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Ausschuss in Dillingen

21.07.2020

Peterswörther Bahnübergang: "Eine Maßnahme, die Grenzen sprengt"

Der höhengleiche Bahnübergang bei Peterswörth soll durch eine Unter- oder Überführung ersetzt werden. Letzteres kommt für den Ort nicht infrage.
Bild: Indrich (Archiv)

Plus Der höhengleiche Bahnübergang in Peterswörth im Landkreis Dillingen soll weg. Doch eine Unterquerung sprengt das Budget. Eine Gesetzesänderung soll nun das Unmögliche möglich machen.

Vor 33 Jahren hat der Landkreis Dillingen beschlossen, höhengleiche Bahnübergänge an Kreisstraßen zu beseitigen. Einer davon befindet sich in Peterswörth. Vor sechs Jahren dann ergab eine Studie: Eine Unterquerung der Bahnlinie ist finanziell nicht darstellbar. Eine Überführung lehnten die Peterswörther ab.

Jetzt tut sich etwas: In diesem Jahr wurde ein Gesetz geändert, mit den Folgen, dass die Höhenfreilegung eines Bahnübergangs künftig von Bund (die Hälfte), der Bahn (ein Drittel) und dem betroffenen Bundesland (ein Sechstel) bezahlt wird. Also muss, so erklärte es Roman Bauer vom Tiefbauamt, der Landkreis künftig bei einer Eisenbahnkreuzungsmaßnahme für die dafür nötigen Kosten nichts mehr bezahlen. Vorher teilten sich Bund, Bahn und Straßenbaulastträger je ein Drittel der Kosten.

Gesetzesänderung realistischer als Verlegung der Kreisstraße

Es folgte eine erneute Studie, mit der Idee, die Kreisstraße komplett zu verlegen und eine neue Anbindung an die B16 zu schaffen. Diese beiden Varianten hätten je rund 9,5 Millionen Euro gekostet. Der Kreis und die Stadt hätten nur für die Anbindung an die B16 bezahlt, sowie die Baunebenkosten wie Planung und Bauleitung. Die Gespräche mit Bund und Bahn verliefen positiv. Doch wieder waren die Betroffenen teils entschieden dagegen. Laut Landrat Leo Schrell auch aus nachvollziehbaren Gründen.

Wegen der Gesetzesänderung erscheint jetzt aber sogar die sogenannte „Nullvariante“ als realistisch: Diese hatte das Planungsbüro Kapfer noch vor sechs Jahren verworfen: Die Unterführung der Bahn sei finanziell nicht darstellbar. Wie Bauer am Montagnachmittag mitteilte, liegen nun erste Pläne für diese Variante vor. Kostenpunkt: 13,4 Millionen Euro. Größter Kostentreiber sind Grundwasserwannen zum Schutz vor Hochwasser in der Größenordnung HQ100.

Höchstädts Bürgermeister Gerrit Maneth erkundigte sich, ob denn nicht auch eine Wanne, die ein HQ25 hält, ausreichen würde. „Das macht nicht viel aus“, erklärte Bauer. Buttenwiesens Bürgermeister Gerhard Kaltner bezeichnete die Gesetzesänderung als „Quantensprung“. Ohne hätten es sich viele Kommunen schlicht nicht leisten können, einen höhengleichen Bahnübergang abzuschaffen. Die Unterhaltskosten für die Wannen muss laut Bauer der Landkreis bezahlen. „Sind die 13,4 Millionen Euro die reinen Baukosten?“, erkundigte sich Bissingens Bürgermeister Stephan Herreiner. Die Planungskosten, fünf Prozent davon, sind laut Bauer noch extra. Dennoch unterstützte auch Haunsheims Bürgermeister Christoph Mettel die Maßnahme.

Bahnübergang in Peterswörth: Landrat Leo Schrell für Projekt

Landrat Schrell bezeichnete das Projekt als „sichere Maßnahme, die zwar Grenzen sprengt“, aber mit dem neuen Gesetz möglich geworden sei. Nun hängt es von der Bahn ab, ob sie die Umsetzung mitträgt und ob die Kosten voll als bahnbedingt anerkannt werden. Dann wird die Studie im Gundelfinger Stadtrat vorgestellt und dort über die Weiterführung der Planung beschlossen.

Wenn alles klappt, kann die Tiefbauverwaltung die nächsten Schritte zur Realisierung der Planung einleiten. Der Kreisentwicklungsausschuss nahm diese Entwicklung mit einstimmigem Votum zur Kenntnis, ebenso wie die folgende Maßnahme: Schon einen Schritt weiter ist man beim Bahnübergang zwischen Unterglauheim und Blindheim. Auch dort ist eine Grundwasserwanne notwendig – „aber bei Weitem nicht so groß wie in Peterswörth“, betonte Bauer. An dem tiefsten Punkt der Wanne wird ein Pumpwerk dafür sorgen, dass das Wasser in einen Kanal oder Vorfluter abfließt, sagte er auf Maneths entsprechende Frage.

Baubeginn an Bahnübergang im Frühjahr 2022

Die für die Maßnahme ursprünglich geschätzten Kosten von 4,5 Millionen Euro reichen nicht. Bauer tippt inzwischen eher auf acht Millionen Euro. Die Bahn hat den Plänen schon zugestimmt. Wenn alles so weitergeht, könnte im Frühjahr 2022 Baubeginn sein. Und im Herbst des folgenden Jahres fährt man von Blindheim nach Unterglauheim dann einfach unter den Schienen durch.

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