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Projekt

08.01.2019

Streit um Steg zum Höchstädter Schloss

Die Fundamente für den Steg mit Brücke, der von der Bewertungsstelle zum Schloss führen soll, wurden bereits erstellt. Der Donauwörther Architekt Karl Uhl sagt, dass dieses Projekt sinnlos und völlig unnötig ist.
Bild: Simone Bronnhuber

Architekt Karl Uhl erklärt, die Brücke zum Höchstädter Schloss sei sinnlos. Er kritisiert den Landtagsabgeordneten Georg Winter. Der hält Uhls Alternative für „einfältig“.

Vor ihm liegen unzählige Pläne, verschiedene Ansichten, ein dicker Ordner voll mit Aufzeichnungen und Ausdrucke von Briefen, die Karl Uhl an das Finanzministerium und die Bayerische Schlösserverwaltung geschickt hat. Er schaut sich die Unterlagen an und schüttelt den Kopf. „Ich weiß, dass sich nichts ändern wird. Aber so kann es doch nicht weitergehen“, sagt er. Deshalb will er öffentlich machen, was derzeit beim Schloss Höchstädt aus seiner Sicht „völlig sinnlos“ gebaut wird. Es geht um den Steg mit Brücke an der Südwestecke des Schlossgeländes, welchen das Staatliche Bauamt Krumbach vom Parkplatz der Bewertungsstelle in Höchstädt entlang der historischen Stadtmauer und des Weinberges bis zum südlichen Feuerwehrweg an der Rückseite des Schlosses umsetzt (Lesen Sie dazu: Barrierefrei ins Schloss Höchstädt ). Dieses Projekt ist Uhl ein Dorn im Auge. Der Kreisheimatpfleger aus dem Landkreis Donau-Ries sagt, dass er es beurteilen kann. Er kenne jeden Stein im und um das Schloss. Uhl war als Architekt des Staatlichen Bauamtes Augsburg 15 Jahre für die Sanierung des historischen Gebäudes zuständig.

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Uhl: "Eine Million Euro werden planlos ausgegeben"

Auch in seiner Rente lässt den Donauwörther das Schloss nicht los: Seit fast neun Jahren schreibt er auf Wunsch der Schlösserverwaltung an einem Buch zur Dokumentation der Baugeschichte. Darin sind Baupläne bis aus dem späten 16. Jahrhundert enthalten. Deshalb kann der 75-Jährige nicht nachvollziehen, was mit dem Steg und der Brücke bezweckt werden soll. „Keiner traut sich gegen die Maßnahme, die keinen Sinn macht, vorzugehen. Eine Million Euro werden planlos ausgegeben.“

Wie berichtet, ist die Stadt Höchstädt Modellkommune im Rahmen des Programms „Bayern barrierefrei“. Unter diesem Aspekt ist eine barrierefreie Wegeführung zum Schloss vorgesehen. Doch genau die gebe es mit dem Steg nicht, behauptet der Donauwörther. Uhl zählt auf: der Zugangsweg zum Parkplatz der Bewertungsstelle für Menschen mit Behinderung und ohne Begleitperson sei zu steil; es gebe zusätzlich keine vorgeschriebenen Ruhepodeste; für die geplante Brücke sei nicht zu erkennen, ob diese einen Begegnungsverkehr für zwei Rollstuhlfahrer zulasse; die Außentür des Schlosses, die mit dem Stegbau erreicht werden soll, sei in der Regel verschlossen, und der Weg dorthin bestehe aus Kiesschotter. Außerdem sei die südliche Ansicht des historischen Weinberges mit dem Rest der Stadtmauer – welche laut Uhl teils abgebrochen wurde – komplett verändert.

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Der Architekt zitiert Gesetzespassagen, zählt Flurnummern und die Prozentwerte der Steigungen bis zum Schlossinnenhof auf. „Ich weiß, von was ich rede. Deshalb kann ich sagen, dass dieser Bau, der angeblich für einen behindertengerechten Zugang zum Schloss sorgen soll, absolut sinnlos und nicht notwendig ist.“ Bislang habe es doch auch keine Probleme gegeben. Menschen, die Hilfe beim Zugang zum Schloss benötigen, können laut Uhl nach Rücksprache bis in den Hof hochfahren. Die Fakten habe er den zuständigen Stellen im Ministerium und der Schlösserverwaltung aufgezeigt. Als Antwort habe er erhalten, dass „die Schlösserverwaltung aufgefordert wurde, diese Entscheidung zu respektieren“.

