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Höchstädt

02.11.2019

„Ohne die Schlossfinken geht es nicht“

Bild: sb, Repro

Plus Jeanette Lenz ist seit 40 Jahren in der Höchstädter Faschingsgesellschaft aktiv – so lange wie kein anderes Mitglied im Verein. Dabei fand die 55-Jährige den Fasching als Kind überhaupt nicht lustig.

Dass die Bilder schon einige Jahre alt sind, erkennt man sofort. Manche Ecken sind eingeknickt, das ein oder andere Foto hat diesen typischen, leichten Gelbstich. Aber eines ist auf allen Bildern gleich: Die Frau, die darauf zu sehen ist, strahlt über das ganze Gesicht. Es ist Jeanette Lenz.

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Das Strahlen, wenn sie von „ihren“ Höchstädter Schlossfinken erzählt, hat sich auch heute nicht verändert. Ganz im Gegenteil. „Ohne die Schlossfinken geht es nicht. Die gehören dazu“, sagt die 55-Jährige. Und das seit 40 Jahren. Jeanette Lenz ist das längste, aktivste Mitglied der Höchstädter Faschingsgesellschaft.

Diesen Montag ist in Höchstädt etwas Besonderes geboten

Am Sonntag, 3. November, 13 bis 17 Uhr, können Besucher nicht nur die neuen Räumen im Vereinsheim der Schlossfinken anschauen, sondern auch eine Reise durch die Faschingsvergangenheit machen. Eine große Archivausstellung zeigt Bilder von den Anfängen der Gesellschaft – bis heute.

„Ohne die Schlossfinken geht es nicht“

Und auf vielen dieser Bilder lacht Jeanette Lenz. „Es ist wirklich witzig, wenn man die Bilder in die Hand bekommt und durchschaut. Es hat sich doch einiges verändert. Und man erkennt, wie die Zeit vergeht“, sagt sie. Dabei wollte sie als kleines Mädchen eines überhaupt nicht: Fasching feiern. Erst recht nicht Verkleiden. Das hat sich aber irgendwann schnell geändert.

Als Teenie, so erzählt es Jeanette Lenz, wollte sie gemeinsam mit einer Freundin unbedingt regelmäßig Tanzen gehen. Über ein paar Ecken kannte man den ein oder anderen Schlossfinken und viel mehr Möglichkeiten gab es auch nicht. Lenz erinnert sich: „Ich habe dann in der Garde angefangen. Da bin ich viele Jahre geblieben, es hat mir unglaublich Spaß gemacht.“

Unzählige Schlossfinken-Kostüme hat sie gesammelt

Unzählige Kostüme, Schuhe und Hüte hat sie in all der Zeit gesammelt. Manche Kostüme hat sie heute noch im Schrank, wie sie erzählt. Die Höchstädterin sagt, dass vor 40 Jahren die Gardemädchen noch zwei Tänze aufgeführt haben – klassisch und modern.

Samstalk mit Bernhard Veh

Helau! Bernhard Veh ist der Chef der Höchstädter Schlossfinken und Sprecher aller Faschingsvereine im Landkreis Dillingen. Und er ist längst in Faschingsstimmung :) Seine Schlossfinken starten schon am Sonntag, 3. November, in die Saison. Von 13 bis 17 Uhr findet ein Tag der offenen Tür im Vereinsheim, An der Bleiche 18 a, statt. Die neuen Räumen können besichtigt werden und die Besucher dürfen eine Reise in die Vergangenheit machen.... Viel Spaß :)

Gepostet von Donau Zeitung am Montag, 21. Oktober 2019

Und es gab Jahre, in denen die Garde aus nur sechs Mädchen bestand. Es habe sich sehr viel verändert, aber eines sei geblieben: Der Gardetanz ist rhythmisch und akkurat.

Die Choreografie muss sitzen. „Genau das macht es aus. Das hat mir in der Garde auch immer gut gefallen. Und natürlich will man dem Publikum zeigen, was man geübt hat“, sagt die 55-Jährige. Nach ihrer aktiven Zeit in der Garde tanzte Jeanette Lenz einige Male im Showtanz mit und war zwischenzeitlich sogar als Hofnarr aktiv. „Wie ich dazu gekommen bin, weiß ich auch nicht mehr so genau“, sagt sie und lacht.

