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Virus

13.05.2020

Sprechstunde im Freien: Corona und die Tierärzte

Arne von Schlippenbach, Fachkrankenpfleger für Intensivmedizin und Anästhesie in der Zusamaltheimer Tierarztpraxis, mit Pony Pinocchio – beide mit Mundschutz. Sicher ist sicher. Wobei Pinocchio seinen nur fürs Foto aufgezogen hat …
Bild: Schlippenbach

Plus Zecken ziehen, impfen lassen oder Blut abnehmen: Auch die geliebten Haustiere müssen mal zum Tierarzt. Damit das in der Corona-Krise möglich ist, haben sich Praxen neu organisiert.

Immer wieder streckt sich die Frau und schaut durch das offene Fenster. Auf dem silbernen Tisch im Inneren sitzt ihr Liebling und wird gerade von Dr. Silke Bretzinger und ihrer Assistentin behandelt. Ein paar Meter weiter hinten, im Freien vor dem schönen, gelben Haus, stehen zwei weitere Frauchen und Herrchen. Vor ihnen auf dem Boden steht je ein Katzenkörbchen. Sie warten, bis sie mit ihren Schützlingen an der Reihe sind. Mit Mundschutz, Abstand und einem Wartezimmer an der Frischluft – alles der Corona-Pandemie geschuldet. Silke Bretzinger, Tierärztin und Inhaberin der gleichnamigen Kleintierpraxis in Lauingen, hat schon sehr früh, wie sie erzählt, erste Hygienemaßnahmen umgesetzt und zieht diese weiter konsequent durch. „Meine beiden Schwestern arbeiten in der Humanmedizin“, erzählt sie.

Haben auch Katzen Probleme mit dem Virus?

So sei sie früh und genau über das Virus und die medizinisch notwendigen Maßnahmen informiert gewesen. Eine Infektion in ihrer Praxis „wäre Horror. Ich bin selbstständig“, sagt sie. So hat Bretzinger sofort damit angefangen, die Tiere, die zu ihr zur Behandlung gekommen sind, zu schleusen. Erst recht, nachdem es zwischendurch hieß, dass auch Katzen Probleme mit dem Coronavirus haben könnten. „Anfangs war die Umsetzung schwerer, weil es die Menschen nicht konnten. Inzwischen ist das Feedback gut“, erzählt die Tierärztin aus Lauingen.

Kurzarbeit und getrennte Telefone

Sie hat auch versucht, ihre kleine Mannschaft zu trennen, eine Kollegin ist in Kurzarbeit und innerhalb der Praxis wird Abstand gehalten. Zudem gibt es unterschiedliche Telefone, sodass keine Übergabe stattfinden muss. Und: Alle tragen Handschuhe, Türklinken werden, wenn irgendwie möglich, nicht angepackt, und Bargeld wird schon lange nicht mehr angenommen. Aber es gibt die Fälle, in denen es nicht ausreicht, mit dem Frauchen oder dem Herrchen über das Fenster zu kommunizieren. „Es hat sich mittlerweile alles gut eingependelt, auch wenn es extrem aufwendig ist“, sagt Silke Bretzinger. Hat sie vor wenigen Wochen nur medizinische Notfälle behandelt, so gehe langsam wieder alles seinen normalen Weg. Die offene Sprechstunde gibt es aber weiter nicht, nur angemeldete Haustierbesitzer können kommen. „Für mich ist das toll, dann weiß ich genau, wer kommt. Alles hat seine Vor- und Nachteile.“

Bild: Bronnhuber (Symbol)

Ähnlich sieht es Dr. Katja von Schlippenbach. In ihrer Zusamaltheimer Kleintierpraxis sind aufgrund der Infektionsgefahr ebenfalls wichtige Maßnahmen umgesetzt worden. Um einsatzfähig zu bleiben, wurde das Team aufgeteilt und die Öffnungszeiten reduziert. „Wir wechselten uns wöchentlich ab, sodass wir im Falle einer Erkrankung intakt bleiben konnten“, erklärt Schlippenbach. Vor einer Woche lockerte das Team diese Maßnahme und weitete auch die Öffnungszeiten wieder aus. „Anders können wir die Arbeit sonst nicht mehr bewältigen“, so Schlippenbach.

Die freie Sprechstunde fällt allerdings weiterhin aus. Damit will man Wartezeiten und Ansammlungen vermeiden. Dass mancher Besitzer von Hunden und Katzen den Besuch der Praxis vermied, spürte man auch in Zusamaltheim. Andere wiederum, die in Zwangsurlaub geschickt worden waren oder Kurzarbeit hatten, nutzten die freie Zeit für einen Termin beim Tierarzt. Schlippenbach: „Weil viele Menschen durch den Lockdown mehr Zeit mit ihrem Tier verbrachten, haben sie entdeckt, dass die Zähne in schlechtem Zustand sind oder Haut-Tumore entfernt werden müssen.“

Mundschutz ist Pflicht in der Praxis

In der Kleintierpraxis stehen vier getrennte Wartebereiche zur Verfügung. Das Angebot, Hunde im Freien zu behandeln, sei selten in Anspruch genommen worden. „Die Leute haben wenig Angst und kommen lieber rein.“ Das Tragen einer Atemschutzmaske sei generell Pflicht. Kritisch beobachtet Katja von Schlippenbach einen zunehmenden Einschläferungstourismus an Kliniken. Dabei werde das Tier an der Pforte abgegeben, die Todesspritze ohne Beisein des Frauchens oder Herrchens gesetzt. „Bei uns ist es anders. Wir lassen die gesamte Familie rein, damit sie sich von ihrem geliebten Tier angemessen verabschieden kann.“

Die Praxismitglieder hätten keine Angst vor Ansteckung. Allerdings sei mehr Vorsicht als früher geboten. Abstand, Maske und Händehygiene und bewusstes Verhalten seien gute Möglichkeiten, das Risiko zu minimieren, sagt Schlippenbach. Die gute Nachricht: „Von Hunden und Katzen geht keine Gefahr aus.“ Die Tierärztin beruft sich dabei auf Ergebnisse des Labors für klinische Diagnostik „Laboklin“, mit dem die Kleintierpraxis zusammenarbeitet. Demnach wurden 460 Katzen auf SARS-CoV-2 getestet und bei keinem Tier nachgewiesen.

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