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Pfaffenhofen

23.10.2019

Selbst in der Dusche wird der Text geprobt

Bis tief in die Nacht hinein proben die 13 Schauspieler von Musicalprojekt 86 ihr neues Theaterstück „Migrantenengel“. Auf dem Bild ist die Anfangsszene zu sehen, in der auch der Regisseur und Vorsitzende des Vereins, Johannes Baur (links, hinten), mitwirkt. Am Freitag um 19.30 Uhr wird Premiere gefeiert.
Bild: Andreas Dengler

Das Musicalprojekt 86 spielt zum ersten Mal ein Theaterstück. In dem Schauspiel „Migrantenengel“ werden ernste Themen behandelt. Am Freitag feiert die Gruppe ihre Premiere im Zehentstadel in Pfaffenhofen.

„Bitte lauter“, „Nochmals Musik“ oder „Mehr Licht“ sind Anweisungen, die Johannes Baur zur Zeit ständig wiederholen muss. Er hat in der sogenannten Durchlaufprobe viele Funktionen. Baur ist der Vorsitzende des Musicalprojekts 86, aber auch Regisseur und Schauspieler. Seit Anfang dieser Woche laufen die Vorbereitungen des Theatervereins auf Hochtouren. Bis tief in die Nacht hinein feilen die Laienschauspieler, die alle aus der Region kommen, an dem Stück. Bereits am Freitag feiern sie mit „Migrantenengel“ Premiere im Pfaffenhofener Zehentstadel. Dort führen die 13 Schauspieler das Werk von Walter Brunnhuber auf. Die Hauptrollen übernehmen dabei zwei Bühnenneulinge.

Es wird auf drei Bühnen gespielt

„Es ist was Ernstes“, sagt Johannes Baur und meint damit den Inhalt des Theaterstücks. Der ursprüngliche Titel lautet „Kanakenengerl“. Das war aber doch zu heftig, fand die Gruppe und änderte ihn in „Migrantenengel“ um, erklärt Baur. Das Theaterstück, das in 27 Bildern gegliedert und auf drei Bühnen gespielt wird, erzählt schonungslos den Alltag eines kleinen bayerischen Dorfs. In der vermeintlich heilen Welt sind auch die großen Themen der Zeit angekommen. Flüchtlingshilfe, Abtreibung, Alkoholsucht, kommunaler Wahlkampf und Dorfgetratsche treffen darin aufeinander und regen die Zuschauer zum Nachdenken an.

"Ich bin schon total aufgeregt"

Die weibliche Hauptrolle übernimmt Sara Baur, die Tochter des Regisseurs. Sie verkörpert Resi Schmidtbauer, die durch ihr großes Herz und ihre Willensstarke auffällt. Zwar ist die 30-Jährige von Anfang an im Musicalprojekt 86 engagiert, aber auf die Bühne wechselte sie erst 2017. Damals spielte sie in der Aufführung „Rut – das Musical“ eine kleine Nebenrolle. „Ich bin schon total aufgeregt“, sagt Sara Baur. Beim Autofahren und unter der Dusche geht sie die einzelnen Szenen im Kopf durch, gesteht sie. „Resi ist eine richtige Powerfrau“, beschreibt Sara Baur ihren Charakter. „Manchmal wäre ich auch gerne wie sie.“

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Die männliche Hauptrolle hat Klaus Schuchert aus Bocksberg. Er mimt auf der Bühne den Bürgermeisterkandidaten und Vater von Resi, Gerold Schmidtbauer. Schuchert stand noch nie als Schauspieler auf der Bühne. Zwar hat er bereits mit dem Chor des Musicalprojekts 86 einige Auftritte gemeistert, aber in eine Rolle schlüpfte er bis dahin nicht. Seit dem Sommerurlaub paukt der gebürtige Krefelder seine Zeilen. Und auch in den Mittagspausen sitzt er über dem Skript. Das Sprechen im Dialekt fällt noch ein bisschen schwer, sagt Schuchert schmunzelnd.

Ein Süditaliener steht ebenfalls auf der Bühne

Ein weiterer wichtiger Mann in dem Stück ist der Süditaliener Raffaele Occhiuto aus Buttenwiesen. Noch nicht ganz ein Jahr lebt der Apotheker an der Zusam, schon steht er dort auf der Bühne. Occhiuto wird in die Rolle des tauben und gefolterten Flüchtlings Sahlim schlüpfen. Da Occhiuto ein südländischer Typ ist, sei er ideal für die Rolle des Asylsuchenden, erklärt Johannes Baur. Und auch Occhiuto ist mit seiner Rolle zufrieden: „Ich muss zum Glück nicht sprechen.“ Bereits in seiner Heimat Kalabrien stand Occhiuto auf der Bühne. Mit dem Auftritt in dem Theaterstück möchte er nicht nur besser Deutsch lernen, sondern auch ein Stück Kultur seiner neuen Heimat kennenlernen, sagt Occhiuto.

Seit rund 15 Jahren gibt es den Verein Musicalprojekt 86. Die Zahl 86 steht für die ersten beiden Ziffern in den Postleitzahlen, die in der Region verbreitet sind. „Das ist das Einzige, was uns verbindet“, erklärt Baur. Neben den 13 Schauspielern sind zahlreiche fleißige Helfer hinter der Bühne beschäftigt, damit die Aufführung ein Erfolg wird. Alle zwei Jahre probt die Gruppe ein Musical ein. In diesem Jahr wird aber zum ersten Mal ein Theaterstück aufgeführt, sagt der Vorsitzende. Neu ist auch der Veranstaltungsort: Das Musicalprojekt 86 tritt im renovierten Zehentstadel in Pfaffenhofen auf. Erst in diesem Jahr ging der historische Stadel nach einer zwei Jahre dauernden Renovierung in Betrieb. Und bewährt sich bereits jetzt als beliebter Veranstaltungsort und wichtiger Dorfmittelpunkt. Gut 100 Zuschauer passen in den Saal. An vier Abenden spielt die Theatergruppe ihr Stück. Der Eintritt ist auf Spendenbasis, eine Reservierung ist nicht möglich.

Die Termin: Am Freitag, 25. Oktober, um 19.30 Uhr, am Samstag, 26. Oktober, um 19.30 Uhr, am Sonntag, 27. Oktober, um 15 Uhr und 19.30 Uhr sowie am Donnerstag, 31. Oktober, um 19.30 Uhr.

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