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06.07.2010

Pater Anselms Anleitung für ein besseres Leben

Tiefe Spiritualität: Pater Anselm Grün sprach am Montagabend in der Höchstädter Stadtpfarrkirche über "Heilende Rituale".

Höchstädt Bärbel Gerstmayr und Inge Helmschrott sind schon um kurz nach 19 Uhr da. Sie wollen Pater Anselm Grün hören, der am Montagabend ab 20 Uhr in der Höchstädter Stadtpfarrkirche spricht. Inge Helmschrott hat vor einigen Jahren bereits einmal einen Vortrag des charismatischen Benediktiners in Wertingen erlebt: "Da kam ich allerdings zu spät und saß zu weit hinten." Die Folge: Die Wertingerin konnte Pater Anselm nicht richtig hören. In Höchstädt ist Helmschrott so früh dran, dass sie einen Platz in der zweiten Reihe ergattert. Gebannt fiebert sie dem Auftritt des christlichen Autors entgegen: "Er inspiriert mich."

Als Pater Anselm kurz vor acht in der Stadtpfarrkirche eintrifft, ist das Gotteshaus mit etwa 700 Hörern voll gefüllt. Bürgermeisterin Hildegard Wanner kann sich nur an ein Ereignis erinnern, das so viele Menschen in die Mariä-Himmelfahrts-Kirche lockte: "2004, beim Staatsempfang Stoibers, war es ähnlich", sagt Wanner. Stadtpfarrer Roland Bise begrüßt den Gast, "einen der meistgelesenen christlichen Autoren der Gegenwart", im Namen der katholischen und evangelischen Kirchengemeinde sowie der Stadt. Pater Anselm ist sofort beim Thema. Er spricht mit einem unaufgeregten, aber eindringlichen Tonfall über "Heilende Rituale" - immer wiederkehrende Handlungen, die den Alltag positiv beeinflussen können.

In den 1960er Jahren verpönt

Dabei blickt der Mönch der Benediktinerabtei Münsterschwarzach auf die 1960er zurück, in denen der Zeitgeist gegen Rituale mobil gemacht habe. In den vergangenen 20 Jahren hätten sie aber auch in der Psychologie eine Renaissance erlebt. "Rituale haben eine heilende Wirkung", sagt der 65-Jährige, der seit 1977 als Cellerar für die wirtschaftliche Leitung der Abtei Münsterschwarzach verantwortlich ist.

Pater Anselms Anleitung für ein besseres Leben

Es sind gerade die unspektakulären Einsichten, die Grüns Vortrag sensationell machen. Der Pater erzählt von einer Frau, die sich morgens im Bad bewusst fünf Minuten Zeit nimmt - der einzige selbstbestimmte Spielraum während des Tages. "Das ist für mich eine heilige Zeit", zitiert Grün die Mutter. Der Weg zur Arbeit könne ebenso als Geschenk Gottes erfahren werden wie die Rückkehr: "Viele kommen nach Hause, aber sie sind nicht zu Hause. Wenn ich die Tür der Arbeit nicht schließe, kann sich die Tür der Familie nicht öffnen."

Im Zentrum stehen die Rituale der Kirche - für Grün eine Vergewisserung, dass unser Leben gelingen wird. "Im Anzünden einer Kerze drücke ich aus, dass Gott das Dunkel unseres Lebens erleuchten wird." In der Eucharistiefeier gehe es um die Zerrissenheit unseres Lebens, die von Gott verwandelt und geheilt werde. Pater Anselm rät den Hörern, eigene Rituale zu überprüfen. Und er wünscht den Menschen, dass deren Leben durch Jahrhunderte alte Rituale der Kirche "bunter und heiler wird". Grün erhält lang anhaltenden Applaus - Pfarrer Jochen Eberhardt dankt dem Benediktiner für die inspirierenden Worte. Viele Besucher lassen sich nach dem Vortrag Bücher signieren, einige bitten Grün um den Segen. "Ich nehme viel Gutes mit nach Hause", sagt die Wertingerin Barbara Heinle: "Nur schade, dass man Pater Anselm so schlecht verstanden hat." Einige Hörer, insbesondere in den hinteren Reihen, klagen über eine unzureichende Tonqualität der Lautsprecheranlage.

Die meisten Besucher des Vortrags, durch den auch das Leserhilfswerk "Kartei der Not" unterstützt wird, sind restlos begeistert. Rita Kordik zählt zu denen, die den Alltag künftig bewusster angehen wollen. "Mir hat das gut getan", sagt die Höchstädterin. Johanna Öxler ist ebenfalls motiviert, zu Hause an religiösen Ritualen wie Tisch- und Abendgebeten festzuhalten.

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