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Menschen 2014

26.07.2014

Pater Süss, die Indios und der Papst

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Der Theologe aus Gundelfingen feiert am Sonntag sein 50. Priesterjubiläum in der Heimat

Die Bilder von protestierenden Indios im Vorfeld der Fußballweltmeisterschaft in Brasilien, sie sind um die Welt gegangen. „Fifa go home“ hatten sie auf ihre Schilder geschrieben, standen den Polizisten teils mit Pfeil und Bogen gegenüber. Und mitten unter ihnen, da war Pater Paulo Süss aus Gundelfingen. Theologe und Philosoph, Doktor und Professor, international anerkannter Befreiungstheologe. Der 76-Jährige, der am Sonntag in seiner Heimatstadt Gundelfingen sein goldenes Priesterjubiläum feiert, schätzt die Begegnung, den Kontakt mit den Menschen. „Man muss immer in der Nähe sein. Über E-Mail kann man kein Pastoral machen“, sagt der Theologe, der einen eigenen Blog betreibt und auch bei Facebook aktiv ist.

Dass er Priester werden wollte, das wusste Paulo Süss, der eigentlich Günter heißt, schon immer. „Das wurde mir irgendwie schon als Kind eingegeben, allerdings nicht im Elternhaus.“ So hielt ihn auch der lange Weg dorthin nicht ab. Nach der Mittleren Reife war er auf der Spätberufenenschule, holte am Abendgymnasium sein Abitur nach, studierte anschließend Philosophie und dann Theologie. Am 19. Juli 1964 wurde er dann von Bischof Stimpfle zum Priester geweiht. Dem sagte er schon damals, dass er gerne in die Mission gehen würde. „Ich habe damals diese Elendsbilder aus der sogenannten Dritten Welt gesehen. Das hat mich sehr beeindruckt und so kam die Idee: Da will ich hin, da will ich helfen.“ Während seiner Zeit als Kaplan war es dann soweit. Im Priesterseminar war ein Bischof zu Gast, der Missionare für Amazonien suchte. Süss fuhr zum Diavortrag, und prompt verkündete dort ein Weihbischof, dass der junge Kaplan mit nach Brasilien gehen würde. „Das stand dann am nächsten Tag in der Zeitung und so haben es meine Eltern erfahren.“

Gemeinsam mit einem weiteren Priester und einer Krankenschwester bestieg er 1966 in Antwerpen ein Frachtschiff, das ihn in drei Wochen nach Brasilien brachte, wo er in Juruti am Amazonas eine Pfarrei übernahm. Die große Hitze, die neue Sprache, das seien schon Herausforderungen gewesen, sagt Süss. „Aber das Portugiesische hat auch sehr ähnliche Laute wie das Schwäbische. Von daher war es mir schon vertraut.“ Nach seiner Zeit in Juruti ging es für Paulo Süss, der in Brasilien seinen Vornamen änderte, nach Manaus, wo er zwei Jahre am theologischen Institut unterrichtete. Dann trat der Brasilianische Rat für indigene Völker an ihn heran, zu dessen Generalsekretär er schließlich gewählt wurde.

Der Kampf für die Indios, für deren Rechte, für ihr Land – er ist seit dieser Zeit auch zum Kampf von Pater Paulo Süss geworden. Am Anfang sei es zunächst einmal darum gegangen, die verbliebenen Indios zu zählen. Dann galt es, ihnen zu helfen und nicht etwa ihre Seelen zu retten. Das habe auch der neue Papst Franziskus festgestellt, der Pater Paulo Süss aus der Seele spricht. „Er hat gesagt: Ihr geht nur hin und versucht zu helfen. Bekehren, das macht Jesus.“ Auch deshalb wollte der 76-Jährige den neuen Papst unbedingt treffen. Ein Wunsch, der am 4. April im Vatikan erfüllt wurde. Dabei übergab der Befreiungstheologe dem Heiligen Vater eines seiner Bücher. Etwa zehn hat er mittlerweile geschrieben. Dazu zahllose Aufsätze. „Ich brauche das Schreiben“, sagt Süss, der sich, wenn er nicht Priester geworden wäre, auch den Beruf des Journalisten hätte vorstellen können. Als solcher wäre er heute schon lange im Ruhestand. Ebenso als Pfarrer. All jene, mit denen er 1964 zum Priester geweiht wurde und die er nun auf Exerzitien in St. Ottilien traf, sind schon in Pension. Süss selbst denkt noch nicht ans Aufhören. Er wird in Brasilien gebraucht, ist ständig unterwegs. Seine Heimat, sagt er, ist die Straße. Eine Rückkehr aus Sao Paulo nach Deutschland ist derzeit nicht geplant, auch wenn er immer wieder gerne zu Besuch kommt. „Ich weiß nicht, was kommt. Aber manchmal denke ich an die Missionare im 16. Jahrhundert. Die sind da rüber und kamen nie mehr zurück.“ Noch gibt es für Paulo Süss in Brasilien viel zu tun. „Die Liebe Christi drängt uns“, hat er vor 50 Jahren als Primizspruch gewählt. Und sie drängt ihn noch immer.

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