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06.08.2007

Schubertiade in der Rotunde des Rittersaals

Als der Steinway-Flügel in die Rotunde des Rittersaales geschoben, die etwa 30 Besucher ihre Stühle dorthin getragen hatten, begann ein sehr beifällig aufgenommener Klavier-Solo-Abend. Der 60-jährige Konzertpianist Heiner Costabél hatte zu Recht der Überakustik des großen Saales misstraut und auf die Intimität des kleines Raumes gehofft. Wie richtig diese Entscheidung war, zeigte der Verlauf des Konzertes.

Mit "piano parlando" begeistert

Wie vor 200 Jahren Franz Schubert bei Joseph von Spaun seine Verehrer/Innen um sich scharte, begeisterte Costabél das interessierte vor allem weibliche Publikum. "Piano parlando" war das Motto dieser Soiree und Costabél schien seine Ankündigung wörtlich zu nehmen. Eigentlich sollte der Flügel unter den virtuosen Händen Costabéls "sprechen"; der Meister jedoch war sehr mitteilsam und unterhielt die Gäste mit Anekdoten aus dem Komponistenleben, der Schilderung der Zeitenläufe und der Stellung des aufgeführten Werks im Opus-Register. Für Mozarts "Fantasie in c-Moll", Beethovens Es-Dur-Sonate Nr. 31 und einem Impromptu von Franz Schubert benötigte Heiner Costabél eineinhalb Stunden. Nach der halbstündigen Pause überreichte der Pianist einen bunten Strauß mit Chopin-Melodien, denen er zwei Zugaben folgen ließ, ehe das Konzert nach drei Stunden beendet wurde. Das zugegebene Schlussallegro aus der A-Dur-Sonate von Franz Schubert mit seiner fein ausgebreiteten Spielfreude ließ erahnen, welche Qualität im Hinblick auf die beiden anderen Sätze vorenthalten wurde. Romantische Attitüde im As-Dur-Impromptu mit seinen quellenhaft rieselnden Sechzehnteln: unablässig sprühten die Klangfiguren, ehe ihnen eine "Cello"-Melodie festen Grund gab.

Costabél zauberte bei den harfenartigen Begleittriolen des zugegebenen Ges-Dur-Impromptus die Stimmung einer romantischen Nacht. Bei Chopins "Nocturne" op. 9 in Es-Dur verstand es Costabél, die geschmeidige Melodik, zarte Koloraturen und feinsinnige Begleitung wirkungsvoll einzusetzen. Im "Grande valse brillante" konnte Costabél die figurativen Themen, die schnellen Tonwiederholungen, die Terzen- und Sextenparallelen, die Vorschlagsketten und die harmonischen Wechsel elegant und mit frischem Schwung gestalten.

Beim cis-Moll-Walzer betonte Costabél das Dichterische des Tonstückes; die edel-sehnsüchtige Melodik kontrastierte er mit den in fließenden Achteln schimmernden Seitengedanken. Ein wahres Feuerwerk an klaren Akkordbrechungen prasselte bei der Etüde Nr. 12 in c-Moll auf die Bravo rufenden Zuhörer nieder. Der "Salon"-Rahmen hätte eine poetischere Dynamik vertragen, was durch einen nur wenig geöffneten Flügel erreichbar gewesen wäre.

So wurde in der Fantasie in c-Moll KV 475 von W.A. Mozart die ins Orchestrale zielenden Klangwirkungen, bei Ludwig van Beethovens Sonate op. 31 Nr. 3 in Es-Dur die "Opernlinien" in der Thematik herausgearbeitet. Gleichmäßig spielerisch beschwingt die schnellen Ecksätze, dazwischen ein Scherzo und ein Menuett, bei denen Costabél in anmutiger Würde agierte.

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