1. Startseite
  2. Lokales (Dillingen)
  3. So herrlich schön kann der Advent in Lauingen klingen

Lauingen

09.12.2019

So herrlich schön kann der Advent in Lauingen klingen

In der Augustinerkirche stimmte das Nördlinger Bachtrompetenensemble auf Weihnachten ein. Von links: Ralf Baumann, Paul Lechner, Rainer Hauf, Armin Schneider und Tom Lier.
Bild: Gernot Walter

Das Nördlinger Bachtrompetenensemble triumphiert in der Augustinerkirche in Lauingen. Die Zuschauer sind begeistert.

Zwölf Jahre festliche Musik am Spätnachmittag des ersten Advents begründen eine lieb gewonnene Tradition, die dem Nördlinger Bachtrompetenensemble zu danken ist. Die Besucher in der voll besetzten Augustinerkirche können sich nicht satt hören an der exorbitanten Trompetenvirtuosität, der untermalenden Pauken- und Trommelbegleitung und dem souveränen Spiel an der kleinen Truhenorgel im Altarraum und der dreimanualigen großen Schwester auf der Empore.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

Dieser Inhalt ist älter als 30 Tage und steht daher nur Abonnenten mit einem Plus+ Abo zur Verfügung.
Jetzt ab 0,99 € testen

Mal besinnliche Musik, mal laute Töne

Es werden Herz und Gemüt der Zuhörer angesprochen, die sich fallen lassen können in den Reichtum überwältigender Klänge, einem Abglanz der weihnachtlichen Herrlichkeit, den Hermann Müller in seiner Begrüßung den Akteuren attestierte. In der prächtigen Akustik der Kirche entfaltete sich die Ton-Majestät der jubilierenden Trompeten (Paul Lechner, Rainer Hauf, Armin Schneider), gelang die harmonische Einbettung durch die Königin der Instrumente (Ralf Baumann) und herrschte die Urgewalt des Rhythmus vor. Mit Tom Lier agierte ein ausgezeichneter Schlagzeuger, der seine Vielseitigkeit sowohl als Paukist, aber auch als veritabler Komponist bewies. In seiner dreisätzigen „Kleinen Suite“, vor fünf Jahren entstanden, werden im Marsch mit punktierten fanfarenartigen Melodien und passendem Schlagwerk Renaissance-Erinnerungen geweckt, im langsamen Satz kolorierten Orgelakkorde mit absteigendem Pedal das besinnliche Trompetentrio und im prächtigen Entree ergänzten und unterbrachen Schlagwerkeinwürfe die fließenden Linien der Trompeten, von Flügelhorn und Corno da Caccia.

Wie sehr sich Tom Lier in die Renaissance-Suite von Giles Farnaby hineinfinden konnte, erhellte seine differenzierte Herangehensweise. Die schnellen Tanzsätze erhielten eine farbige Präsenz, von den Trompeten in polyphoner Eleganz dominiert. In der Filmmusik „Wie im Himmel“ von Stefan Nilsson erzielte Tom Lier als Tenor eine ergreifende vokale Darstellung im schwedischen Originaltext, während die Trompeten mit der Orgel das Stück zu einem bewegenden Gesamtkunstwerk erhoben.

So herrlich schön kann der Advent in Lauingen klingen

Mit Posaunen und Orgelklängen

Wieder einmal war die immense musikalische Höhe und Reife des Bachtrompetenensembles zu bewundern. Nicht nur das perfekte Zusammenspiel war zu rühmen, sondern auch die technische Brillanz auf den Instrumenten. Mühelos rundeten sich die Legatobögen, blitzsauber waren Ansatz und Tongebung. Das kam den drei Sätzen aus der ersten Kantate des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach zugute und der Ouvertüre zur Zauberflöte von Wolfgang Amadeus Mozart. Lechner hat diese trefflich für das Ensemble arrangiert. Mit Gespür charakterisiert er die feierlichen Posaunenrufe und das Hämmern und Klopfen des Fugatothemas. Eine Meisterleistung voll eindringlicher markanter Ausstattung, starken Paukeneinsatzes und bestimmender Orchestrierung durch die Kirchenorgel. Baumann sorgte durch geschicktes Registrieren für stilechte Klangfarben.

Wechsel zwischen Solo und Orchester

Ihm glückten dank seiner überlegenen Technik einprägsame und einfühlsame Grundierungen, feine Zwischenspiele und eindrucksvolle Tutti. Seine Solo-Auftritte verstärkten diesen Eindruck. Mit dem „Grand Choeur“, einem Orgelnachspiel zur Weihnachtszeit reizte Baumann durch wuchtige Akkorde sowie ruhige pastorale Passagen das Geschehen nachdrücklich aus. Im Concerto B-Dur von Johann Gottfried Walther verstand es der Organist, den Wechsel zwischen Solostellen und Orchestertutti stringent herauszuarbeiten. Seine souveräne Darstellung ließ zwei delikate leichtfüßige Adagios und bewegte Allegros entstehen. An der Truhenorgel zeigte Baumann ein feines Beispiel des „galanten Stils“ („Une vierge pucelle“). Er gestaltete zusammen mit den Trompeten „Maria durch den Dornwald ging“, die in ansprechender Dreistimmigkeit das schlichte Adventslied erklingen ließen.

Musiktheater mit dem „Te Deum“ von Marc-Antoine Charpentier, mit dem alle Mitwirkenden einen triumphalen Schlusspunkt setzten. Begeisterte Zustimmung eines beeindruckten Publikums und mit „Dona nobis pacem“ und dem „Halleluja“ von Leonard Cohen zwei bemerkenswerte Zugaben.

Lesen Sie auch:

Er hat ein Musikvideo in Hollywood produziert

Hmm, lecker! Lust auf eine „heiße Oma“?

Die neue Saison im Lauinger Stadeltheater beginnt


Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren