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Wittislingen

09.08.2020

So waren die ersten hundert Tage für Thomas Reicherzer

Seit 100 Tagen ist Thomas Reicherzer (SPD) nun im Amt. In Wittislingen, sagt er, konnten schon einige Dinge vorangetrieben werden.
Bild: Jonathan Mayer

Plus In seinem Büro im Rathaus in Wittislingen hat er sich eingelebt. Mittlerweile weiß er, warum man als Bürgermeister auch zu Hause auf alles gefasst sein sollte.

Herr Reicherzer, Ihr Start als Bürgermeister war etwas holprig. Die Wahl war knapp, Sie erfahren aber auch viel Zuspruch als einer der jüngsten Bürgermeister Deutschlands. Wie war die Zeit für Sie?

Reicherzer: Das war wahnsinnig spannend. Sowohl die Wahl als auch die Zeit bis zum Amtsantritt. Es gab viel vorzubereiten, sowohl privat mit dem Umzug als auch auf das Amt. Und genauso ist es jetzt die ersten 100 Tage im Amt. Die Arbeit ist extrem abwechslungsreich und macht viel Spaß.

Wie haben Sie sich denn eingelebt im neuen Büro mit neuem Job?

Reicherzer: (lacht) Das Büro ist auch nach 100 Tagen noch unverändert, nur auf dem Schreibtisch liegt deutlich mehr rum. Abseits davon habe ich mich gut eingelebt. Als Neubürger werde ich sehr gut aufgenommen. Es ist aber natürlich schade, dass zurzeit keine Veranstaltungen stattfinden, bei denen man noch mehr Menschen kennenlernt. Aber ich führe auch jetzt, wenn ich im Ort unterwegs bin, sehr freundliche Gespräche mit den Leuten. Und ich habe einen super Kollegenkreis, der es mir so einfach wie möglich macht. Das ist eigentlich die größte Freude bisher.

Haben Sie sich schon in die vielen Themen, die in Wittislingen anstehen, einarbeiten können?

Reicherzer: Ich bin noch dabei. Die Einarbeitung ist so umfangreich, dass man auch nach 100 Tagen noch nicht in jedem Thema drin sein kann. Das passiert eher mal zwischendrin oder abends zu Hause. Aber es läuft, es dauert nur entsprechend. Ich denke, das wird allen Bürgermeistern so gehen.

Sie haben es schon angedeutet: Sie sind nach Wittislingen gezogen. Kann man da nach Feierabend überhaupt noch abschalten?

Reicherzer: Es ist mit Sicherheit schwieriger, als wenn man woanders wohnt. Aber ich finde, dass jeder Bürger ein berechtigtes Interesse hat, dass der Bürgermeister am Ort und ansprechbar ist. Es ist sogar schon vorgekommen, dass jemand abends unangekündigt geklingelt hat. Aber es gelingt mir ganz gut, auch Zeit für mich zu haben. Ich hatte auch noch keine schlaflose Nacht deswegen. Und ich fühle mich wohl in Wittislingen. Es war eine gute Entscheidung, herzuziehen.

Wie reagiert man da, wenn plötzlich ein Bürger dasteht und klingelt?

Reicherzer: Zuerst schaut man, was man anhat und ob man so die Tür öffnen kann (lacht). Und dann reagiert man ganz normal und freundlich. Das ist Teil des Jobs. Und man weiß ja, dass man dieses Amt nicht nur zu seinen Bürozeiten innehat, sondern auch abends und nachts. Und wenn dann jemand kommt und ein Anliegen hat, dann ist das völlig in Ordnung. Es ist wichtig, dass man als Bürgermeister erreichbar ist.

Wenn Sie auf die 100 Tage im Amt zurückschauen. Was haben Sie denn schon erreicht?

Reicherzer: Wir haben schon einige Dinge vorangetrieben. Besonders freut mich, dass wir in der letzten VG-Sitzung die Beschaffung von 24 iPads mit Vollförderung für die Schule beschließen konnten. Die Digitalisierung war ja schon vor der Wahl Thema. Und dann wäre da noch der neue Edeka. Es ist also schon was passiert in den 100 Tagen. Und ich bin zuversichtlich, dass da in den nächsten Jahren noch einiges mehr kommt. Für eine erste Bilanz ist es aktuell aber zu früh.

Welche Projekte stehen in nächster Zeit für Wittislingen an?

Reicherzer: Die neue Edeka-Filiale ist aktuell das beherrschende Thema. Da wir noch keinen Haushalt haben, ist die Frage schwer zu beantworten. Solange schweben wir in der Luft. Darum bin ich froh, dass wir einen neuen Kämmerer haben, der sich einarbeitet.

Sie haben den Edeka schon angesprochen: Vor kurzem war ein Leserbrief dazu in der Zeitung, in dem auch Sie angegriffen wurden …

Reicherzer: Ich finde das schade. Vor allem, weil manches, das da stand, so nicht stimmt. Es gab keinen verbindlichen Zeitplan für die neue Filiale. Und natürlich ist es in unserem Interesse, dass dieser Edeka schnell kommt. Den alten Edeka zu schließen, war eine unternehmerische Entscheidung, das kommt nicht von der Gemeinde. Wir zwingen ja niemanden, sein Geschäft zu schließen. Aber ich denke, dass sich dieses Thema bald beruhigt. Im Gemeinderat ist der Bau ja beschlossen worden. Georg Keim hat diesen Ort 25 Jahre lang versorgt. Das prägt und bleibt stehen, auch wenn es am Schluss diese Differenzen gab.

Das Coronavirus hat die Welt noch immer in der Mangel. Ihr Start im Rathaus war entsprechend ungewöhnlich. Wie haben Sie die Zeit erlebt? Und wie geht es der Gemeinde damit?

Reicherzer: Es trifft alle gleichermaßen. Jede Kommune, aber auch persönlich. Für mich hat es die Vorbereitung nicht einfacher gemacht, weil viele Gespräche, Schulungen und Seminare nicht stattfinden konnten. Aber jeder hat damit zu kämpfen. Auch die Kommunen. Und die Folgen sind heute noch gar nicht ganz absehbar, weil man auch gar nicht weiß, ob eine zweite Welle kommt und wie heftig sie wird.

Haben Sie Angst vor einer zweiten Welle?

Reicherzer: Wenn man sich die täglichen Zahlen anschaut, geht es schon in die Richtung. Übertriebene Angst vor einer Ansteckung habe ich persönlich nicht. Aber es kann natürlich noch einmal negative Folgen für die Gemeinde haben. Deswegen sollten wir das alle ernst nehmen.

Im Gemeinderat ist Ihre Partei, die SPD, mit drei Sitzen bei Weitem nicht die stärkste Fraktion. Wie läuft die Zusammenarbeit aus Ihrer Sicht?

Reicherzer: Ich habe den Eindruck, dass die Parteizugehörigkeit im Gemeinderat keine Rolle spielt. Alle, auch die neuen Räte, sind motiviert und wir gehen das Ganze sehr konstruktiv an. Klar gibt’s mal Kritik, auch aus dem eigenen Lager. Das gehört dazu. Alle sind daran interessiert, den Ort gemeinsam voranzubringen. Von dem her finde ich die Arbeit im Gemeinderat sehr positiv.

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