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Landkreis Dillingen

09.01.2019

Schneechaos trotz 100 Tonnen Salz

Vereist und rutschig: Die Autofahrer sind auf der Strecke von Holzheim nach Ellerbach und Fultenbach teilweise stehen geblieben.
Bild: Fritzmeier

Winterdienste bekämpfen seit dem frühen Mittwochmorgen die Glätte im Landkreis Dillingen. Dennoch kommt es zu Unfällen.

Der Fahrer des blauen Autos weicht gerade noch rechtzeitig auf den Gehweg aus. Nur ganz knapp verfehlt er den weißen Passat vor sich. Zwei Fußgänger winken wild und versuchen, ein paar Autofahrer von der Staatsstraße weg durch das Wohngebiet zu locken. Wer am Mittwochmorgen mit dem Auto die hügelige Strecke von Holzheim nach Ellerbach und Fultenbach auf sich nehmen musste, brauchte nicht nur viel Geduld, sondern auch volle Konzentration: Die Straßen waren stellenweise so eisig, dass ein Vorankommen kaum bis gar nicht möglich war. Holzheims Bürgermeister Erhard Friegel kennt das Problem, speziell bei diesen Strecken. Er sagt: „Viele haben mich morgens angerufen. Ich habe es mitbekommen.“ Neben dieser Staatsstraße 2023 bei Fultenbach ist auch die Staatsstraße 2028 bei Eppisburg in der Aschberggemeinde betroffen. „Normalerweise ist bis zum Berufsverkehr alles gestreut. Aber der Schnee kam genau in der Zeit, in der alle zur Arbeit gefahren sind“, sagt der Bürgermeister.

Landkreis Dillingen: Schneechaos nicht nur im Aschberg

Als er um 6 Uhr bei sich in Holzheim die Zeitung aus dem Briefkasten geholt habe, sei noch kein Schnee gelegen, so Friegel. Nur eine Stunde später war alles weiß. „Unsere Bergstrecken waren gesalzen, aber nicht geräumt. Die Leute rufen bei uns an, aber für Staatsstraßen sind wir nicht zuständig. Wir haben zwei Räumbezirke und sind die ganze Zeit im Einsatz“, sagt Friegel. Der starke Schneefall und die Minustemperaturen am frühen Mittwochmorgen haben nicht nur im Aschberg für Chaos gesorgt. Viele Strecken, sowohl überregional als auch im Kreis Dillingen, waren rutschig und eisig. Der Winter hat uns fest im Griff.

Auch das Kesseltal. Dort bereitete der starke Schneefall am Mittwochmorgen dem Winterdienst ebenfalls Probleme. Seit 3.10 Uhr war Karl-Heinz Scherer im Auftrag der Marktgemeinde Bissingen in den Ortsteilen Diemantstein, Warnhofen, Unter- und Oberringingen, Leiheim und Zoltingen unterwegs. „Um diese Uhrzeit haben wir vom Winterdienst im Kesseltal Salz gestreut“, sagt Scherer. Sie seien zwar vorbereitet gewesen, aber als gegen 6.30 Uhr heftiger Schneefall eingesetzt hat und innerhalb weniger Minuten die Straßen mit Schnee bedeckt waren, hieß es: „Wo mit dem Schieben anfangen?“ Der Berufsverkehr habe bereits eingesetzt und die Fahrzeuge seien besonders an den Anstiegen in Richtung Höchstädt und Dillingen nur sehr langsam oder überhaupt nicht vorangekommen. Das Durchkommen mit dem Räumfahrzeug habe länger als üblich gedauert.

Unermüdlicher Einsatz des Winterdienstes

Ein weiteres Problem hat sich laut Scherer dadurch ergeben, dass die Schneedecke durch den zunehmenden Verkehr festgefahren wurde und die Straßen somit trotz Salzstreuung immer mehr vereisten. Dies sei trotz unermüdlichem Einsatz nicht zu verhindern, sagt Scherer, der seit 18 Jahren im Auftrag der Marktgemeinde Winterdienst fährt. Erst gegen 11.45 Uhr hatte er am Mittwoch seine Straßenabschnitte in den Bissinger Ortsteilen geräumt – nicht zum letzten Mal an diesem Tag. Und Donnerstagnacht geht es wieder los. „Da ist an Schlaf beinahe überhaupt nicht zu denken“, sagt er.

