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Landkreis Dillingen

19.02.2018

Schweinpest beschäftigt Tierkörper-Entsorger

Ein Übergreifen der Afrikanischen Schweinepest würde auch den für die Entsorgung von Tierkörpern zuständigen Zweckverband ZTA vor große Herausforderungen stellen. Neben Wildschweinen könnten auch Mastschweine infiziert werden. Dann müssten nicht nur eine Jagd-Strecke, sondern auch der Bestand eines ganzen Stalls gekeult und beseitigt werden.

Außerhalb von Krisenzeiten wie BSE läuft Beseitigung von Schlachtabfällen und Kadavern in der Region völlig geräuschlos. Während Kosten für die acht beteiligten Landkreise sinken, müssen Schlachter künftig mehr zahlen

Die Afrikanische Schweinepest – aktuelles Schreckgespenst der Schweinemäster – war jetzt auch kurz Thema beim Zweckverband für Tierkörperbeseitigung (ZTA). Logisch, denn ein Übergreifen der Seuche auf Wildschweine oder gar Bestände in der Region würde natürlich auch den Entsorger massiv betreffen. Befallene Wildsauen, die geschossen sind, müssten gesammelt und dann abgeholt werden. Wird der Ausbruch der Pest in einem Stall amtlich festgestellt, so müssen alle Tiere sofort getötet und unschädlich beseitigt werden. Solche Keulungen gab es im Wittelsbacher Land zuletzt zur Jahrtausendwende als die BSE-Seuche ausbrach. Ganze Rinderherden wurden getötet und damals noch in die Tierkörperbeseitigung in Mering gebracht.

Davon bleiben Tierhalter hoffentlich verschont, doch vorbereitet müsse man sein, sagt ZTA-Geschäftsführer Max Rössle. Sein Verband ist für die Entsorgung in acht Landkreisen, unter anderem auch Dillingen,  zuständig. Außerhalb von solchen Krisenzeiten läuft das geräuschlos und effizient und der „normale“ Mensch bekommt es eigentlich gar nicht mit – er will es vermutlich auch gar nicht. Fleisch ist ein Lebensmittel und soll für viele günstig sein. Wie es erzeugt und verarbeitet wird, interessiert nur einen Teil der Verbraucher. Jeden Tag gehen Tiere ein oder werden geschlachtet – aber wohin gehen die Kadaver und Abfälle? Sie verschwinden natürlich nicht oder werden vergraben – sie werden verarbeitet. 2017 wurden allein im ZTA-Gebiet insgesamt rund 25000 Abholungen bei Tierhaltern und Schlachtbetrieben registriert und rund 9600 Tonnen tierisches Material entsorgt. Dazu fahren Lastwagen zu Mastbetrieben oder anderen Tierhaltern und laden Kadaver ein. Sie nehmen auch radioaktiv belastete Wildschweine bei Jägern mit und sie entsorgen die tierischen Abfälle bei Metzgern und Schlachtereien, die nicht zu Lebensmittel verarbeitet werden können. In Tierkörperbeseitigungsanlagen enden aber auch Elefanten aus dem Zoo oder Wale, die an der Nordseeküste stranden. Seit 2015 werden die Abfälle der Schlachtereien bei Abholung übrigens gewogen und die Gebühren nach Gewicht berechnet. Zuvor ergaben sich die aus der Behältergröße. Bei Abholung von verendeten Tieren wird nicht gewogen.

Vor 21 Jahren wurde der ZTA gegründet und Max Rössle ist von Beginn an Geschäftsführer. Zuvor waren die acht Kreise durch eine Zweckvereinbarung verbunden. Vor Kurzem hat die letzte Verbandsversammlung mit ihm als Geschäftsführer im Landratsamt in Aichach stattgefunden – er ist im Hauptberuf Geschäftsführer der Baugenossenschaft Aichach und der Wohnbau-Gesellschaft von Aichach-Friedberg und geht heuer in Ruhestand. Zum Abschluss präsentierte er gute Zahlen. Für die rund 10000 Landwirte und Tierhalter sind die Entsorgungskosten für Tierkörper vor drei Jahren gesunken. Auch die Steuerzahler aus der Region zwischen Dillingen und Pfaffenhofen sparen Geld. Die Umlage der Kreise an den beauftragten Zweckverband sinkt heuer auf rund 400000 Euro. Auf der hohen Kante liegt eine Rücklage von über 300000 Euro. Das Wittelsbacher Land zahlt 2018 zum Beispiel davon noch 73000 Euro (2017: 84000 Euro). Seit Jahren geht die Umlage zurück. Zum Vergleich: 2008 betrug die Umlage 740000 Euro. Ein Grund: Die Beseitigungsmenge sinkt.

Die Aufteilung berechnet sich nach dem Viehbestand in den acht Landkreisen. Sie zahlen über die Umlage für die kommunale Pflichtaufgabe Tierkörperbeseitigung mit, übernehmen aber nur einen Teil der Kosten. Zwei Drittel steuern Freistaat und Tierseuchenkasse bei. Dazu kommt der Eigenanteil des Tierhalters. Die Berndt-Gruppe ist seit 2008 im Zweckverbandsgebiet mit der Entsorgung beauftragt. Der Vertrag mit dem Unternehmen aus Oberding (Kreis Erding) läuft aktuell bis Ende 2019. Weil beide Seiten nicht kündigen wollen, verlängert er sich um ein weiteres Jahr.

Entsorgt und verwertet werden Abfälle und Tierkörper aus der Region in der Anlage in Kraftisried (Kreis Ostallgäu). Die Abfälle der rund 300 Metzgereien und Schlachtbetriebe aus der Region kosten seit drei Jahren netto 111 Euro pro Tonne (früher 170 Euro). Doch jetzt kündigt die Berndt-Gruppe eine Erhöhung der Entsorgungskosten für die Schlachter um über 30 Prozent an. Die müssen ihre Kosten im Gegensatz zu den Tierhaltern allein tragen. Laut Konrad Meier, Geschäftsführer der Berndt-Gruppe, gibt es mehrere Gründe für die Anpassung. Allgemein: Die Erlöse für Tierfett gehen stark zurück und für die Abnahme von Tiermehl müssen die Anlagen mittlerweile sogar bezahlen. Grund hierfür seien billigere Ersatz-Materialien in Verbrennungsanlagen aus dem Abfallbereich. Und die Protektionspolitik von US-Präsident Donald Trump führe zum Beispiel dazu, dass jede Menge an Biodiesel aus Südamerika nun in Europa landet und den Preis drückt. Aus Tierfetten wird auch Biodiesel hergestellt. Die Verarbeitungsmengen würden generell zurückgehen – die Fixkosten würden dagegen bleiben, erläutert Meier.

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