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Landkreis Dillingen

19.10.2019

So wollen Händler im Landkreis Dillingen Plastik einsparen

Bei „Vom Fass“ in Dillingen gibt es Geschenkkörbe aus Holz oder Pappe, dazu eine Schleife aus Naturbast. Plastikverpackungen, wie sie links hinten zu sehen sind, bietet Ladenbetreiber Marco Rehm nur noch auf Nachfrage an – und nur noch solange, bis seine Folie aufgebraucht ist.
Bild: Andreas Schopf

Plus Im Einzelhandel gibt es immer mehr Alternativen zu Kunststoff. Viele Kunden nehmen diese gerne an. So mancher möchte sich aber nicht von alten Gewohnheiten trennen.

Roswitha Stöpfel bemerkt einen Trend. Seit etwa ein bis zwei Jahren bringen immer mehr ihrer Kunden eine wiederverwendbare Tasche zum Einkaufen mit. „Mittlerweile sind das bei mir 95 Prozent“, sagt die Betreiberin von „Landeinkauf“ in Gundelfingen, einem Anbieter von regionalen Produkten, wie zum Beispiel Backwaren, Gewürzen, Soßen oder Fruchtaufstrichen.

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Plastiktüten sind zunehmend out

Stöpfel sieht einen Zusammenhang zwischen dem verstärkten Aufkommen von ökologischen Denkweisen sowie der medialen Präsenz des Themas Umweltschutz in den vergangenen Jahren und der Tatsache, dass ihre Kunden nun noch mehr auf einen nachhaltigen Transport ihrer Waren achten. Plastiktüten hat es in Stöpfels Laden ohnehin nie gegeben. Sie setzt auf biologisch abbaubare Tüten aus Pflanzenstoff. „Die sind bei meinen Kunden immer schon gut angekommen“, sagt Stöpfel. Jetzt muss sie diese Taschen nach ihrer Aussage nur noch selten ausgeben – die meisten haben mittlerweile eine eigene, mehrfach verwendbare, dabei.

In Zeiten von vermüllten Meeren und Klimademos sind Plastiktüten und -verpackungen zunehmend out. Diesen Aspekt hat Marco Rehm schon länger im Auge. Er betreibt in der Dillinger Kapuzinerstraße das Geschäft „Vom Fass“, in dem es erlesene Weine, Liköre, Spirituosen, aber auch Essig und Öl gibt. Für das Familienunternehmen „Vom Fass“ sei Nachhaltigkeit seit der Gründung 1994 Grundlage der Geschäftsidee. Kunden können dort individuelle Mengen in wiederverwendbare Gefäße direkt vom Fass abfüllen, erklärt Franchisepartner Rehm. „Wir können uns somit zurecht als Pioniere der Zero-Waste-Bewegung (Null-Müll) bezeichnen“, sagt der Dillinger.

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Rehm bietet inzwischen die bei ihm gekauften Geschenke ohne Folienverpackung an. „Wir haben Holzkisten und Geschenkkörbe aus Pappe, und statt der Folie verwenden wir lieber eine Schleife aus Naturbast“, erläutert er. Es gebe einige wenige Kunden, die trotzdem ihr Geschenk in Folie verpackt haben wollen. Diesen Wunsch werde er so lange erfüllen, bis die Reste an Folie aufgebraucht seien. Rehm sagt: „95 Prozent unserer Kunden finden das gut, dass wir bei den Geschenken ohne Verpackungsmüll auskommen.“

Auch in den Supermärkten tut sich etwas

Auch die großen Supermärkte versuchen mittlerweile, vermehrt auf Plastik zu verzichten. Ein Beispiel: Mitunter sind Salatgurken nicht mehr in eine Folie eingeschweißt, sondern werden in ihrer natürlichen Form verkauft. Auch sonst gibt es langsam ein Umdenken in Supermärkten. Im Edeka in Gundelfingen beispielsweise können Kunden seit einigen Wochen Waren von der Bedientheke in einer selbst mitgebrachten Box verstauen, teilt Marktleiter Kevin Fitz mit. „So richtig angenommen wird das Angebot aber noch nicht“, sagt er. Erfahrungsgemäß dauere es etwas, bis sich Kunden an so etwas gewöhnen, so Fitz.

In seiner Obst- und Gemüseabteilung stehen zudem keine herkömmlichen Plastik-, sondern Recyclingtüten aus nachwachsenden Rohstoffen bereit. In vielen anderen Bereichen des Marktes könne man (bislang) jedoch nicht auf Plastikverpackungen verzichten. „Da sind mir die Hände gebunden“, sagt Fitz.

Eine Gebühr für Plastiktüten gefällt nicht jedem

Dass sich Kunden zum Teil noch nicht von den altgewohnten Kunststofftüten trennen wollen, zeigt ein Beispiel aus Dillingen. „Wir haben versucht, von diesen Tüten wegzukommen“, sagt Julia Hank von der Bücherei Brenner. Dort erhob man – wie mittlerweile vielerorts üblich – eine Gebühr darauf. Doch die Kunden waren damit zum Teil nicht einverstanden. „Die Beschwerden haben sich gehäuft“, sagt Hank. Um die Kunden nicht zu verlieren, stellte die Bücherei die Plastiktüten-Gebühr nach einem halben Jahr wieder ein. So ist die Kunststofftasche dort mittlerweile wieder umsonst zu haben. Nach ihr würden laut Hank vor allem die älteren Kunden verlangen. Jüngere nehmen im Vergleich öfters wiederverwendbare Taschen mit, so die Buchhändlerin. Angesichts eines geplanten Gesetzes, das Plastiktüten bald komplett verbieten will, macht man sich in der Dillinger Bücherei, und nicht nur dort, Gedanken über mögliche Alternativen.

Tüten aus Papier als Alternative

In der Wertinger Buchhandlung Gerblinger gibt es schon eine Alternative: Dort gibt es Tüten aus Papier. Neu ist auch, dass ausgewählte Bücher ohne Schutzfolie verkauft werden. Taschenbücher gibt es schon immer ohne Folie, weiß Buchhändler Franz Gerblinger. Inzwischen haben aber vereinzelte Verlage auch gebundene Bücher ohne Plastikschutzfolie auf den Markt gebracht. Statt der unnötigen Verpackung werden die Bücher nur mit einem Klebesiegel verschlossen. Aus Händlersicht sei es zwar gut, dass Plastik vermieden werde, aber so bestehe auch eine größere Gefahr, dass die Bücher beschädigt oder verschmutzt werden, gibt Gerblinger zu bedenken. Bei den Schreibwaren ist auch ein Umdenken erkennbar. Zum Schulanfang war die Nachfrage nach Schnellheftern und Heftumschlägen aus Papier unerwartet groß, erinnert sich Gerblinger. Grund dafür war, dass verschiedene Wertinger Schulen ein Plastikverbot erteilten.

Der Wertinger Bioladen „Natur Pur“ vermeidet seit einigen Monaten noch stärker Plastikmüll als bisher. Statt die offenen Käsesorten mit Frischhaltefolie einzuwickeln, werden sie unter Glasglocken gepackt. Damit werde nicht nur Plastik eingespart, sondern der Käse halte sich länger frisch, weiß Seniorchefin Marga Feistle. Die Kunden bekommen ihren Käse in kompostierbares Papier gewickelt, das in der Bio-Tonne entsorgt wird. (mit ande)

Lesen Sie dazu auch unseren Kommentar: Plastik: Unsere Gewohnheiten überdenken

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