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Prozess in Dillingen

24.06.2015

Rentner schießt mit Luftgewehr auf Katzen

Katzen haben sich im Garten eines Rentners in Bachtal herumgetrieben. Dieser hat auf sie geschossen, um sie zu vertreiben. Das brachte ihn vor Gericht.
Bild: Soeren Stache, dpa (Symbolbild)

Ein 73-Jähriger gibt vor Gericht zu, auf die Katzen aus der Nachbarschaft geschossen zu haben. Damit habe er Leben retten wollen.

Noch im Schlafanzug steht der Mann auf seiner Terrasse. Im Anschlag das Luftgewehr, das im Wohnzimmer bereitsteht. Draußen in seinem Garten ist eine Katze auf der Lauer, versucht Vögel zu fangen. Der Mann drückt ab. Nicht, um den Stubentiger zu treffen, wie er versichert. Nur, um ihn zu verjagen. Getroffen aber hat er. Und zwar so, dass der Tierarzt später die Projektile operativ entfernen muss. Deshalb musste sich ein 73-jähriger Rentner aus dem Bachtal nun vor Gericht verantworten. Tierquälerei, Sachbeschädigung und den vorsätzlichen unerlaubten Besitz einer Schusswaffe warf ihm Staatsanwalt Alexander Duré vor.

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Insgesamt drei Mal soll der Mann mit sogenannten Diabolo-Geschossen auf die Nachbarskatzen Lilli und Elvis geschossen und sie getroffen haben. Zwei Fälle gab er zu. „Das waren streunende Katzen auf meinem Grundstück. Ich musste die Vögel verteidigen. Haben Sie schon einmal einen Vogel gehört, der im Maul einer Katze steckt? Das ist etwas, was sie nie vergessen werden“, erklärte der Mann Richterin Ursula Janosi. In einem Fall habe eine der Nachbarskatzen einen Vogel attackiert, im anderen Fall ein Vogelnest belauert. „Ich habe es getan, um den Vögeln das Leben zu retten. Ich musste ihr Leben verteidigen und konnte nicht anders“, erklärte der Rentner.

Rentner: Wollte die Katzen nicht treffen, nur verjagen

Dabei habe er nicht beabsichtigt, die Katzen zu treffen oder ihnen Schmerzen zuzufügen. „Mir tut es leid, dass diese Katzen so verletzt wurden. Ich bin kein Tierquäler, ich kann keine Tiere leiden sehen, ich wollte sie nur mit dem Knall und dem Einschlag in der Nähe verjagen“, beteuerte er. „Da müssen sie sich schon was anderes einfallen lassen“, entgegnete ihm Richterin Ursula Janosi. „Sie können einer Katze, die Vögel jagt, kein Projektil in den Leib jagen – auch nicht auf ihrem Grundstück. Ihren Instinkt kann man einer Katze nicht vorwerfen.“ Der Angeklagte erklärte, ihm sei nicht klar gewesen, dass das Luftgewehr, das er vor Jahren von einer Bekannten aus Österreich geschenkt bekommen hatte, eine derartige Durchschlagskraft besitzt.

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Weil das Gewehr kein sogenanntes F-Zeichen aufweist, hätte er es ohne Waffenbesitzkarte gar nicht haben dürfen, so die Richterin. Gerade mit einem ausländischen Gewehr müsse man zum Landratsamt und das prüfen lassen. „Sie können sich das nicht einfach so ins Wohnzimmer stellen.“ Der 73-Jährige erklärte, das sei ihm nicht bewusst gewesen. „Ich habe gedacht, dass jeder ab 18 ein Luftgewehr benutzen darf.“ Staatsanwalt Alexander Duré forderte schließlich, den Rentner zu einer Geldstrafe von 110 Tagessätzen zu je 35 Euro zu verurteilen. Der Mann habe in Kauf genommen, die Tiere zu treffen. Bewusst habe er die natürliche Kette durcheinanderbringen und sich quasi als Gott aufspielen wollen. Das tue kein Tierfreund. „Wir sind hier nicht im Wilden Westen, wo man kreuz und quer schießen kann.“ Spätestens nach dem ersten Schuss habe dem Mann außerdem klar sein müssen, welche Kraft und Reichweite das Luftgewehr hat.

Ähnlich sah es auch Richterin Ursula Janosi. Sie verurteilte den Mann wegen vorsätzlichen unerlaubten Besitzes einer Schusswaffe, Sachbeschädigung und Tierquälerei zu 90 Tagessätzen zu je 35 Euro. Sie sah es als erwiesen an, dass der Rentner insgesamt drei Mal auf Elvis und Lilli geschossen hatte. Dabei habe er zumindest in Kauf genommen, die Katzen zu treffen. Verjagen dürfe man eine Katze jederzeit. Nur nicht mit derartigen Mitteln. Sein Verhalten, so Janosi, zeige eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber den Tieren. Im unteren Bereich sei damit das für eine Tierquälerei nötige Merkmal der Rohheit erfüllt.

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