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Landkreis Dillingen

30.07.2020

Schüler haben Angst vor Arbeitslosigkeit und Klimawandel

Nach der Schulzeit folgt idealerweise der Beginn einer Ausbildung oder die Aufnahme eines Studiums. In einer Umfrage der Jugendhilfe haben mehr als die Hälfte der Schüler angegeben, dass sie sich um ihre berufliche Zukunft Sorgen machen.
Bild: Hendrik Schmidt, picture alliance/dpa (Symbol)

Plus Eine Umfrage zeigt, was junge Menschen im Landkreis Dillingen beschäftigt und was ihnen Sorgen bereitet.

Jugendliche im Landkreis Dillingen machen sich Sorgen um ihre berufliche Zukunft. Das ergab eine Befragung des Augsburger Instituts für Sozialplanung, Jugend- und Altenhilfe, Gesundheitsforschung und Statistik (SAGS). Der Jugendhilfeausschuss des Dillinger Kreistags hatte das Institut mit der Befragung beauftragt. Sowohl Schüler der vierten als auch der siebten, neunten und elften Jahrgangsstufe standen Rede und Antwort. Thema war das Freizeitverhalten der Schüler und die Jugendarbeit im Landkreis Dillingen.

Umfrage zeigt: Schüler treffen sich vor allem im privaten Raum

Christian Rindsfüßer, Statistiker des SAGS-Instituts, stellte die Ergebnisse im Ausschuss vor. 537 Schüler von Gymnasien, Real- und Mittelschulen, als auch vier Förderschüler haben per Online-Fragebogen teilgenommen. Auf die Frage „Bleibt dir genug Zeit für Freizeit nach der Schule?“ antworten 72 Prozent der Jugendlichen aus dem Landkreis mit Ja. Unter den Freizeitbeschäftigungen nimmt das Computer spielen und Fernsehen den größten Posten ein. Darauf folgen Freunde treffen, Sport treiben, Smartphone nutzen und Musik hören. 41 Prozent der Befragten sind zudem in Organisationen oder Vereinen tätig. 59 Prozent haben hierzu keine Angaben gemacht oder sind nicht engagiert. Als häufigste Begründung wurde fehlende Zeit und „keine Lust“ genannt. In größeren Gemeinden sehen und kennen Teenager mehr Möglichkeiten zur Beteiligung am öffentlichen Leben.

Die Schüler treffen sich mit ihren Freunden am häufigsten im privaten Raum – und das unabhängig von der Klassenstufe. Auf die Frage, wie die Schüler zu diesen Treffen gelangen, wurde vor allem das Fahrrad, das elterliche „Taxi“ oder „zu Fuß“ genannt. Immerhin ein Viertel nutzt Bus und Bahn. Die Zufriedenheit mit der Busverbindung sinkt dabei mit steigendem Alter der Jugendlichen. Vor allem nach 22 Uhr sind rund zwei Drittel der älteren Schüler überhaupt nicht zufrieden mit der Anbindung in ihrer Region.

Schüler haben Angst vor Arbeitslosigkeit und Klimawandel

Ein Viertel der Schüler erhält kein Taschengeld

Ein Viertel der Befragten erhält gar kein Taschengeld. Den meisten stehen zwischen zehn bis 30 Euro monatlich zur Verfügung. Mit der Internetverbindung sind die Schüler zuhause größtenteils zufrieden oder sehr zufrieden. Ob es in ihrer Gemeinde ein offenes WLAN gibt, weiß fast ein Drittel der Schüler gar nicht.

Auf die Frage, wie gut die Schule auf das Berufsleben vorbereitet, antworteten gerade Gymnasiasten wesentlich häufiger, dass sie sich schlecht vorbereitet fühlen. Doch insgesamt halten sich 75 Prozent der Schüler für sehr gut bis gut vorbereitet. 61 Prozent der Schüler können sich vorstellen, nach dem Schulabschluss im Landkreis Dillingen zu bleiben oder nach einer Ausbildung zurückzukehren.

Jugendliche sorgen sich um Klimawandel und Arbeitslosigkeit

Für Überraschung sorgte die Frage, welche Themen den Schülern Sorge bereiten: 62 Prozent der Schüler haben Angst vor Arbeitslosigkeit oder davor keinen Ausbildungsplatz zu finden. Am meisten bereitet den Schülern die Umweltverschmutzung und der Klimawandel, mit 78 und 74 Prozent, Sorge.

Landrat Leo Schrell zeigte sich verwundert über die hohe Angst vor Arbeitslosigkeit unter den Jugendlichen. „Wir haben zusammen mit dem Donau-Ries die niedrigste Arbeitslosenquote Deutschlands.“ Positiv sieht Schrell, dass viele junge Menschen hierbleiben oder nach ihrer Ausbildung zurückkehren wollen. Die Angst der Jugendlichen vor dem Klimawandel wurde im Plenum nicht thematisiert.

Schulamtsdirektor Wilhelm Martin sprach von einem „Kommunikationsproblem“ als Grund für den geringen Rücklauf aus den Mittelschulen. Christian Rindsfüßer erklärte die niedrige Quote der Mittelschüler von acht Prozent damit, dass das Projekt an den Mittelschulen nicht vor Ort betreut werden konnte. Deswegen sei der Rücklauf weitaus geringer ausgefallen. Die Fragebögen wurden von den Schülern größtenteils vor dem Lockdown abgeschickt. Wenn auch der Schwerpunkt auf der Sekundarstufe lag, wurden die vierten Klassen der Grundschule ebenso miteinbezogen. 117 Viertklässler haben den Fragebogen ausgefüllt. Christian Rindsfüßer gab jedoch zu verstehen, dass die Fallzahlen nicht ausreichend seien und deswegen nicht überbewertet werden dürfen. Hinzu komme, dass die zweite Hälfte der Fragebögen erst nach den Ausgangsbeschränkungen ausgefüllt worden sei.

Grundschüler hab meist Zeit für Freizeitaktivitäten

Das sind die wichtigsten Erkenntnisse der vierten Klassen: Vier von fünf der Grundschüler verbringen ihre Nachmittage vor allem zuhause. Nach dem Lockdown haben mehr Schüler angegeben, dass sie den gesamten Nachmittag für ihre Hausaufgaben brauchen. Die Schule als Sorgenthema ist nach den Ausgangsbeschränkungen gestiegen. Das könnte laut Christian Rindsfüßer aber auch mit dem Übertrittsstress am Ende der Grundschule zusammenhängen. Zwei von drei Kindern haben nach der Schule oft oder immer Zeit für Freizeitaktivitäten. 43 Prozent erhalten gar kein Taschengeld. Und lediglich 13 Prozent stehen mehr als fünf Euro wöchentlich zur Verfügung.

Doch was macht der Kreistag mit diesen Daten? Landrat Leo Schrell betonte, dass die Ergebnisse nicht nur „in der Schublade landen“ sollen, sondern „als Arbeitsgrundlage für Politik und Verwaltung dienen“. Der Teilplan „Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit und erzieherischer Kinder- und Jugendschutz“ wird im Laufe dieses Jahres in Zusammenarbeit mit dem SAGS-Institut fortgeschrieben und fertiggestellt. Nach Verabschiedung im Jugendhilfeausschuss und im Kreistag wird der Plan voraussichtlich Ende 2020 auf der Homepage des Landkreises Dillingen veröffentlicht.

Lesen Sie dazu den Kommentar: Die Jugendlichen werden nicht ernst genommen

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