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28.07.2010

Spiegelbildlich durch fünf Jahrhunderte

Mit einer überzeugenden künstlerischen Leistung erfreute der Wormser Domorganist Dan Zerfass die zahlreichen Zuhörer in der Basilika St. Peter Foto: Walter
Bild: Walter

Dillingen Absicht, Aufbau und Durchführung eines fesselnden Programms begeisterte das treue Orgelsommerpublikum bei der samstäglichen Matinee in St. Peter. Die Zuhörer wurden hineingenommen in ein überzeugendes Konzept, das der Wormser Domorganist Dan Zerfass vortrug. Er selbst stellte zu Beginn den geistigen Hintergrund heraus, den er seiner Programmfolge unterlegte. Spiegelungen durch spiegelbildlich aufgeführte Werke aus vier Ländern und fünf Jahrhunderten waren das zentrale Thema.

Ausgehend von "Miroir" (Spiegel) des holländischen Filmkomponisten Ad Wammes als Mittelpunkt, ordnete Dan Zerfass je zwei Werke von J. S. Bach solchen von Girolamo Cavazzoni und Samuel Scheidt und Charles Villiers Stanford als Spiegelbildklammer zu. Die Vier- bis Elf -Minutenstücke reflektierten die musikhistorischen Bezüge, die vom 16. bis zum 20. Jahrhundert reichten. Sie beleuchteten Stilmerkmale, wie sie in einer "Alamanda" (S. Scheidt), einem "Ricercar" (Cavazzoni), einem Choral ("Liebster Jesu wir sind hier", J. S. Bach), der Toccata oder einer Fantasie (beide Stanford) vorkamen.

Die Spannung bezogen die sieben Stücke von den variablen Interpretationen. Hier zeigte Dan Zerfass eine bewundernswerte Vertrautheit mit der Sandtner-Orgel, auf der er die unterschiedlichsten Anforderungen frappierend meisterte und sie als "Registrierkönig" opulent kolorierte. Selten hat man ein Orgelplenum gehört, das die Strukturen so lebendig und durchscheinend machte. Welche Vielfalt an klanglichen Valeurs, mit denen Zerfass Mittelstimmen abschattierte, und welche virtuosen Glanznummern, die technisches Können nicht in den Vordergrund rückten! Beispielhaft hierfür Ad Wammes' "Miroir" mit programmatischem Ausdruck.

Exquisites Szenario entwickelt

Die Sonne blendet unaufhörlich in eine weite Auffangschale, Flöten wirbeln die Strahlen durcheinander, Melodiefloskeln beleben die Erscheinung, das Licht gleißt stärker, rhythmisch verzückt strömen die Bewegungsostinati dahin, sie gewinnen an melodischer Substanz und Pedalkraft, ehe die Sonne hinter einer Wolke verschwindet und das Geschehen abrupt beendet. Unnachahmlich entfaltete Dan Zerfass ein exquisites Szenario impressionistischer Klangarchitektur. Langer Beifall, den Zerfass mit fein- und hintersinnigen Kuckucksvariationen belohnte.

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