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Zusamtal

21.02.2018

Pfarrer begegnet Personal-Coach

rtingens Pfarrer Rupert Ostermayer (links) und Markus Kratzer machten gemeinsam vor über 30 Jahren am Wertinger Gymnasium ihr Abitur. Jetzt trafen sie sich wieder und erkannten – so unterschiedlich ihre Lebenswege waren – große Gemeinsamkeiten.

Was sie vor einem Jahr beim 30-jährigen Abitur-Treffen vereinbart haben, kommt jetzt in Bewegung. Wertingens Stadtpfarrer Rupert Ostermayer öffnet sich neuen Wegen. Unsere Zeitung wird die beiden sechs Wochen lang begleiten

Unterschiedlicher könnten die beiden Männer auf den ersten Blick kaum sein. Der eine ein durchtrainiertes Sport-Ass, der andere ein religiöser Vertreter der Geistigkeit. Der eine marschierte nach dem gemeinsamen Weg am Wertinger Gymnasium sofort los. Der andere suchte erst ein paar Jahre seine Berufung und den dazugehörenden Beruf. Der eine ist heute nach vielen, oft mühsamen Seitenwegen Personal-Coach, der andere begeisterter Pfarrer. Der eine gerade 50, der andere knapp 50 Jahre alt. Vergangenes Jahr hatten sie sich beim 30-jährigen Abiturtreffen ausgetauscht und bei aller Unterschiedlichkeit viele Gemeinsamkeiten erkannt. In der diesjährigen Fastenzeit werden sie sich bewusst einmal wöchentlich begegnen und – womöglich – gegenseitig inspirieren: Markus Kratzer aus Biberbach und Wertingens Stadtpfarrer Rupert Ostermayer.

Das erste Treffen fand am Aschermittwoch statt. Rupert Ostermayer hat zu dem Zeitpunkt seinen Aschermittwochsgottesdienst bereits hinter sich und sich innerlich dadurch auch persönlich auf die diesjährige Fastenzeit eingeschwungen: „Dinge, die mir schaden, will ich weglassen. Dinge, die mir guttun, neu anpacken.“

Seit Jahren lässt sich der Wertinger Stadtpfarrer geistig begleiten, nimmt das Angebot der Diözese wahr, immer wieder in Supervision zu gehen. „Körper, Geist und Seele können aus der Balance kommen“, weiß Rupert Ostermayer. Im Blasiussegen beispielsweise bitte man um die Gesunderhaltung aller drei Aspekte. Auf Geist und Seele richtet der Pfarrer seit Jahren bewusst seinen Fokus. Auf den körperlichen Aspekt will er sich jetzt mit Markus Kratzer einlassen.

„Veränderung ist nicht einfach“, weiß der Coach. Das Ausgangsniveau sei egal. Er sieht sich als „Bergführer“ – ebenso offen für einen Spaziergang im Wald wie das Erklimmen der Zugspitze. Es geht darum, in Bewegung zu kommen, sind sich die beiden einig – ohne Konkurrenz und Druck, dafür regelmäßig. Letzteres gefällt Rupert Ostermayer. „Rituale gehören zur Kirche.“ Er freut sich, dass diese auch anderswo Einfluss nehmen.

Jeden Donnerstag morgens um 6 Uhr beispielsweise findet während der Fastenzeit ein Morgengebet im Wertinger Pfarrheim statt. „Wie wär’s?“ Frohlockend freut sich Pfarrer Ostermayer auf einen Gegenbesuch – zum vereinbarten Sporttermin in der freien Natur. Coach Kratzer schlägt ein. Vielleicht passt es ja zu seinem Vorhaben während der diesjährigen Fastenzeit: „Ich will noch mehr die bewusste Ruhe suchen.“ Kratzer hat von einem österreichischen Profi-Sportler den Begriff der „Netto-Ego-Zeit“ übernommen. „Bei allem Erfolg braucht es immer wieder Zeit fern des Trubels“, sagt Kratzer. „Nur so können wir neue Gedanken denken.“

