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Politischer Aschermittwoch

16.02.2018

Rote Rosen und die Liebe zur SPD

Die SPD-Personalquerelen in Berlin und die Ergebnisse des Koalitionsvertrages standen beim politischen Aschermittwoch im Mittelpunkt der Rede von Dietmar Bulling, dem Vorsitzenden des Unterbezirks Dillingen.
Bild: Gusbeth

Genossen sollen großer Koalition zustimmen. Wie ein Juso das Herz der alten Dame SPD rührte

 Bei politischen Aschermittwochsveranstaltungen geht es gewöhnlich um das „Derblecken“ des politischen Gegners. Beim Aschermittwoch 2018 des SPD-Unterbezirks Dillingen stand das nicht im Vordergrund. Vielmehr ging es darum, jene Wunden zu lecken, die sich die Partei in den vergangenen Wochen und Monaten selbst zugefügt hatte.

Die Verärgerung über die Diadochenkämpfe der obersten SPD-Spitze steckte nicht nur Dietmar Bulling noch immer in den Knochen. Als bayerischer Sozialdemokrat sei man ja einiges gewöhnt, räumte der Unterbezirks-Vorsitzende zu Beginn ein. Aber das „verrückte politische Bild“, das seine Parteioberen in den letzten Wochen lieferten, habe er in seiner 40-jährigen SPD-Laufbahn noch nicht erlebt. Die Personalquerelen an der Parteispitze „nervlich durchzustehen, ist mir schwer gefallen“, gestand er der in Echenbrunn versammelten SPD-Basis.

Allerdings gibt es auch Balsam auf diese Wunden. Der ausgehandelte Koalitionsvertrag trage zu 70 Prozent die Handschrift der Sozialdemokraten betonten Bulling und der Bundestagsabgeordnete Karl-Heinz Brunner unisono. Die Sozialdemokraten hätten bei den Koalitionsverhandlungen „ein tolles Ergebnis“ erreicht, über das man sich „eigentlich freuen müsste“, betonte Bulling. Sogar das Finanzministerium gehe an die SPD, sagte Brunner. Gerade mit Blick auf den Koalitionsvertrag wäre es falsch, nun „ein Schlachtfest“ darüber zu eröffnen „wer weg muss“, warnte der Neu-Ulmer Bundestagsabgeordnete. Jeder mache Fehler und jedem müsse die Chance gegeben werden, es besser zu machen - auch Andrea Nahles.

Brunner warb vehement für die Zustimmung der Genossen zum Koalitionsvertrag, weil mehr erreicht worden sei, „als wir erwarten konnten“. Dietmar Bulling stimmte zu und warnte sein Genossen: „alles andere wäre das Ende der SPD als Volkspartei“. Sowohl beim Mitgliederentscheid wie auch bei der Landtagswahl gehe es vor allem darum, die Erfolge der SPD präsent zu machen und draußen zu vertreten. Einig war man sich, dass ein personeller Neuanfang auf der Bundesebene unabdingbar sei. Diesen personellen Neuanfang habe man beim Unterbezirk Dillingen bereits geschafft, betonte Dietmar Bulling nicht ohne Stolz. Dabei setze man große Hoffnungen auf Tobias Rief (35) aus Dillingen, der in den Landtag will und auf Thomas Reicherzer (22) aus Gundelfingen, dessen Ziel der Bezirkstag ist.

Beide präsentierten sich der Basis erstaunlich professionell, kenntnisreich und rhetorisch versiert. Reif sprach nahezu frei. Reicherzer traf mit einem Satz gar mitten ins Herz der Genossen: „Heute ist nicht nur politischer Aschermittwoch, heute ist auch Valentinstag. In beiden Fällen verbringt man diesen Tag mit seiner großen Liebe. Unsere große Liebe ist die SPD“. Keiner anderen Aussage wurde an diesem Abend mehr applaudiert. Passend dazu hatte Bulling statt Blasmusik rote Rosen organisiert. Mit „Danke-Freundschaft-Glückauf“ lieferte Reicherzer gar noch einen Müntefering-reifen Schlusssatz. Und der war auch mal SPD-Bundesvorsitzender.

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