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Oberbechingen

06.08.2019

Sein Garten ist ein geschlossener Kreislauf

Otmar Penkert ist der Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins in Oberbechingen. In seinem Garten gibt es viel zu entdecken.

Otmar Penkert aus Oberbechingen hat seinen Garten nach bestimmten Vorstellungen angelegt. Er liebt Tiere und Rosen. Nur ein Grün ist ihm nicht wichtig.

Na, leidet Ihr Rasen auch bei der Hitze? Gibt es schon gelbe Stellen? Ist Otmar Penkert völlig gleichgültig. 70 Rosen stehen verteilt zwischen unzähligen Blumen in seinem Garten, dazwischen Obstbäume, ein Gartenhäuschen, ein Teich und ein Gemüsebeet – dafür ist dem 68-Jährigen keine Arbeit zu viel. „Aber ich bin kein Fan vom Rasenmähen. Der Rasen hat nicht viel Sinn. Der ist nur zum Begehen da. Aus, Amen.“ Na dann, gehen wir mal los um das Oberbechinger Haus.

Die Wasserspeicher unterm Rasen sind massiv

Anfang der 1980er Jahre baute das Ehepaar das Haus, damals schon mit sehr konkreten Vorstellungen. Penkert will nicht mit Trinkwasser gießen. Es ist ihm zu schade dafür. Also hat er gewaltige Löcher in seinen Garten gegraben und Zisternen angelegt. „Die Nachbarn haben gedacht, ich spinne.“ 18000 Liter Wasser kann Penkert speichern und mit einer Pumpe in seine Gartenschläuche füllen. Er will einen geschlossenen Kreislauf in seinem Garten. Der Kompost wird nach drei Jahren gesiebt und düngt den Garten. Auf dem Hausdach befindet sich eine Fotovoltaikanlage für den hauseigenen Strom. Drum herum ist viel Raum für kleine Tiere: Insektenhotels, Vogelhäuser, Totholzhaufen und ein Hummelkasten. Vögel zwitschern in dicken Büschen, eine Hummel parkt auf einer Rose. Der 68-Jährige zieht die meisten seiner Pflanzen selbst und veredelt verschiedene Rosen. Die setzt er dann kunterbunt überall im Blumenbeet ein, zwischen Glockenblume, Lavendel, Flieder, Storchenschnabel, Bartblume, Hortensie, Goldglöckchen, Jungfernwein – „ich hab von allem etwas“.

40 Kilo Pfirsiche an einem Baum

Dann ist da noch das Obst: Apfelbäume, das Pfirsichbäumchen mit der 40-Kilo-Ernte 2018, die Himbeeren. „Wir kaufen nicht viel. Das hat nichts mit Geiz zu tun, sondern mit der Überzeugung, dass die eigenen Sachen besser sind“, sagt Penkert, und eine seiner beiden Katzen streicht ihm um die Beine. Im Gewächshaus, das voller Tomaten ist, kleben Wespennester im Dach. „Die fressen die Spinnen. Ich habe auch keine weißen Fliegen hier.“ Das könnte auch an der orangefarbenen Tagetes liegen, die am Fuß der Tomaten wächst. „Die heißen ja nicht umsonst ‚Stinkerle‘. Warum ich kein Ungeziefer habe, weiß ich nicht, aber es klappt.“ Nahezu alle Pflanzen hat der Rentner selbst gezogen.

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Im Gemüsebeet wachsen Spargel, Kartoffeln, Erdbeeren, Paprika, Bohnen, Rettich. 25 Kilo Sauerkraut machen Penkerts jedes Jahr. Der Experte empfiehlt, im Herbst, wenn Kartoffeln und Kraut geerntet sind, auf dem Beet Hafer zu säen und nach 100 Tagen umzugraben. „Das reinigt den Boden und funktioniert wie eine Fruchtfolge.“ Außerdem helfe es gegen Unkraut und Schädlinge.

Weiter hinten auf dem Kompost wächst Kürbis. Daneben leben zehn Tauben und 25 Hühner. „Nein“, sagt Penkert und lacht, „ich stamme nicht aus der Landwirtschaft – sonst hätte ich Tiere vielleicht gar nicht.“ Ohne sie will er nicht sein.

So brave Frösche gibt es selten

Zu dem gut 1500 Quadratmeter großen Gelände gehört ein Teich mit 15 Fröschen, die nie quaken, und zig Seerosen. Es geht um die nächste Hausecke herum – da wächst überhaupt kein Gras mehr. Dort hat Penkert ein großes Staudenbeet angelegt. Zwischen Herbstanemone und Fette Henne blühen auch die Rosen. „Es darf ruhig unordentlich sein. Sauber und steril mag ich nicht“, erklärt der Vorsitzende des örtlichen Obst- und Gartenbauvereins. Jeder habe einen schönen Garten – der müsse ja nur seinem Besitzer gefallen.

Eine Hummel schlüpft in eine von Penkerts Rosen.

Vom großen Aufräumen im Garten hält der Rentner nichts. Etwas hacken, etwas mulchen, gießen und gut. Unkrautjäten sei für ihn mehr Hobby, so wie ein „Fitnessstudio im Garten“. Dazu gehört auch das Gießen. Fein aufgereiht stehen die Gießkannen an einer Hecke. Im Brunnen, aus dem Penkert das Wasser holt, schwimmt ein Holzstück. „Das ist ein Floß für Vögel und Insekten. Seit das drin ist, ertrinkt kaum noch ein Tierchen“, erklärt er.

Den Zaun hat er gestrichen: Ein einziges Mal

Der Rundgang endet wieder vor dem Haus am hölzernen Gartentürchen, der letzte erkennbare Rest vom einstigen Jägerzaun. „Es hieß, den müsse man nur streichen“, erinnert sich Penkert. Ein einziges Mal habe er die vielen Meter Zaun gestrichen. „Dann habe ich beschlossen: nie wieder, und fünf Efeupflanzen gekauft.“ Hunderte zog er nach und pflanzte sie ein – schwupps war Streichen Geschichte. „Ich wusste vorher gar nicht, wie wichtig Efeu für Insekten ist, gerade im Herbst. Aber man lernt halt immer dazu“, meint er etwas nachdenklich. Er sei schon immer etwas grün angehaucht gewesen. Er fährt nicht in den Urlaub, macht höchstens Tagesfahrten mit dem Rad. „Man muss selbst etwas machen, nicht nur jammern“, erklärt er. Dazu gehört auch sein Engagement im Gartenbauverein und im Vorstand für Gartenbau und Landespflege. „Wir Gartenbauvereine pflegen die älteste Kultur – wer tut das heute noch?“

Aktion: Sie haben auch einen tollen Garten? Dann melden Sie sich bei uns. Wir stellen den ganzen Sommer über kleine Paradiese vor. Das können auch ein Balkon, ein Winter- oder ein Schrebergarten sein. Telefon: 09071/7949-12, E-Mail an redaktion@donau-zeitung.de

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