Jeanette Lenz und die Schlossfinken – das gehört zusammen.

Mittlerweile fühlt sich die Höchstädterin hinter der Bühne wohler, betont sie. Im Mittelpunkt stehe sie nicht gerne. Die Jobs in der Faschingsgesellschaft sind dadurch aber nicht weniger geworden. Lenz trainierte unter anderem die Garde und leitete das Vereinszentrum, betreut jetzt das Männerballett, ist eine fleißige Küchenfee, seit Jahren Mitglied im Elferrat – und sie packt überall an, wenn sie gebraucht wird. Das gehöre für sie einfach dazu. Ein echter Schlofi eben, wie sie schmunzelnd sagt.

Ihre Leidenschaft für den Höchstädter Verein hat der Mann auch abbekommen

Ihre Leidenschaft für die Höchstädter Faschingsgesellschaft hat sie auch an ihren Mann Ulrich weitergegeben. Er ist mittlerweile fast genau so lange aktiv. Er war schon Prinz, war jahrelange im Vorstand und im Elferrat, Wagenbau und Events waren seine Steckenpferde, seit einiger Zeit hat er den Titel Ehrenpräsident. Und wer regelmäßig Veranstaltungen der Schlossfinken besucht, der kommt am Name Lenz kaum vorbei. Nichten und Neffen, Schwager und Schwägerin – „Lenz und Fasching gehört zusammen“, sagt Jeanette Lenz und lächelt.

Alle Aktiven Schlossfinken waren auch einen Hausball

Fester Bestandteil seit vielen Jahren ist deshalb auch der Hausball bei ihr und Mann Ulrich im Haus in Höchstädt. Alle Schlossfinken sind dazu in jeder Saison eingeladen. Nur so könnten die Aktiven sich im Fasching auch mal verkleiden. Und richtig feiern. Die Lenz-Hausbälle sind legendär. „Alle warten immer schon auf dem Termin, wann er wieder ist.“ Worauf der größte Teil der Faschingsgesellschaft ebenfalls in jeder Saison wartet, ist die Bekanntgabe der jeweiligen Prinzenpaare. Wochenlang wird daraus immer ein Geheimnis gemacht, das am 11.11. offiziell gelüftet wird. „Der Hofball ist dann immer schon ein Höhepunkt in der Saison, denn dann sieht man sie eben auch alle in ihren Kostümen. Ich bin jedes Jahr aufs Neue beeindruckt, was sich alle einfallen haben lassen. Das ist wirklich toll“, schwärmt Lenz.

"Ich kriege davon nicht genug"

Klar, dass sie auf keinem Auftritt der großen Schlossfinken fehlt, ihre Kollegen in der Arbeit wissen schon, dass sie in der Faschingswoche Urlaub braucht. Das habe bislang immer gut geklappt, sagt Jeanette Lenz. „Ich sehe die Auftritte der Gruppen ja teilweise ganz oft in einer Saison. Aber ich kriege davon nicht genug. Mir gefällt es immer wieder“, sagt sie.

Das linke Bild zeigt Jeanette Lenz in ihrem ersten Gardekostüm, das Bild rechts ein paar Jahre später. Bis heute ist sie den Schlossfinken treu geblieben.
Bild: sb, Repro

Deshalb ist für sie der Aschermittwoch immer ein trauriger Tag. Dann wird das Faschingsende eingeläutet. Zwar ist die Pause bis zur nächsten Saison für aktive Mitglieder, wie es Jeanette Lenz ist, durchaus überschaubar. Aber: „Ich vermisse die Schlossfinken dann schon. Wir sind einfach ein gutes Team. Man ist so eng aufeinander und dann geht man auseinander.“ Bis zur nächsten Faschingssaison.

Die Höchstädter Schlossfinken öffnen am Sonntag, 3. November, von 13 bis 17 Uhr, ihr Vereinsheim (An der Bleiche 18a) in Höchstädt für Besucher. Dann können die neuen Räume der Faschingsgesellschaft angeschaut werden. Zudem gibt es eine Archivausstellung zu sehen und die Ordensmalermanufaktur hat geöffnet.

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