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Höchstädt/Wertingen

16.06.2020

So schwer ist Jugendarbeit in Corona-Zeiten

Das Bild ist im Höchstädter Treff 58 entstanden. Aufgrund der Corona-Pandemie mussten die Räumlichkeiten umgestaltet werden. So dürfen die jungen Leute beispielsweise nur mit Abstand gemeinsam auf dem Sofa abhängen.
Bild: Grätsch/SoViKo

Plus Drei Monate waren die Einrichtungen geschlossen. Endlich sind die Treffs im Landkreis Dillingen wieder für junge Leute offen. Aber es gibt viele neue Regeln und zusätzliche Hürden.

Die Vorbereitungen sind auf Hochtouren gelaufen. Die Höchstädter Mädchen und Buben haben fleißig gebastelt und Ideen gesammelt. Der Jugendtreff 58 wollte sich auch in diesem Jahr auf dem Maimarkt mit einem Stand beteiligen. Abgesagt. Und auch mit dem Schloss Höchstädt war wieder ein gemeinsames Projekt geplant. Abgesagt. Kicker-Turnier? Halloween-Schminken? Gemeinsame Koch-Nachmittage? Unsicher. Zumindest Stand jetzt. Seit Ausbruch der Corona-Pandemie hat sich die Jugendarbeit verändert – nicht nur in Höchstädt.

Alle Einrichtungen im Landkreis Dillingen waren von dem Lockdown betroffen und sind es noch heute, wie Matthias Grätsch diese Woche im Höchstädter Stadtentwicklungsausschuss erklärt. „Wir hatten volle drei Monate geschlossen. Wir fangen bestimmt nicht ganz bei null an, aber annähernd“, sagt er. Grätsch ist Geschäftsführer bei SoViKo, unter anderem zuständig für den Höchstädter Treff 58 und das Dillinger Jugendcafé. „Wir haben während der Schließung versucht, über Whatsapp und Online-Angebote die Jugendlichen bei der Stange zu halten. Und jetzt müssen wir sie wieder zu uns holen“, erklärt er weiter. Aber vor allem Letzteres sei eine Herausforderung.

Pfeile am Boden und Markierungen auf dem Sofa

Denn die Einrichtungen haben sich verändert. Aufgrund der Corona-Pandemie und der vorgeschriebenen Hygiene- und Abstandsregelungen mussten Grätsch und sein Team die Räume umgestalten. Im Höchstädter Treff 58 beispielsweise gibt es auf dem blauen Sofa jetzt abgesperrte Plätze, überall steht Desinfektionsmittel, und Pfeile am Boden sollen zur Orientierung dienen. Die größte Herausforderung für die Einrichtungen ist aber die nun anstehende Bürokratie. Grätsch: „Konnten die Jugendlichen bislang einfach zu uns kommen, so müssen wir Minderjährige erst wieder nach Hause schicken.“

Denn um mögliche Ansteckungsketten nachvollziehen zu können, müssen die Jugendtreff-Verantwortlichen Namen und Daten der Teenies aufschreiben. Und sobald personenbezogene Daten erhoben werden, braucht es bei unter 18-Jährigen die Zustimmung der Erziehungsberechtigten. Eine weitere Hürde für junge Menschen. Trotzdem, und das betont Matthias Grätsch immer wieder: Alle sind froh, dass die Jugendtreffs wieder auf sind. „Wir sehen auch Chancen mit den Veränderungen. Vor allem sind wir sicher, dass die Jugendlichen diesen Zulauf mehr denn je brauchen. In drei Monaten hat sich vieles aufgestaut, es gibt Themen ohne Ende“, so Grätsch weiter.

Jugendliche haben Gesprächsstoff

Die Jugendcafés würden endlich wieder eine Kommunikationslücke schließen. Auch Aktionen, Ideen und gemeinsame Projekte sind in Corona-Zeiten nicht ausgeschlossen, ganz im Gegenteil. Man wolle dort anknüpfen, wo man aufgehört habe. Wenn möglich, wolle das SoViKo-Team auch wieder an den Schulen aktiv werben. Matthias Grätsch ist überzeugt, dass der Sommer in den Jugendtreffs voll genutzt werden könne: „Dabei steht aber natürlich die Gesundheit an oberster Stelle. Deshalb halten wir uns strikt an alle Vorgaben.“

In das Wertinger Juze dürfen 18 Jugendliche hinein, mehr nicht. Seit vergangener Woche hat der beliebte Treffpunkt nahe dem Schloss wieder geöffnet, dreimal die Woche, mit etwas verlängerten Öffnungszeiten, dienstags, mittwochs und freitags von 13 bis 20 Uhr. Juze-Leiter Tobias Kolb sagt: „Wegschicken mussten wir noch keinen, aber wir waren am Limit.“ Nach der langen Auszeit haben die Jugendlichen der Zusamstadt wieder Lust auf gemeinsames Billard, Zocken und Kochen.


Bild: Grätsch/SoViKo

Das geht mehr oder weniger problemlos, sagt Kolb, denn die Jugendlichen hielten sich sehr gut an die Hygieneregeln. Wer im Haus herumläuft, muss eine Maske tragen – wer an einem festen Platz sitzt, darf sie abnehmen. Beim Betreten des Juzes müssen die Hände gründlich gewaschen und desinfiziert werden. Außerdem müssen sich die Besucher in eine Liste eintragen – schriftliche Einverständniserklärungen der Eltern sind in Wertingen nicht notwendig.

Sitze abgeklebt werden in Wertingen auch nicht – die Juze-Leitung hat allerdings die Anzahl der Sitzgelegenheiten reduziert, sodass die Mindestabstände eingehalten werden können. Insgesamt gebe es keine Probleme, die Stimmung sei gut, trotz mancher Umstände – etwa sei das gemeinsame Kochen doch komplizierter geworden, sagt Kolb.

Sicherheitsabstände auch im Juze einhalten

Er glaubt, dass der Andrang in den kommenden Tagen und Wochen noch deutlich zulegen wird, nachdem es sich herumgesprochen hat, dass das Juze wieder geöffnet habe. In den vergangenen Monaten hätten er und seine Kollegin Julia Däubler mit den Jugendlichen regen Kontakt gehalten. „So war es ein bisschen so, als wären wir nie weg gewesen“, sagt Kolb.

So diszipliniert sich die Jugendlichen in der Schule und dem Juze an die Sicherheitsabstände und Regeln hielten, glaubt Kolb nicht, dass dies außerhalb der Institutionen noch genauso sei. „Für die jungen Leute ist eigentlich die Normalität zurückgekehrt“, so schätzt er es ein. Einem Händedruck oder einer Umarmung unter Freunden sei kaum jemand unter den Jugendlichen noch abgeneigt, glaubt Kolb. Die Corona-Krise und die damit einhergehenden strikten Verhaltensregeln hätten vielen etwas gegeben, wogegen sie "ein bisschen rebellieren" konnten, vermutet er. "

Lesen Sie den Kommentar unseres Redakteurs: Solidarität auch mit den Jugendlichen

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