Der Ausbau am Höchstädter Schloss soll im Frühjahr erfolgen

Dagmar Schoppe, Abteilungsleiterin beim Staatlichen Bauamt in Krumbach, teilt mit, dass die Fundamente für den Steg bereits erstellt wurden, der Ausbau im Frühjahr erfolgen soll. Die Wegeverbindungen und Außenanlagen an der Bewertungsstelle sollen voraussichtlich im Sommer fertiggestellt sein. Der Kostenrahmen in Höhe von einer Million Euro werde aktuell eingehalten. Weil der Steg eine sehr geringe Längsneigung habe, sei er auch barrierefrei. Zum Thema Begegnungsverkehr sagt Schoppe: „Der Steg hat eine lichte Breite von rund 1,80 Metern. Von einem Begegnungsverkehr (Rollstuhl-Rollstuhl) wurde nicht ausgegangen, da nicht mit einem stetigen Rollstuhlverkehr zu rechnen ist.“ Außerdem soll der Weg im Bereich der Bewertungsstelle auf die zulässigen Neigungen für barrierefreie Nutzung gebracht werden. Ob die Menschen in der Hintertür des Schlosses Zugang bekommen, müsse durch die Schlösserverwaltung abgeklärt werden, heißt es seitens des Bauamtes. Bei privaten Veranstaltungen im Schloss sollte dies kein Problem sein, so Schoppe weiter. Ob der jetzige Schotterweg bis zur Tür bleiben könne, wolle man in der Praxis beobachten.

Das ist der Blick von Schloss in Richtung Bewertungsstelle. Zu erkennen sind die Fundamente und die geplante Breite des Steges.
Bild: Bronnhuber

Für Uhl sind die Planungen nicht haltbar. Er hat den zuständigen Stellen im Juni einen anderen Vorschlag gemacht: Besucher sollen die Zufahrt zum Parkplatz an der Herzogin-Anna-Straße vor dem Westflügel nutzen, von dem über den Feuerwehrweg und die Außentür des Südflügels mit dem Aufzug sowohl der Innenhof, die Eingangshalle und alle anderen Geschosse zu erreichen seien. Nur der Bereich bis zum Feuerwehrweg müsse barrierefrei umgestaltet werden. Dies sei nicht nur billiger, sondern könne schnell umgesetzt werden. „Aber der Zug ist schon abgefahren, denn der Bau des Steges mit Brücke hat schon begonnen“, bedauert Uhl.

Karl Uhl kennt jeden Stein in und um das Schloss Höchstädt.

Und warum das so ist, da hat der Architekt seine eigene Theorie. Er macht Landtagsabgeordnetem Georg Winter den Vorwurf. „Er setzt sich über alle Regeln hinweg und will seine vorgeschlagene Lösung nun auch durchsetzen. Diese Lösung ist einzig und allein nur für die nicht behinderten Besucher der Bewertungsstelle bequem, aber sonst für niemanden. Das ist eindeutig eine Veruntreuung von Staatsmitteln. Schloss Höchstädt ist nicht sein Schloss“, sagt Uhl. In seiner aktiven Zeit als zuständiger Projektleiter für das Schloss Höchstädt hätte er mit allen möglichen Schritten diese Planung mit Haushaltsvorlage verhindert beziehungsweise schriftlich die maßgebenden Stellen auf diesen unnötigen Brückenbau mit Steg hingewiesen.

Winter: "Mir geht es um die grundsätzliche Lösung"

Georg Winter wiederum weist Uhls Alternativvorschlag als „einfältig“ zurück, denn es werde nur ein Aspekt bedacht. Hier würde der Aufgang von nur zehn Parkplätzen in der Herzogin-Anna-Straße zum Schloss barrierefrei gemacht. Der Zugang zum Feuerwehrweg müsse umgebaut werden, und dann brauche es eine durchgängige Rampe rund um das Schloss, das Grün des Schlossgartens würde laut Winter massiv beeinträchtigt. „Mir geht es um die grundsätzliche Lösung, dass das Höchstädter Schloss barrierefrei erreicht werden kann“, sagt der Abgeordnete. Das Gesamtkonzept schlage „mehrere Fliegen mit einer Klappe“. Es sehe vor, dass mehr als 60 Parkplätze bei der Bewertungsstelle vom Bahnhof aus über den Marktplatz barrierefrei erreicht werden können. Und von dort könnten Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen seien, allein zum Schloss gelangen, denn der Steg sei barrierefrei. Zudem stünden die Parkplätze bei der Bewertungsstelle an Wochenenden auch Gästen zur Verfügung, die dadurch bequem Veranstaltungen im Schloss besuchen. Winter weist den Vorwurf, dass hier staatliche Mittel zum Fenster hinausgeworfen würden, vehement zurück. Es sei schade, dass in Höchstädt oft „die kleinsten Fortschritte torpediert werden“.

Hintergründe zum Steg: Barrierefrei ins Schloss Höchstädt

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