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Höchstädt

28.07.2020

Projekt Zukunft: Das Ende der Dauerbaustelle beim SSV Höchstädt ist in Sicht

Vier Männer, eine Vision: Das Projekt Zukunft der SSV Höchstädt endlich zu Ende zu bringen. Von links: Vorsitzender Jakob Kehrle, Hausmeister/Verwalter Rudi Karg, Finanzchef Siegfried Behringer und Bauleiter Rudolf Kimmerle.
Bild: Simone Bronnhuber

Plus Der letzte Bauabschnitt, die letzten Genehmigungen, die letzten Arbeitsstunden: Das Projekt Zukunft der SSV Höchstädt wird fertiggestellt – nach mehr als zwölf Jahren. Ob Vorsitzender Jakob Kehrle etwas bereut?

Es ist fast ein historischer Moment. Für Jakob Kehrle und die vielen Ehrenamtlichen sicherlich. Zumindest ist es der so wichtige Startschuss auf den alle Beteiligten lange gewartet haben. Vor wenigen Tagen wurde der Sportboden der alten Mehrzweckhalle herausgerissen. Die erste Aktion für den endgültig letzten Bauabschnitt des Projekt Zukunft der SSV Höchstädt. Endspurt. Das Ende der Dauer-Baustelle des Sportvereins ist in Sicht – „Endlich. Wir können es alle kaum erwarten. Das Ziel ist greifbar“, sagt Jakob Kehrle und atmet kräftig ein und aus. Die vergangenen Jahre, es sind genau zwölf, waren anstrengend. Körperlich und mental, wie er sagt. „Es hat gezehrt. Aber die Motivation ist größer denn je und heute kann ich sagen: Jede Verzögerung hatte am Ende irgendwie ihren Sinn“, so Kehrle. Und Verzögerungen gab es einige.

Am 21. Juli 2008 fand der offizielle Spatenstich für das Projekt Zukunft statt. Die SSV, damals wie heute unter der Führung des Vorsitzenden Jakob Kehrle, wollte den Sportverein neu ausrichten. Gesundheit, Reha, Fitness, Integration, breites Angebot für alle Generationen, behindertengerechte Bauweise ... Der Höchstädter Sportverein wollte etwas einmaliges schaffen. Ein Zentrum rund um Sport. Für die Zukunft. Daran, so betont es Vorsitzender Kehrle, hat sich nichts geändert.

Im Mittelpunkt der Streitereien in Höchstädt stand immer das Geld

Im Gegenteil: Mit den Jahren hätten sich die Strukturen des Vereins noch mehr geschärft, „was wir haben, hat keiner“, so Kehrle weiter. Mittlerweile zwölf Abteilungen haben in den Sportstätten ihre Heimat. Die KIM-Halle ist ein Hingucker. Es gibt Saunabereiche, alles ist auf dem neusten Stand der Technik und seit Oktober 2019 ist klar: Die SSV wird in den nächsten Monaten eine zusätzliche neue Multifunktionshalle bauen sowie die bestehende Mehrzweckhalle sanieren – der Stadtrat hat dem letzten Projekt des Projekt Zukunft zugestimmt. Knapp, aber mehrheitlich. „Dafür sind wir alle sehr, sehr dankbar“, betont Kehrle.

Ein gewichtiger Knackpunkt, warum die SSV nach zwölf Jahren immer noch baut, ist unter anderem das Verhältnis mit der Stadt Höchstädt, Eigentümer der Sportstätten. Und im Mittelpunkt aller Streitereien und Diskussionen stand immer eines: Geld. Was können oder wollen sich Stadt oder SSV leisten? Welcher Bauabschnitt ist wirklich notwendig? Ist das Konzept auch stimmig? Und hat es wirklich Zukunft? Die Meinungen gehen bis heute, vor allem innerhalb des Stadtrates, auseinander. Unzählige Zahlen, Summen, Förderanträge und Änderungen der Pläne sind in all den Jahren im Umlauf gewesen. Jetzt, so betont es Vorsitzender Jakob Kehrle, sei endlich alles unter Dach und Fach. Die finanzielle Abwicklung sei ebenfalls durch. Das Projekt Zukunft komme zum Abschluss. „Spätestens dann können wir allen Skeptikern und Bedenkenträgern zeigen, was alles möglich ist und in Zukunft möglich sein kann“, sagt Kehrle.

