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11.07.2010

Schülern Menschlichkeit vermitteln

Dillingen Um 6 Uhr aufstehen, um 6.45 Uhr Frühmesse. Dr. Georg Simnacher kann sich noch gut an seine Gymnasialzeit in Dillingen erinnern. Der heutige Burgauer wohnte im bischöflichen Internat St. Ulrich. Simnacher war nach dem Krieg froh, das Dillinger Gymnasium besuchen zu dürfen: "Wir haben nach der Schreckensherrschaft des Nationalsozialismus einen ganz neuen Geist gespürt. Man konnte endlich wieder frei reden", sagt der Altbezirkstagspräsident, der am Samstag in seine Schule zurückkehrte. Das Johann-Michael-Sailer-Gymnasium feierte sein 460-jähriges Bestehen. Gleichzeitig lud die Vereinigung "Dilingana" Ehemalige zum Studiengenossenfest.

Die Aula ist voll gefüllt, als Direktor Kurt Ritter die Ehrengäste willkommen heißt. "Innovation und Tradition", dies sei die Leitlinie des Johann-Michael-Sailer-Gymnasiums. Landrat Leo Schrell sagt, die 1550 gegründete Schule habe "eine bewundernswerte Ausstrahlung im Kreis Dillingen und darüber hinaus". Der Schulalltag habe sich einst erheblich von der Gegenwart unterschieden. "Es gab keine Ferien", so Schrell. Das Schuljahr begann am 1. Oktober und endete am 30. September. Morgens und abends wurde gebetet, Schüler trugen Barett, Chorrock und Talar. "Lehrer waren angehalten, ihre Zöglinge mit Geduld, Liebe und Ernst zu unterweisen. Johann Michael Sailer wollte jungen Menschen helfen, sich zu verinnerlichen, und so die Voraussetzungen für eine ethische Lebensführung vermitteln, sagt Schrell. Diese Tradition führe das Sailer-Gymnasium unverändert fort: "Es setzt sich auch heute das Ziel, tüchtigen, gebildeten und verinnerlichten Menschen den Weg ins Leben zu erleichtern und ihnen die Fähigkeit zu vermitteln, nach Grundsätzen der Humanität ein gutes Leben zu führen."

Der Ministerialbeauftragte Hubert Lepperdinger betont, dass nur wenige Gymnasien in Bayern eine solch lange Tradition haben. Das Colleg sei einst gegründet worden, um die Reformation zurückzudrängen. "Erziehung fordert Disziplin", sagt Lepperdinger. Ganzheitliche Bildung erwachse aus der Begegnung der Menschen. Oberbürgermeister Frank Kunz würdigt den "ausgezeichneten Ruf" des Sailer, das Tradition und Moderne verbinde. Die Schule habe in den vergangenen 460 Jahren bedeutende Theologen und Wissenschaftler hervorgebracht, sagt Fördervereinsvorsitzender Rainer Hönl. Neben der Personalratsvorsitzenden Verena Heppner und Josef Langner, Sprecher der Schülermitverwaltung, würdigt Elternbeiratsvorsitzender Bernhard Uhl "die Erfolgsgeschichte" des Gymnasiums. Studiendirektor Gerhard Ruf informiert, dass die "Dilingana" gut 1300 Mitglieder zähle. Karl Baumann, Helmut Durner und Fritz Rein werden zu Ehrenmitgliedern ernannt. Für die schöne musikalische Umrahmung sorgen Robert Baumann (Klavier), Friedrich Maier (Querflöte) und Annabelle Galea (Violine).

Latein in der Defensive

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Lang anhaltenden Beifall erhält der frühere stellvertretende Schulleiter Hermann Muzell für seinen Festvortrag. Der Zeitraum reicht von der Wiederaufnahme des Schulbetriebs nach dem Krieg 1946 bis ins Jahr 2010. Es sei eine richtige Entscheidung gewesen, den Standort in der heutigen Studienbibliothek aufzugeben und den Neubau an der Ziegelstraße zu errichten. Muzell lässt Zeiten Revue passieren, in denen die Schülerzahl auf fast 1000 stieg. Und er bedauert, dass der humanistische Zweig mit Griechisch und Latein gegenüber dem naturwissenschaftlichen arg in die Defensive geraten sei. Studiendirektor Muzell stellt fest: "Wir haben eine Entwicklung von der Lateinschule des 16. Jahrhunderts zum naturwissenschaftlich-technologischen Gymnasium des 21. Jahrhunderts."

Ritter versichert, dass das Sailer den neusprachlichen und humanistischen Zweig stärken wolle. Bei 114 Neuaufnahmen, so der Direktor, werde es im neuen Schuljahr auch wieder eine Klasse geben, die mit Latein beginnt. Am gestrigen Sonntag ging das Studiengenossenfest anlässlich des 460. Jubiläums zu Ende. Regionaldekan Gottfried Fellner zelebrierte dabei einen Festgottesdienst in der Studienkirche.

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