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Tipps in der Krise

07.05.2020

So sieht auch jetzt ein sinnvoller Einkauf aus

Was nehme ich heute alles aus dem Supermarkt mit? Diese Frage stellen sich derzeit viele. Mit einer pfiffigen Planung kann ein Vorrat angelegt werden – ohne zu hamstern.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Cornelia Stadelmayr vom Amt für Ernährung und Landwirtschaft erklärt, wie ein Wochenplan aussehen kann - und was der Unterschied zwischen Vorratseinkauf und Hamstern ist.

Hirse, Linsen, Hefe – alles weg. Diejenigen, die nicht gehamstert hatten, schauten in die Röhre. Die Ausnahmesituation der Corona-Krise hat viele Deutsche auf fast schon groteske Art veranlasst, verschiedenste Dinge – allen voran natürlich Klopapier – zu horten. Aus Angst neigen Menschen dazu, sich vorsorglich mit allen möglichen Dingen einzudecken, um Versorgungsengpässe zu vermeiden – und erzeugen damit erst Versorgungsengpässe. Doch wie kann man vermeiden, selbst zum Hamsterkäufer zu werden und trotzdem gut auf alle erdenklichen Eventualitäten vorbereitet zu sein? Wir haben Dr. Cornelia Stadlmayr vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Wertingen dazu befragt. Sie ist dort für den Fachbereich Ernährung zuständig.

Unterschied zwischen Hamstern und Vorratseinkauf

Abhilfe schafft der „Vorratseinkauf“. Der Vorratseinkauf ist eine sinnvolle Planung von Lebensmitteln und Verbrauchsgegenständen, die den Eigenbedarf für einen begrenzten Zeitraum vernünftig abdecken. Zum Hamstern wird der Vorratskauf erst, wenn die gekauften Produkte nicht mehr verbrauchbar sind und im Müll landen oder erst gar keinen Platz mehr in der Speisekammer finden.

Für einen optimalen Einkauf lohnt es sich, gemeinsam mit der Familie einen Speiseplan für eine Woche anzulegen. Im Idealfall kann von einmal einkaufen siebenmal gekocht werden.

Am Anfang der Woche können die frischen Sachen zubereitet werden, zum Beispiel Fisch oder Spargel. Dann die Lebensmittel, die länger haltbar sind, beispielsweise Kartoffeln oder Nudeln.

Außerdem hilft es, die Vorratskammer gut zu organisieren: Die Dinge, die ein baldiges Verfallsdatum haben, nach vorne zu stellen und die anderen nach hinten. Das reduziert auch die Lebensmittelverschwendung. Vor dem Einkauf lohnt es sich, noch einmal einen Blick in die aufgeräumte Vorratskammer zu werfen und eine Einkaufsliste zu schreiben, um unnötige Produkte zu vermeiden.

Dr. Cornelia Stadlmayr

„Die Nachbarn einer meiner Kolleginnen sind positiv auf Corona getestet worden“, erzählt Cornelia Stadlmayr vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, „sie haben das inzwischen zum Glück glimpflich überstanden, aber insgesamt haben sie doch fünf Wochen in Quarantäne verbracht. Es muss ja auch die Zeit mit eingerechnet werden, die es gedauert hat, bis man sich testen lassen kann. Wenn niemand den Einkauf übernehmen kann, dann muss man von dem leben, was man im Haus hat. Das sind dann vor allem Dosen, Tiefkühlware, Zwieback, Haferflocken und Reis.“

Deshalb wundert es die Expertin auch, wie wenig Leute bei ihrem Einkauf auf Dosennahrung zurückgreifen. Sie selbst nehme immer bei jeder Gelegenheit Dosen mit nach Hause. Immerhin ist heutzutage sehr viel Nahrung in Dosen und Gläsern erhältlich. Von Gemüse und Bohnen über Obst bis hin zum Thunfisch. Dosennahrung gehört nicht ohne Grund zur Ernährungsnotfallversorgung, und Lebensmittel aus Dosen halten dazu länger als frische Nahrungsmittel wie Kartoffeln, Zwiebeln und Eisbergsalat.

Wasserknappheit könnte ein großes Problem werden

Allerdings sieht Cornelia Stadlmayr das größte Problem nicht in der Beschaffung von Nahrungsmitteln, immerhin gibt es in der heutigen Zeit genügend andere Möglichkeiten, als selber einzukaufen. Lieferservices und viele Restaurants bieten an, Essen und Getränke nach Hause zu bringen. „Der Knackpunkt ist vielmehr: Ein Haushalt mit vier erwachsenen Personen verbraucht im Schnitt etwa 112 Liter Wasser in zwei Wochen. Noch ist das kein Problem, weil man ja auch Leitungswasser trinken kann“, erklärt die Expertin, „aber was, wenn in Wasseraufbereitungsanlagen Personalknappheit herrscht oder dort ein Corona-Fall auftritt und die Mitarbeiter in Quarantäne müssen? Dann wird es wirklich schwierig. Zum Glück ist das momentan nicht der Fall.“

Allgemein vermutet Cornelia Stadlmayr, dass die Folgen des Corona-Virus längere Zeit spürbar sein werden. Irgendwann werde es vielleicht einen Bananen-Engpass im Supermarkt geben, weil die Lage in anderen Ländern schwierig ist und diese nicht mehr anbauen, ernten oder ausliefern können.

Wie viele Lebensmittel Menschen in zwei Wochen benötigen

Um sich besser vorstellen zu können, wie viele Lebensmittel Menschen in einem Zeitraum von zwei Wochen benötigen, hat Cornelia Stadlmayr den Lebensmittelbedarf eines vierköpfigen Erwachsenenhaushalts ausgerechnet. Dabei geht sie davon aus, dass jede Person etwa 2200 Kalorien am Tag zu sich nimmt. Vier Personen brauchen in zwei Wochen also 20 Kilogramm Getreideprodukte, Brot und Kartoffeln, 22 Kilogramm Gemüse, 14 Kilogramm Obst, 112 Liter Getränke und ein Kilogramm Kaffeepulver. Außerdem 15 Kilogramm Milchprodukte, davon zwölf Liter H-Milch und drei Kilogramm Hartkäse. Dann kommen noch acht Kilogramm Fisch, Fleisch und 40 Eier hinzu.

Wer selber für sich und seinen Haushalt diese Rechnung durchführen möchte, kann das mit dem Vorratskalkulator auf www.ernaehrungsvorsorge.de tun.

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