"Eine absolute Seltenheit" entsteht beim SSV Höchstädt

Rudolf Kimmerle hört dem Vorsitzenden zu, nickt und unterbricht ihn. „Um es ganz deutlich zu sagen. Was hier in Höchstädt entsteht, gibt es nirgends. Dieses Sportzentrum hat eine absolute Seltenheit“, sagt Kimmerle. Der Höchstädter Bauunternehmer ist im Oktober 2018 als geschäftsführender Vorsitzender bei der SSV miteingestiegen und hat seither die Bauleitung des Projekt Zukunft übernommen. Ein entscheidender Schritt zur Fertigstellung, wie er selbst sagt, und weiter: „Es ist jetzt eine klare Linie drin. Und mit Kimmerle an Board ist auch die Finanzierung gesichert. Ich bin besser als eine Bank und ich kann es mir erlauben“, betont er deutlich. Nicht nur, dass er in den vergangenen Jahren große Summen gespendet hat. Er hat der Stadt auch kommuniziert, dass er persönlich finanziell für das Projekt einstehe – wenn nötig. „Ich bin ein Höchstädter, deshalb mache ich das. Und ich habe Spaß daran, etwas Besonderes zu schaffen“, so Kimmerle.

Mit dem Unternehmer im SSV-Boot kann auch Siegfried Behringer wieder durchatmen. Denn: „Die Finanzierung steht. Es ist alles genehmigt und gesichert“, sagt er. Behringer kümmert sich seit 2015 um die Finanzen der SSV. Er hat alle Unterlagen in all den Jahren zusammengetragen, sortiert, gerechnet, gerechnet und gerechnet. „Ich kann definitiv sagen, dass die SSV gut da steht und auch für die Zukunft finanziell gesichert ist“, sagt Siegfried Behringer. Heißt in Zahlen: Der Bauwert des letzten Abschnittes beträgt 1,92 Millionen Euro. Der Sportverein bekommt eine Sonder-Förderung vom Bayerischen Landessportverband (BLSV) in Höhe von 45 Prozent der förderfähigen Kosten sowie einen Zuschuss der Stadt. Restliche Kosten übernimmt Bauleiter Kimmerle. Behringer sagt zufrieden: „Es ist alles in trockenen Tüchern.“

Mehr als 56.000 ehrenamtliche Stunden wurden gleistet

Aktuell müssen bezüglich Brandschutz noch ein paar Unterlagen beim Landratsamt nachgereicht werden, aber dann geht es richtig los, wie Rudolf Kimmerle erklärt. Unter anderem wird die große Eisstockhalle gebaut und es entstehen weitere Übungsräume. Die ersten Vorarbeiten sind in den vergangenen Wochen, erst recht während der Corona-Beschränkungen, schon gemacht worden. Von den vielen Mitgliedern und Ehrenamtlichen, die dem Sportverein seit zwölf Jahren die Stange halten.

Rudi Karg, auch Vorstandsmitglied, hat die Arbeiten organisiert und mitgeschrieben: „Zum 1. Mai waren es seit Beginn an 56.209 ehrenamtliche Stunden, die wir geleistet haben – und jetzt gehen wir noch mal richtig in die Vollen.“ Denn das Ende ist in Sicht. Wenn es nach Bauleiter Kimmerle geht, dann könnte das Projekt Zukunft im November 2021 tatsächlich fertig sein. Endgültig.

Bis dahin will sich auch der Verein intern weiter neu ausrichten, wie Finanzchef Behringer sagt. Zwar sei die SSV kein Unternehmen, es solle aber so geführt werden. Und Kimmerle fügt hinzu, dass die Kosten künftig auch von allen Abteilungen getragen werden müssten. Und es dürfte nicht mehr alles auf einer Person lasten. „Wie Jakob das all die Jahre gemacht hat, ist mir eh ein Rätsel“, sagt Siegfried Behringer.

Jakob Kehrle lächelt. Er habe das Ziel, seine Vision, die er vor 15 Jahre hatte, nie aufgegeben, sagt er. „Bis heute nicht. Und ich weiß, dass es richtig war, dass wir am Projekt Zukunft festgehalten haben. Jetzt geht es nur noch vorwärts.“ Damit Bayerns größte ehrenamtliche Sportbaustelle zu Ende geht. Ein für alle mal.

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