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Zuwanderung

20.05.2015

Schrell: Kreis meistert Asyl-Herausforderung bisher gut

Der Landrat erklärte im Sozialbeirat, warum die Zahlungen für die Unterkünfte keineswegs horrend sind

609 Asylsuchende und Flüchtlinge sind laut Landrat Leo Schrell derzeit im Landkreis untergebracht. Und ihre Zahl steigt ständig an. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass der Zustrom anhalten wird“, sagte Schrell in der Sitzung des Sozialbeirates. Auf die Prognosen, wie viele Menschen in den Landkreis kommen, gibt der Landrat nichts mehr. „Schon im Januar 2015 waren es mehr, als es eigentlich im Dezember 2015 sein sollten.“

Von den derzeit 609 Menschen sind 89 in den beiden Gemeinschaftsunterkünften in Zusamaltheim und Höchstädt untergebracht. Der Rest wohnt in dezentral vom Landkreis angemieteten Häusern und Wohnungen. Immer wieder, sagt Johanna Laux, höre man im Gespräch, dass der Kreis dafür sehr hohe Mieten bezahle und sich die Situation auf dem angespannten Immobilienmarkt damit noch verschärfe. Sie wollte von Landrat Leo Schrell wissen, ob das der Wahrheit entspricht.

Schrell erklärte dazu, dass auch er immer wieder auf das Thema angesprochen werde. „Aber es gibt keine horrenden Mieten. Wir gehen mit dem Thema ganz transparent um.“ Der Betrag, der hier gezahlt werde, lasse sich mit einer Kaltmiete nicht vergleichen. Denn darin enthalten sind die Kosten für Heizung, Strom, Wasser, Kanal, Hausmeisterdienst, Mobiliar und eine Haushaltsgrundausstattung wie Töpfe, Besteck und Ähnliches. „Das ist ein Rundumpaket“, sagt Schrell. Er hat auch schon von Fällen gehört, in denen die Nebenkostenabrechnung so hoch war, dass der Vermieter nichts mehr verdient hat. „Und was ist die Alternative: Wenn die Leute nichts verdienen, müssten wir die Menschen in den Turnhallen unterbringen.“ Weil die Unterbringung darüber hinaus oft sehr kurzfristig erfolgen muss, komme es auch einmal vor, dass Räume einige Wochen leer stehen. Aber es mache eben mehr Sinn, zu einer Familie eine weitere Familie zuzuordnen, als vier junge Männer. Insgesamt meistere der Landkreis Dillingen die Herausforderung Asyl bisher sehr gut. Das sei auf das große ehrenamtliche Engagement der vielen Helfer, aber auch auf die Arbeit der Behörde zurückzuführen. „Da gehen viele an ihre Schmerzgrenze.“ Schrell hat den Eindruck, dass das Gros der Asylbewerber und Flüchtlinge hochmotiviert ist. „Sie wollen arbeiten und könnten sich von ihrer Ausbildung her gut bei uns eingliedern.“ Was nun fehle, seien Integrationskonzepte. Denn im Gegensatz zur Situation vor 20 Jahren wolle diesmal der Großteil der Menschen bleiben.

„Und dann werden sie irgendwann einmal auf dem freien Wohnungsmarkt aufschlagen“, sagt Günter Gaschler. Das könnte seiner Ansicht nach zu Problemen führen, wenn die Staatsregierung hier nicht frühzeitig reagiert. Das unterstrich auch Landrat Leo Schrell: „Der Freistaat ist aufgefordert, den sozialen Wohnungsbau wieder zu beleben.“ Denn schon jetzt, berichtet Susanne Ahle, ernte sie oft eindeutige Blicke von einheimischen Bewerbern, wenn sie einen anerkannten Asylbewerber zu einer Wohnungsbesichtigung begleitet. Zunehmend erlebt sie eine Neiddiskussion. Davon berichtete auch Mirjam Steiner.

Günter Gaschler erklärte, für ihn als Verantwortlichen bei der Tafel gebe es nur die Unterscheidung bedürftig oder nicht. Besonderes bei den älteren Kunden sei es aber kein Neid, sondern die Angst, dass für sie nichts mehr übrig bleibe. Die müsse man ihnen nehmen.

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