesem Jahr wird dieses Jubiläum groß gefeiert. Unter anderem finden an diesem Wochenende zwei Heimatabende mit Gemeindearchivar Helmut Herreiner statt.
Bild: Horst von Weitershausen

In Oberliezheim kennt man sich. In dem 190-Seelen-Dorf ist nicht nur die Welt, sondern auch die Demografie in Ordnung. Nur mehr Schnee wäre schön.

„Am Bergeshang, am Waldesrand, da liegt mein Liezheim dort. Das kleine Dorf, im Schwabenland, das ist mein Heimatort.“ Dies ist die erste Strophe. Ja, das kleine Dorf Oberliezheim hat sogar ein eigenes Lied. Und es hat die einzige Skiliftanlage im Landkreis Dillingen. In diesem Jahr feiern die Einwohner ein Jubiläum. Am 17. April 1269 wurde ihr Dörflein erstmals urkundlich erwähnt. Oberliezheim blickt auf 750 Jahre zurück. Für das Festjahr wurde ein Organisationsteam gegründet. Geplant sind zwei Heimatabende, diese finden am heutigen Samstag und morgigen Sonntag statt, ein Dorffest im Juni und ein historisches Theater im September. Peter Sporer ist nicht nur der Oberliezheim-Vertreter im Gemeinderat, er ist auch bei den Planungen für das Festjahr eingespannt. In seinem Heimatteam ist auch Gerd Broersen, der vor fünf Jahren nach Oberliezheim gezogen ist, und seither eine feste Säule dort ist. Warum sie ihr Dorf so lieben?

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Herr Sporer, sind Sie jemals aus Oberliezheim weggezogen?

Sporer: Bin ich. Was tut man nicht alles für eine Beziehung … Als ich wieder zurückkam, habe ich mir gleich ein Baugrundstück reserviert.

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Es gibt ja auch Unterliezheim. Froh, dass Sie „oben“ wohnen?

Sporer: Im Tal ist auch kein Handyempfang und hier oben sieht man weiter. Allerdings muss man fast aus jeder Richtung mit dem Rad zum Heimkommen einen Berg rauf.

Will man in Oberliezheim alt werden?

Wie viele Einwohner gibt es?

Sporer: 190 – klein genug, damit „es“ noch funktioniert. Jeder ist quasi in jedem Verein, da gibt’s keine Zankereien.

Warum ist Oberliezheim aus Ihrer Sicht ein Ort zum glücklich sein und alt werden?

Sporer: Mischung aus alt und neu stimmt für mich, Tradition und Moderne, die Schönheit der Natur. Natürlich ist hier kein Idyll. Es ist eine richtige Mischung aus Leuten, die sich vorne hinstellen und Leuten, die mit anpacken. Es gibt Unbeteiligte, warum auch immer, das muss man akzeptieren. Aber man muss was für die Gemeinschaft tun, dann gibt sie einem viel zurück.

Gerd Broersen: Oberliezheim ist ein offenes und übersichtliches Dorf, das Menschen, die mitmachen wollen, gerne aufnimmt. Auch gegenseitige Unterstützung wird großgeschrieben. Darüber hinaus liegt Oberliezheim landschaftlich sehr schön.

Handyempfang ist Zufall

Wäre da nicht diese Netzproblem…

Sporer: Man findet eher Walderdbeeren als ein Handynetz.

Wo holen Sie eigentlich Ihre Frühstückssemmel?

Sporer: In Augsburg, da arbeite ich. Oder selber backen.

Gilt noch: Jeder kennt jeden. Oder gibt es gar „Reingschmeckte“?

Sporer: Natürlich und Gott sei Dank gibt es Reingschmeckte. Neue Impulse und Sichtweisen tun gut. Manche aktiv, manche still. Gleiches gilt auch für Einheimische. Man kennt sich und ist per Du.

Broersen: Es gibt auch eine Reihe von Reingeschmeckte, die, wenn sie sich aktiv in die Gemeinschaft einbringen, schnell dazugehören.

Wie viele Kinder leben im Dorf?

Wie ist die Altersstruktur im Dorf?

Sporer: Mit circa 25 Kindern unter 13 Jahren ist nicht nur die Welt, sondern auch die Demografie in Ordnung.

Das Dorf feiert 750 Jahre. Das wird auch mit einem Dorffest gefeiert.

Sporer: Der Staub vom bisher „aufwandsminimierten“ (aber immer gleichen) Dorffest wurde entfernt. Ein neues Konzept wurde erarbeitet. Und es gibt eine Verlosung einer Ballonfahrt zu gewinnen, da wir ja unseren Herrn Stuwer zu würdigen haben. All diese Aktivitäten, in der sehr viele Oberliezheimerinnen und Oberliezheimer mit Spaß und Eifer ihren Betrag leisten, festigt die Dorfgemeinschaft in 2019 und darüber hinaus durch die gemeinsame Erinnerung.

Glauben Sie, dass es das kleine Oberliezheim auch noch in 750 Jahren geben wird?

Sporer: Wenn uns der Himmel nicht auf den Kopf fällt, warum nicht?!

Broersen: Durch die besonderen Aktivitäten in diesem Jubiläumsjahr, aber auch mit Skiclub, Feuerwehrverein, Kinderspielplatzpflege und -ausbau, mit unserer starken katholischen Pfarrgemeinde arbeiten wir auf breiter Basis an einer entschleunigten Lebbarkeit unseres Dorfes. Wenn wir dann auch noch den Jungen die Möglichkeit geben im Dorf Bauen und ihre Familie gründen zu können, ist es uns um die Zukunft von Oberliezheim nicht bange.

Wie könnte es in 750 Jahren in Oberliezheim ausschauen?

Sporer: Vielleicht (eher leider) sind wir dann ein Vorort von München. Den Abwasserkanal sollten wir bis dahin aber haben.

Broersen: Oberliezheim wird sich im Rahmen der Zeit weiterentwickeln. Das heiß sicherlich nicht, dass Oberliezheim wachsen wird. Dazu leben wir, Gott sei Dank, zu weit von den Metropolen wie München, Nürnberg und auch Augsburg weg. Oberliezheim wird aber den Menschen, die hier leben und ihren Nachkommen, eine Heimat bleiben.

Schnelles Internet ist notwendig

Was braucht Oberliezheim dringend?

Sporer: Breitband und Glasfaser bis in die Häuser, einen Dorfstadel, die Dorfinnenentwicklung anpacken – und Schnee. Broersen: Es ist wichtig, dass wir über eine gute Infrastruktur verfügen. Da gehören schnelles Internet und gute Mobilnetze. Darüber hinaus sind Einkaufsmöglichkeiten für Dinge des täglichen Bedarfs in Bissingen unabdingbar. Grundsätzlich sind die Oberliezheimer aber zufrieden mit dem Status Quo und der schrittweisen Entwicklung.

Heimatabende: Am heutigen Samstag, 4. Mai, findet der erste Heimatabend statt. Dieser ist schon ausverkauft. Eine weitere Vorstellung findet deshalb am morgigen Sonntag, 5. Mai, ab 13 Uhr im Feuerwehrhaus Oberliezheim statt. Karten gibt es noch. Gemeindearchivar Helmut Herreiner blickt in die Geschichte Oberliezheims zurück.

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