Im Bereich der Dillinger Polizei hat es am Mittwochmorgen sechs Unfälle gegeben, zudem blieben auf der Kreisstraße DLG35 zwischen Wittislingen und dem Bachtal, sowie auf der B16 bei Höchstädt mehrere Lastwagen auf der schneeglatten Fahrbahn liegen. Um 7 Uhr rutschte ein Omnibus auf der Forststraße bei Zöschingen an der Einmündung zur Wehrstraße auf spiegelglatter Fahrbahn in eine Leitplanke. Hierbei entstand ein Sachschaden von etwa 1500 Euro. Fast zeitgleich kam es in Lauingen auf der Kreisstraße DLG 7 bei Frauenriedhausen zu einem Auffahrunfall, als die Fahrerin eines Toyotas auf einen vor ihr abbremsenden Opel auffuhr. Die Unfallverursacherin konnte aufgrund der schneeglatten Fahrbahn nicht mehr rechtzeitig bremsen, es entstand ein Sachschaden von etwa 800 Euro.

Eine 18-jährige Autofahrerin war um 7.25 Uhr in Eppisburg auf der Ritter-von-Eppo-Straße in Richtung Binswangen unterwegs. Aufgrund spiegelglatter Fahrbahn und Gefälle rutschte ihr Auto dabei in einer Rechtskurve auf die Gegenfahrbahn und prallte dort mit einem entgegenkommenden Wagen zusammen. Beide Unfallbeteiligte blieben unverletzt, allerdings waren ihre Fahrzeuge nicht mehr fahrbereit und mussten abgeschleppt werden. Es entstand ein Sachschaden von circa 18000 Euro. Auf der Staatsstraße 2025 kam es um 7.30 Uhr kurz vor dem Kreisverkehr zur B16 bei Hausen zu einem Auffahrunfall mit vier Autos, nachdem eine Frau mit ihrem VW Polo aufgrund schneeglatter Fahrbahn leicht nach rechts von der Fahrbahn abkam. Eine hinter ihr fahrende 50-Jährige konnte ihren Ford noch rechtzeitig dahinter zum Stehen bringen – allerdings rutschte eine 18-Jährige mit ihrem Fiat auf den Ford und schob diesen auf den VW Polo. Eine nachfolgende 57-Jährige fuhr mit ihrem Peugeot auf den Fiat und schob diesen auf die beiden anderen Unfallfahrzeuge. Alle Autofahrerinnen blieben unverletzt, allerdings entstand ein Sachschaden von rund 7000 Euro an den Fahrzeugen.

Mehrere Unfälle auf spiegelglatter Fahrbahn

In der Dillinger Straße in Lauingen prallte um 7.50 Uhr ein Auto in einen vor ihm bremsenden Omnibus. Dabei entstand ein Sachschaden von rund 8000 Euro. Fünf Minuten vorher rutschte in der Oberen Hauptstraße in Hausen ein Auto in ein anderes. Schaden: 700 Euro. Die Polizei appelliert an alle Verkehrsteilnehmer, zu prüfen, ob ihre Fahrzeuge die erforderliche Bereifung besitzen. Fahrzeuge mit Sommerbereifung dürfen bei winterlichen Verhältnissen nicht gefahren werden. Außerdem müsse dafür gesorgt werden, dass die Sicht durch die Scheiben und die Beleuchtung nicht beeinträchtigt ist.

Manfred Wiedemann, Leiter des Kreisbauhofes, ist an diesem Mittwoch im Dauereinsatz. „Derzeit ist es kritisch, weil über einen kurzen Zeitraum viel Schnee während des Berufsverkehrs herunterkam“, sagt er. Die acht Fahrzeuge des Kreisbauhofs bringen aktuell, zusammen mit den sieben Fahrzeugen der Straßenmeisterei des Freistaats, 90 bis 100 Tonnen Salz am Tag auf die Straße. Die Frühschicht ist ab 3.30 Uhr im Einsatz. Selbst wenn ein Fahrzeug während seiner Route die Nachricht erhält, dass es woanders heftig schneie, könne es nicht einfach so kehrtmachen, sagt Wiedemann. Das würde die gesamte Einsatzplanung durcheinander bringen. Zur Planung überprüft Wiedemann mehrere Wetterdienste, bespricht die Lage mit Kollegen und entscheidet anschließend, welches Fahrzeug wo zum Einsatz kommt und ob es einen Schneepflug braucht. „Heute ist Volleinsatz“, sagt Wiedemann. „Unsere Spätschicht wird bis 22 Uhr beschäftigt sein.“ Während einer Extremwetter-Situation seien die Schichten „ausdehnbar“, die herrsche aber noch nicht vor. (mit pol)

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