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Dillingen

23.01.2018

So begeisterte Hans Söllner Jung und Alt in Dillingen

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3 Bilder
Hans Söllner bei seinem Auftritt in Dillingen. Der 62-Jährige ist mittlerweile Opa. Mit der Polizei hat er weiterhin seine Probleme, Marihuana findet er immer noch gut. Der Rebell erreicht ein extrem heterogenes Publikum, von Jung bis Alt kommen Fans zu seinem Konzert im Stadtsaal.
Bild: Jakob Stadler

Der Rebell ist schon Opa, erreicht aber im Stadtsaal mit Liedern übers Kiffen und Geschichten über Polizeikontrollen ein bunt gemischtes Publikum.

Hans Söllners am meisten gehörter Song auf diversen Streaming-Portalen ist „Mei Voda (hod an Marihuana-Baam)“. Beliebt sind auch die Titel „Der Rasenmäher“, „hey Staat“ und „Mia san no so richtige Bayern“. Bei seinem Auftritt im Dillinger Stadtsaal spielt Söllner keines dieser Lieder.

Söllner macht, was Söllner will, das hat sich seit den 80ern nicht verändert. Der Bad Reichenhaller lässt jeden Zwischenruf an sich abprallen, der eines der bekannten Lieder fordert. Er allein entscheidet, welches Lied er spielt. Dann singt er doch noch ein Lied, mit dem sofort Stimmung ins Publikum kommt – „Ganja is des beste wos i kenn“. Doch das Publikum klatscht mit. Das mag Söllner nicht. Er bricht ab, sagt: „Danke, aber das ist nicht das Oktoberfest.“ Bevor er weiterspielt, fügt er hinzu: „Ich möchte nicht, dass die da draußen meinen, dass das hier lustig wäre.“

Am Anfang ist sogar unklar, ob der Musiker überhaupt Musik macht. „Ich versuch ja, keine Konzerte mehr zu machen, sondern eher ein Seminar“, sagt Söllner. Das sei steuerlich günstiger. Ganz hält er das dann doch nicht durch, nach 15 Minuten spielt er das erste Mal auf seiner Gitarre. Es ist, wie so viele von Söllners Liedern, keines zum Wohlfühlen. Es geht ums Pelztragen, das der Vegetarier und Pazifist natürlich ablehnt. Und auch bei Kunstpelz könne man nie sicher sein, ob es denn wirklich kein echtes Fell ist, erklärt er. „Ich würde mich freuen, wenn der eine oder andere heute Nacht seinen Pelzkragen abschneidet.“

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Söllner wechselt in Sekundenbruchteilen von derben Scherzen zu ernsten Themen und zurück. Er habe eine Spendenbox vor der Tür aufgestellt, das Geld geht an eine Organisation, die sich gegen Genitalverstümmelung einsetzt, erklärt er. Nach einigen Witzen über die „Büchse für die Büchsen“ spielt er ein brutales Lied über das Thema. Direkt danach erklärt er, dass er ja so ungern Mundharmonika spielt, weil er sich dabei die Barthaare einklemmt. Ein Ami-Produkt. „Scheiß Amis“, sagt er. Obwohl, das dürfe man nicht sagen. Trotz Trump. „Ich sag ja auch nicht ,Scheiß Bayern‘, nur weil’s den Söder gibt. Ich sag Scheiß Söder. Und Scheiß Trump.“ Später ruft er dazu auf, kein „Aldi- und Lidl-Fleisch“ zu kaufen, am besten gar kein Fleisch und auf jeden Fall ein Jahr lang kein Hendl. Denn: „Wir sind die einzige Spezies, die das entscheiden kann.“

Söllner ist mittlerweile 63 Jahre alt und Opa. Und auch wenn er vielleicht ein bisschen ruhiger geworden ist, führt er noch seinen Kleinkrieg gegen „die da oben“, zu denen für ihn jeder gehört, der den Staat repräsentiert. Ob das der Mitarbeiter des Landratsamtes ist, der ihn „bittet“, nun endlich seinen Führerschein abzugeben, oder die Polizisten, die ihn immer noch mit ihren Fahrzeugkontrollen behelligen. Die Geschichten machen den größeren Teil des zweieinhalb Stunden langen Konzertes aus als seine Lieder.

Es sind viele Junge im Publikum, die noch gar nicht geboren waren, als Söllner 1982 sein erstes Album „Endlich eine Arbeit“ veröffentlicht hat. Sonja und Mario Kapperer aus Höchstädt zum Beispiel. Die 28-Jährige und der 26-Jährige sind seit zwei Jahren verheiratet. Sie sind Söllner-Fans, „weil er sagt, was er denkt“, erklärt Sonja Kapperer. „Und das auch noch öffentlich.“ Ihr Mann ergänzt: „Es macht einfach Spaß, ihm zuzuschauen.“ Woher sie Söllner eigentlich kennen? „Von meiner Mutter“, sagt Sonja Kapperer. Die Eltern haben die Leidenschaft weitergegeben. Dabei gefällt der Tochter nicht alles, was ihnen gefällt. „Die Schlager hab ich nicht mitgenommen“, sagt sie.

Im Publikum sind auch Fans, die Söllner schon etwas länger kennen. Der Günzburger Anton Mayer etwa. Der 53-Jährige hat seinen Kindern auch schon das eine oder andere Söllner-Lied vorgespielt. „Mein Sohn ist auch begeistert“, sagt er. Mayer ist mit seinen Kollegen Hans Ertl und Tobias Schwab aus dem Nachbarlandkreis nach Dillingen gefahren. Vor etwa zehn Jahren waren sie schon mal zusammen auf einem Söllner-Konzert. Hans Ertl erklärt, was ihm an seinem Namensvetter gefällt. „Er hat immer diesen Protest gemacht, aber er zeigt auch seine Gefühle.“ Söllner vermittelt eine Botschaft: Sag deine Meinung. Sei authentisch.

Als Söllner sich verabschiedet, dankt er seinem Publikum. „Für die Geduld, die Zeit und das Geld.“ Und er fügt hinzu: „Danke für den Mut, dass ihr euch heute noch auf die Straßen dieser Weltmetropole traut. Ich hoffe, dass ihr die letzte U-Bahn erwischt.“

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