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Matinee

02.07.2019

Sinfonische Orgelmusik in der Dillinger Basilika

Der aus Brügge stammende Meisterorganist Ignace Michiels brilliert mit sinfonischen Orgelwerken in der St-Peter-Basilika in Dillingen.
Bild: Gernot Walter

Ignace Michiels aus dem belgischen Brügge beeindruckt mit seinem Spiel

Eine Orgelreise durch Westeuropa brachte das zweite Orgelsommerkonzert in der Basilika, die zur Freude von Fördervereinsvorsitzendem Dr. Paul Olbrich mit 250 Besuchern prächtig gefüllt war. Mit sieben Werken von Komponisten aus Deutschland, Frankreich, Belgien und England wartete der Gast aus Brügge (Belgien) Ignace Michiels auf, die mit einer Ausnahme aus dem 19. und beginnenden 20. Jahrhundert stammten und alle einem finalen Höhepunkt zustrebten. Man gewann den Eindruck, Michiels wollte mit den triumphalen Abschlüssen im dreifachen Forte die klanglichen Möglichkeiten der Sandtner-Orgel besonders herausstellen, die er als hervorragend einschätzte.

Wie ein nachträglicher Pfingststurm fegte die Orgelwucht durch den Kirchenraum. Michiels huldigte vor allem bei César Franck (Pièce héroïque) und Charles-Marie Widor (Allegro vivace aus der 5. Sinfonie f-Moll op. 42) einem sinfonischen Orgelklang. Bei Franck passte der Organist seine Registrierung der Stimmung der Themen in der Basslage, in der lyrischen Sopranmelodie, der choralartigen Hymne an und führte sie pathetisch umwerfend mit vollem Orgelwerk zum bedeutsamen Schluss.

Im Allegro von Widor erfährt ein vorwärts dringendes Thema einfallsreiche Variationen. Temperamentvoll und technisch gewandt bildete Michiels den sinfonischen Aufbau ab. Apart die staccato angeschlagenen Akkorde und trillerartige Sechzehntelbewegung in der 3. Variation und ein choralartiges Zwischenspiel, ehe Michiels mit stupender Virtuosität den Satz beendete. Vom französischen Zeitgenossen Théodore Dubois war „Fiat lux“ zu hören.

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Der Organist legte das Werk als Toccata an, die sich etwas zu schnell vom wohltuend melodischen, dynamisch zurückhaltenden Anfang zum großartigen lautstarken Ende steigerte. Ohne Spannungsverlust die Toccata von J.S.Bach in d-Moll (BWV 538), die Ignace Michiels mit blendendem Pedalspiel, hervorragenden Übergängen, trefflichen Figurationen sehr belebt und frisch gekonnt darbot.

Ein ähnliches Werk seines belgischen Landsmanns Joseph Jongen in der ungewohnten Tonart Des-Dur gelang als fließendes, fantastisch umspieltes Perpetuum mobile. Das Menuett-Scherzo des gleichen Komponisten strahlte impressionistisches Feuer und Eleganz aus. Den romantischen Impetus betonte Michiels in der „Legende“ des Engländers William Faulkes durch girlandenreichen Schwellereinsatz und im „Finale“ mit einem imponierenden Tutti. Großer Gefühlsüberschwang in Joseph Rheinbergers erstem Satz aus dessen 4. Sonate op. 98 in einem romantischen Mittelteil, den mächtige Akkorde zu Beginn und gewaltige Schlussstürme einrahmten. Großer Beifall des Dillinger Publikums für abwechslungsreiche und äußerst virtuose Interpretationen an der Orgel.

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