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Dillingen

11.05.2019

Rettete einst „ein Wunder“ die Dillinger Luitpoldkaserne?

Soldaten gehören zum Dillinger Stadtbild – seit 337 Jahren. Gelöbnisse werden öffentlich im Innenhof des Dillinger Schlosses abgelegt. Unser Archivfoto zeigt Rekruten des Informationstechnikbataillons 292.
Bild: Veh

Bei Reformen war der Bundeswehr-Standort Dillingen wiederholt gefährdet. Einmal entkam er auf nahezu unglaubliche Weise der Streichliste des Verteidigungsministers.

Es soll ein großer Tag für den Bundeswehr-Standort Dillingen werden: Etwa 25000 Besucher werden am 15. Juni am Tag der Bundeswehr in der Kreisstadt erwartet (lesen Sie hier mehr zum Tag der Bundeswehr). Für unsere Zeitung ist das ein Anlass, vorab in einer kleinen Serie auf die Geschichte des Standorts und die aktuelle Situation in der Luitpoldkaserne zu blicken.

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Dass in Dillingen überhaupt noch Soldaten stationiert sind, ist in der Tat überraschend. Das zeigt ein Rückblick ins Jahr 2001. Denn bei der Bundeswehrreform stand die Dillinger Luitpoldkaserne auf der Streichliste des damaligen Bundesverteidigungsministers Rudolf Scharping. Laut der Zeitung Die Welt gehörte die Luitpold-Kaserne in Dillingen zu den 40 Standorten in Deutschland, die ganz dichtgemacht werden sollen. Die Bundesregierung hatte beschlossen, die Bundeswehr von 338000 auf 270000 Soldaten zu verkleinern.

Bundeswehr Dillingen: Kundgebung durch die Königstraße

Als das Ende der heute 337-jährigen Dillinger Garnisonsgeschichte drohte, machte die Bevölkerung mobil. 600 Menschen marschierten nach einer Solidaritäts-Kundgebung durch die Königstraße zur Luitpoldkaserne, der CSU-Ortsverein hatte 4500 Unterschriften gesammelt. Die Sache ging bekanntlich gut aus, Dillingen blieb – für viele überraschend – Bundeswehr-Standort. Und der frühere Dillinger Rathauschef und heutige Altoberbürgermeister Hans-Jürgen Weigl sprach vom „Dillinger Wunder“. Dessen Stellvertreter Anton Stehle lieferte indes eine übernatürliche Erklärung. Noch vor Weihnachten hatte er nämlich Weigl zu einem in Politikerkreisen eher unüblichen Schritt geraten: „Da müssen Sie eine Kerze aufstellen.“ Und Weigl hatte in der ärgsten Standort-Not prompt ein schön verziertes Exemplar besorgt und es mit Stehle am Schmerzhaften-Muttergottes-Altar in der Basilika aufgestellt.

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Als dann die Nachricht kam, dass Scharpings Streichliste die Luitpoldkaserne wieder ausgespuckt hatte, sagte Stehle: „Nun ist die Kerze abgebrannt und der Bundeswehr-Standort Dillingen ist gerettet.“ Altoberbürgermeister Weigl sprach von einer politischen Sensation. „Dieser Freitag ist, wie wenn Weihnachten und Ostern zusammenfallen würden“, sagte der Rathauschef.

In Scharpings Schreiben gab es keine großen Erklärungen. „Das Fernmeldebataillon 230 bleibt erhalten“, hieß es dort lapidar. Die Zahl der Dienstposten lag damals bei 910. Heute ist das Informationstechnik-Bataillon 292 in Dillingen stationiert. Die Zahl der Planstellen am Standort liegt nach Informationen unserer Zeitung bei etwa 800.

Widersprüchliche Meldungen zur Zukunft der Luitpoldkaserne

Seit dieser Zeit wird in Dillingen alles, was auch nur im Ansatz nach Bundeswehrreform riecht, mit Argusaugen beobachtet. 2004 kursierten widersprüchliche Meldungen zur Zukunft der Luitpoldkaserne, denn der damalige Verteidigungsminister Peter Struck ließ wissen, dass er keine Bestandsgarantien geben könne. Im August 2005 war das Schreckgespenst Standortschließung aber erneut vertrieben. „Standort hat sichere Zukunft“, titelte die Donau-Zeitung.

2011 schrillten dann zum vorerst letzten Mal die Alarmglocken. Als der Bundeswehr-Standort Dillingen erneut auf der Kippe stand, initiierten Landrat Leo Schrell und Oberbürgermeister Frank Kunz in Zusammenarbeit mit den Abgeordneten Markus Ferber, Ulrich Lange, Gabriele Fograscher, Georg Winter und Georg Barfuß das Aktionsbündnis „Pro Luitpoldkaserne – Gemeinsam für den Erhalt des Bundeswehrstandortes Dillingen“. Die Resonanz war überwältigend. Innerhalb nur eines Monats wurden mehr als 11000 Unterschriften für den Bundeswehrstandort Dillingen gesammelt und an das Bundesverteidigungsministerium und den bayerischen Ministerpräsidenten übergeben. Am Ende pflanzten die Dillinger als Dank für den Erhalt erneut einen Baum. Dadurch ging die Dillinger Garnisonsgeschichte, die 1682 begonnen hat, weiter.

Keine Zeichen für Umstrukturierung in Dillingen

Heute gibt es keine Zeichen, dass eine Umstrukturierung den Standort Dillingen bedrohen könnte – im Gegenteil. Der stellvertretende Kommandeur des IT-Bataillons 292, Andreas Hadersdorfer, sagt: „Die Bundeswehr soll leicht wachsen – und wir werden auch in Dillingen personell einen leichten Aufwuchs erleben.“ Der Oberstleutnant bestätigt, dass sich die Soldaten in Dillingen wohlfühlen. Wenn Politiker von „unseren Soldaten“ sprechen, sei das kein Gerede, sagt der Landshuter, für den Dillingen der zehnte Standort in seiner Laufbahn ist. „Wir fühlen uns herzlich willkommen und gehören in Dillingen dazu“, sagt Hadersdorfer. Es sei für die Soldaten bei vielen Gelegenheiten spürbar, „dass wir hier geschätzt werden“.

Einen Kommentar zur Bundeswehr in Dillingen lesen Sie hier: Dillingen ist stolz auf seine Soldaten

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