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Verkehr

25.07.2015

So gefährlich ist Tippen am Steuer

Meterlang im „Blindflug“ unterwegs: Der Auto Club Europa warnt in einer Broschüre vor der Handynutzung, während man ein Auto lenkt. Viele ungeklärte Unfälle dürften wohl darauf zurückzuführen sein, sagt auch Polizeihauptkommissar Wolfgang Mayer von der Dillinger Polizei.
Bild: Arno Burgi/dpa

 Wer Auto fährt und sein Handy nutzt, riskiert nicht nur ein Bußgeld und einen Punkt. Im Landkreis Dillingen hat die Zahl der Verstöße kontinuierlich zugenommen

Von Berthold Veh und Martina Bachmann

Dillingen/Nördlingen Auf der Länge eines Tennisplatzes einfach mal nichts mitbekommen: Das passiert, wenn man am Steuer sitzt, 50 Stundenkilometer schnell fährt und etwa zwei Sekunden auf sein Handy schaut. Rund ein halbes Fußballfeld zieht an einem vorbei, ohne dass man es merkt: 80 Stundenkilometer schnell gefahren, den Zwei-Sekunden-Blick aufs Handy riskiert. Circa 60 Meter hinter sich gelassen, ohne sie registriert zu haben: Tempo 100, ebenfalls zwei Sekunden. Der Auto Club Europa, kurz ACE, hat diese Zahlen ausgerechnet.

Florian Baar ist der ACE-Regionalbeauftragte für Bayern. Er und seine Mitstreiter haben in den vergangenen Wochen an verschiedenen Stellen in Nördlingen Autofahrer dahin gehend beobachtet, ob sie mit dem Handy am Ohr am Steuer saßen oder Nachrichten auf dem Smartphone getippt haben. Nur wenige konnten die Ehrenamtlichen des ACE auf einem großen Parkplatz vor einem Supermarkt entdecken. Baar sagt: „Das ist klar, schließlich sucht man da ja gerade einen Stellplatz.“ Ganz anders sah das Ganze dagegen vor einer Bahnschranke aus. Die kurze Zeit, bis der Zug durch war und die Schranke wieder aufging, nutzten viele, um schnell noch etwas via Smartphone loszuwerden. Doch auch das sei verboten, sagt Baar im Gespräch mit unserer Zeitung: „Man muss den Motor ausschalten.“ Erst dann dürfe man sich mit seinem Mobiltelefon beschäftigen.

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In einer Broschüre weist der ACE darauf hin, wie gefährlich das Handy am Steuer ist. Darin wird Psychologie-Professor Dr. Mark Vollrath wie folgt zitiert: „Wir haben die Smartphone-Nutzung für eine Studie mit der Wirkung von Alkohol verglichen. Da sind wir bei vergleichsweisen Alkoholeinwirkungen von 1,1 bis 1,2 Promille.“ Die Zahl der ungeklärten Unfälle sei gestiegen, sagt Baar – er vermutet, dass viele deshalb geschehen sind, weil jemand von seinem Telefon abgelenkt war. Doch wer das sage, verliere im Zweifel seinen Versicherungsschutz – und schweige deshalb lieber. „Die Dunkelziffer dürfte da sehr hoch sein“, vermutet auch Polizeihauptkommissar Wolfgang Mayer von der Dillinger Polizeiinspektion. „Jeder Autofahrer, der am Steuer mit dem Handy telefoniert, ist abgelenkt“, sagt Mayer. Das gelte auch für Freisprechanlagen, obwohl das Telefonieren mit ihnen erlaubt sei. Auch hier sei die Aufmerksamkeit weg vom Verkehr. Der Polizeihauptkommissar geht davon aus, dass viele Auffahrunfälle auf das Hantieren mit dem Handy zurückzuführen seien.

Das Handy am Ohr, in der Hand mit Lautsprecher, Nachrichten tippen oder lesen – all das ist beim Fahren verboten und wird mit einem Bußgeldsatz von 60 Euro und einem Punkt in Flensburg geahndet (siehe Info-Kasten). 340 sogenannte Handyverstöße hat die Polizeiinspektion Dillingen im vergangenen Jahr im Landkreis Dillingen festgestellt, informiert Mayer. Und im ersten Halbjahr 2015 wurde bereits 180 Mal ein Bußgeld fällig. Die Zahl der Ordnungswidrigkeiten sei kontinuierlich gestiegen. 2012 hatte die Polizei nur 240 Autofahrer mit dem Handy am Steuer erwischt. „Für uns ist das kein Randthema“, betont der Polizeisprecher. Die Beamten kontrollieren weiter „schwerpunktmäßig“, ob Autofahrer mit dem Smartphone hantieren, teilt Mayer mit. „Das ist hochgefährlich.“

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