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16.06.2018

So wirkt sich der Bauboom auf die Region aus

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Die Baubranche boomt: Die Auftragsbücher sind voll, Firmen sind zum Teil über Monate ausgelastet.
Bild: Britta Pedersen, dpa (Symbol)

Firmen sind ausgelastet wie selten. Dazu kommen Faktoren wie Fachkräftemangel. Die Situation lässt so manche Baustelle still stehen – und die Kosten steigen.

Eigentlich müssten hier die Bagger schon rollen. Auf dem Plakat steht: Baubeginn Frühjahr 2018. Das ist nun, kurz vor dem kalendarischen Sommeranfang am 21. Juni, eigentlich längst vorbei. Trotzdem ist auf dem Gebiet des ehemaligen „Schandflecks“ in Haunsheim bislang weit und breit kein Bauarbeiter zu sehen. Stattdessen wächst auf dem Platz das Unkraut zum Teil hüfthoch. Warum laufen hier noch keine Arbeiten für das Projekt „Wohnen am Zwergbach“? Laut Investor Armin Römer sind 40 Prozent der Wohnungen bereits verkauft.

Zunächst müsste das Gebiet erschlossen werden. Leitungen für Wasser, Strom, Gas, dazu eine Straße. Die Gemeinde hat diese Leistungen ausgeschrieben. Nur: Es kam kein Angebot zurück. „Keine einzige Firma hat ein Angebot abgegeben“, sagt Bürgermeister Christoph Mettel. Ein Fall, der beispielhaft für die momentane Situation in der Baubranche steht. Die Auftragsbücher sind voll, Baufirmen sind stark ausgelastet. Das merken Kommunen, wie im Fall von Haunsheim, aber auch Privatleute. Wer einen Handwerker bestellt, muss nicht selten lange warten. „Die derzeitige Situation ist überlagert von mehreren Faktoren“, sagt Alban Faußner, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Nordschwaben. Da ist zum einen die Konjunktur. „Die Auftragslage ist momentan sehr gut“, sagt Faußner. Firmen sind über Monate hinweg ausgelastet. Dafür gibt es einige Gründe. Der niedrige Zins beispielsweise. Oder ein Renovierungsstau, der laut Faußner abgearbeitet werden muss.

In die momentane Lage spielt auch der demografische Wandel hinein. Betriebe in der Region bekommen den Fachkräftemangel immer mehr zu spüren. „Viele Firmen wollen mehr Personal einstellen, so viele Fachkräfte sind aber nicht auf dem Markt.“

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Mehr Personal wäre für die Dillinger Baufirma Feistle sowieso keine Option, sagt Geschäftsführer Michael Feistle. Zusätzliche Mitarbeiter würden auch zusätzliche Anforderungen in der Organisation mit sich bringen. So versucht die Firma, unter anderem für Asphalt- und Pflasterbau, mit dem vorhandenen Personal die Nachfrage zu stillen. „Viel zu tun gibt es immer“, sagt Feistle. „Aber 2018 ist schon sehr außergewöhnlich.“ Sein Jahr sei eigentlich schon durchgeplant. Was die großen Vorhaben angeht, ist der Kalender bis November voll. Ein Umstand, der für einen Geschäftsmann zum einen von Vorteil ist. „Andererseits ist es schlecht, weil wir für manche attraktive Projekte gar kein Angebot abgeben können.“ Das beobachtet auch Alban Faußner von der Kreishandwerkerschaft. „So manche Firma hat nicht einmal mehr die Kapazitäten, um ein Angebot überhaupt erst zu erstellen“, sagt er. Ein Faktor für Feistle ist auch, dass immer mehr Bauvorhaben kurzfristig geplant sind. Es sei mitunter schwer, darauf zu reagieren. „Früher haben Bauherren Projekte längerfristig gedacht.“

Die Marktgesetze von Angebot und Nachfrage führen dazu, dass die Baupreise steigen. Das hat unter anderem die Gemeinde Syrgenstein zu spüren bekommen. Diese hat die Erschließung des Baugebietes „Hofäcker III“ ausgeschrieben. „Früher wären dafür zehn bis zwölf Angebote gekommen“, sagt Bürgermeister Bernd Steiner. In diesem Fall waren es lediglich zwei, die noch dazu teurer waren als erwartet. Laut Steiner musste die Gemeinde am Ende acht Prozent mehr zahlen als ursprünglich geschätzt. Für Kommunen sei die Situation derzeit schwierig, schildert er. Man müsse überlegen, ob der Haushalt gewisse Projekte noch hergibt – oder ob man Vorhaben verschiebt oder gar komplett darauf verzichten muss.

In Haunsheim haben die beiden Investoren Armin Römer und Reiner Halbeck, zwei Unternehmer aus Lauingen, ihr Projekt nochmals selbst ausgeschrieben. Zusätzlich haben sie Firmen direkt angeschrieben. Das Ergebnis: Nun sind einige Angebote da. Zwar seien die Preise ebenfalls höher als erwartet, berichtet Römer. „Aber das muss man akzeptieren.“

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