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Kesseltal

11.11.2018

Schicksale, die bis heute nicht vergessen sind

Lehrer und Leutnant: Hans Behringer aus Unterringingen kämpfte im Ersten Weltkrieg in der berühmten "Richthofen-Staffel". Am 27. Mai 1918 stürzte er bei einem Erkundungsflug tödlich ab.
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Lehrer und Leutnant: Hans Behringer aus Unterringingen kämpfte im Ersten Weltkrieg in der berühmten "Richthofen-Staffel". Am 27. Mai 1918 stürzte er bei einem Erkundungsflug tödlich ab.
Bild: Helmut Herreiner

Vor 100 Jahren wurde Waffenstillstand beschlossen. Der Erste Weltkrieg hatte furchtbare Lücken hinterlassen. Eine Frau aus Warnhofen erinnert sich.

Der Waffenstillstand von Compiègne wurde am 11. November 1918 zwischen dem Deutschen Reich und den beiden Westmächten Frankreich und Großbritannien geschlossen und beendete nach mehr als vier Jahren die Kampfhandlungen im Ersten Weltkrieg. Nun herrschte zwar Frieden, doch der Krieg, in den so viele junge Menschen im Sommer 1914 mit Jubel und Begeisterung gezogen waren, hatte in der Heimat furchtbare Lücken gerissen und das wirtschaftliche Leben weitgehend gelähmt.

Ein winziges Brot musste der Familie für drei Tage reichen

Theresia Römer-Häfele, Heimatdichterin aus Warnhofen, beschrieb, wie ihre Eltern mit den zahlreichen Kindern im Hungerjahr 1917 in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft nach Stuttgart zogen. Doch auch dort war die Ernährungslage nicht besser, eigentlich sogar schlimmer als auf dem Land: „Es gab kaum etwas zum Essen. Butter und Eier gab es überhaupt nicht, Mehl und Kartoffeln kaum. Brot, wenn man es überhaupt Brot nennen kann, gab es sehr wenig. Ich weiß noch, daß es ein winziges Laibchen war, schwer wie ein Ziegelstein. Wir wären jedoch glücklich gewesen, wenn wir genügend von diesem Brot gehabt hätten. So ein winziges Laibchen mußte nämlich drei Tage reichen.“

Die Not, die Trauer

Zu dieser unmittelbaren Not kam in jedem noch so kleinen Ort die Trauer um die zahlreichen gefallenen, vermissten und kriegsgefangenen Soldaten. Alleine in der Pfarrei Bissingen im unteren Kesseltal waren es 54 Männer, die von den Schlachtfeldern der West-, Ost- und Südostfront nicht mehr heimkehrten.

Neben den in vielen Familien bis heute aufbewahrten Feldpostbriefen und Postkarten erinnern Sterbebilder, Kriegs-Ehrenbücher, die damals in nahezu jeder Gemeinde und Stadt angelegt wurden, und nicht zuletzt die Kriegerdenkmäler in den Kirchen und Friedhöfen an den Blutzoll jener Jahre. Gar ein eigenes Denkmal erhielt der Fliegerleutnant Johann Behringer in Unterringingen. Am 27. Juni 1890 geboren, war er vor seiner Einberufung als Lehrer in Möttingen im Ries tätig. Im Fronteinsatz wurde er in einer Flugzeugstaffel eingesetzt und flog eine Albatros D II mit einem 160 PS-Motor. Behringer flog dabei in der berühmten „Richthofen-Staffel“ des als „Roten Barons“ bei Freund und Feind bekannten Manfred Richthofen. In Lothringen stationiert, stürzte er bei einem Erkundungsflug am 29. Mai 1918 im Alter von nicht einmal 28 Jahren ab.

Tragische Schickale, andere hatten Glück

Nicht weniger tragisch war das Schicksal von Kaspar Joachim aus Unterbissingen, Offiziersstellvertreter in einem Infanterieregiment. Seit dem 4. August 1914 diente er als Soldat und überlebte alle Kämpfe bis zum 8. Oktober 1918. Fünf Wochen vor Kriegsende verstarb der mehrfach Ausgezeichnete in einem Kriegslazarett in Frankreich. „Gebe Gott, daß ihm diese fremde Erde leicht sein möge“, lautet auch bei ihm der letzte Eintrag bei den Gedenkblättern derer, die nicht wiederkehrten, im Ehrenbuch der Gemeinde Unterbissingen, das im Übrigen – wie alle anderen auch – ursprünglich den „tapferen Kämpfern im großen Kriege von 1914/15“ gewidmet war. Erst später wurde handschriftlich die Jahreszahl „-18“ angefügt. Ein bezeichnendes Indiz dafür, dass sich Konflikte und Kriege nicht planen lassen.

Manchen Soldaten war es allerdings glücklicherweise vergönnt, heil von den Schlachtfeldern nach Hause zurückkehren zu können. Einer von ihnen war Anton Reichensperger, Mitglied des 1. Jäger-Bataillons. Der Unterbissinger nahm ab November 1915 an Feldzügen in Russland und Galizien teil und wurde dann nach Frankreich versetzt, wo er die schrecklichen Schlachten bei Verdun, in der Champagne und an der Somme mitmachen musste. Bei ihm heißt es lapidar in der persönlichen Kriegschronik zum Kriegsende: „Infolge Demobilmachung aus dem Heeresdienst entlassen.“ Dass Reichensperger bei seiner Heimkehr in die geliebte Heimat ein politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich verändertes Land vorfand, sollte sich dann in den unruhigen Wochen und Monaten nach dem Waffenstillstand von Compiègne zeigen.

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