Hinter beiden – Ostermayer wie Kratzer – liegen prägende Lebensphasen. Markus Kratzer startete nach dem Abitur – „sicherheitsorientiert“ – sofort mit einer Banklehre ins Berufsleben, studierte danach Lehramt Sport und Wirtschaft, landete anschließend in der Versichertenbranche. Einer „sehr sportiven Branche“, weil es unter den Mitarbeitern großen Konkurrenzkampf gebe. In der Freizeit betrieb er intensiv „echten“ Sport. Im Winter fuhr er Ski, im Sommer lief er Marathon und absolvierte Triathlons. Bei der Vorbereitung auf einen Wettkampf kollidierte er radelnd mit einem Auto und wurde schwerst verletzt. Vier Wirbelsäulen-Operationen, drei Monate Krankenhaus, drei Monate Reha, 13 Monate Krankenstand – „an Sport war nicht mehr zu denken, es ging nur noch um die Frage: Rollstuhl oder nicht“, resümiert der 50-Jährige. Markus Kratzer kam wieder auf die Füße, zurück zum Sport und beruflich auf neue Ideen.

Ganz anders verlief der Lebensweg von Rupert Ostermayer. Der gebürtige Wörleschwanger hatte nach dem Abitur „keinen blassen Schimmer, was er einmal werden“ wolle. Zunächst marschierte er „brav und dumm“ zur Bundeswehr, kam zurück und wusste noch immer nicht, wohin es beruflich gehen soll. Weil die Mutter Mesnerin war, bekam er mit, dass in der Wallfahrtskirche Violau ein hauptamtlicher Mesner gesucht wurde. Rupert Ostermayer nahm die Stelle an, erlebte eine „sehr prägende Zeit durch den konkreten Wallfahrtspfarrer und Begegnungen mit vielen anderen Pfarrern“. Irgendwann kam der Gedanke auf, Theologie zu studieren. 1997 empfing Rupert Ostermayer die Priesterweihe im Augsburger Dom und feierte seine Primiz in seiner Heimat Wörleschwang. Es folgten: Kaplan in Meitingen und Neu-Ulm, erste Pfarrstelle in Großaitingen, zweite Pfarrstelle Wertingen. Zwischen den beiden Pfarrstellen nahm der 49-Jährige eine vierteljährige Auszeit, verhinderte so einen „Burn-Out“. Heute sagt Rupert Ostermayer gegenüber unserer Zeitung: „Ich bin gerne Pfarrer, der Beruf passt zu mir.“ Gleichzeitig merkt er, dass er Zeit für sich selbst braucht.

Körper, Geist und Seele arbeiten eng zusammen. Dies hat Markus Kratzer ebenfalls erfahren. „Nach dem Unfall waren nicht nur meine Knochen kaputt, auch meine Seele wurde ordentlich ramponiert.“ Das Urvertrauen in sich – davon ist der 50-Jährige überzeugt – finde er nur in der Ruhe. Bisher suchte und fand er diese vorwiegend in der Bewegung. Auf den Gebetskreis von Rupert Ostermayer will er sich neugierig einlassen: „Es wird ein Experiment und Selbstversuch im Stillsitzen.“

Der Pfarrer will parallel dazu die Bewegung erkunden – eins zu eins mit einem individuellen Begleiter. Diese Vorgehensweise gefällt ihm für sein persönliches Bewegungsprogramm ebenso wie für die eigene Arbeit: „Nicht das gleiche Maß für alle anzusetzen sondern schauen, was jeder einzelne mitbringt und braucht, das klingt nach einem guten Ansatz – auch für die Seelsorgearbeit.“

Begegnen wollen sich Pfarrer Rupert Ostermayer und Personal-Coach Markus Kratzer während der diesjährigen Fastenzeit einmal pro Woche. Unsere Zeitung wird sie dabei begleiten und darüber berichten, was sich bei den beiden in der Zeit körperlich, geistig und seelisch entwickelt.

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