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Beim Hundefriseur

09.08.2018

Syrgenstein: Eine Frau für alle Felle

Isabel Mutschler bei der Arbeit. Die Syrgensteinerin frisiert zwischen fünf und sieben Hunde am Tag. Nicht jeder Vierbeiner muss zum Friseur – doch Halter sollten sich zuhause um das Fell kümmern und sich informieren, was das Tier braucht. Teddy, der dreijährigen Yorkshire-Terrier-Hündin, gefällt’s.
Bild: Jakob Stadler

Wann muss ein Vierbeiner zum Friseur? Und ist das eigentlich eine Frage des Aussehens oder der Pflege?

Wenn Isabel Mutschler von ihrem Beruf erzählt, dann machen sich die meisten Menschen falsche Vorstellung, sagt sie. Die denken dann meist an auffällig frisierte Pudel. Das Aussehen eines Hundes derart zu ändern, ist in Mutschlers Hundesalon Lakida in Syrgenstein nicht das Ziel. „Es geht darum, einen gepflegten Hund zu haben. Und einen schönen.“

Dass nicht nur Pudel zum Hundefriseur gehen, führt Mutschler an Teddy vor. Teddy ist eine dreijährige Yorkshire-Terrier-Hündin, eine von Mutschlers Stammkundinnen, und an die regelmäßigen Haarschnitte alle acht bis zehn Wochen gewöhnt. Die Hundefriseurin trimmt die Haare des kleinen Vierbeiners, an den Beinen lässt sie das Fell ein wenig länger. Dieser Stil heißt passenderweise „Teddyschnitt“. Die Hundebeine wirken ein wenig stämmiger, der Hund entspricht etwas mehr dem Kindchenschema – er sieht also süßer aus.

Die Pflege hat auch einen medizinischen Vorteil

Auch wenn Mutschler betont, dass sie natürlich keine Tierärztin ersetzen könne, habe die Pflege auch einen medizinischen Vorteil. In den kurzen Haaren können etwa Zeckenbisse leichter erkannt werden. Außerdem sieht sich Mutschler den Hund während der Arbeit sehr genau an. Teddy hat zum Beispiel Grasmilben – das kann Mutschler dem Frauchen nun mitteilen, sodass die Parasiten behandelt werden können. Ein nützlicher Nebeneffekt, aber meist nicht der Hauptgrund für den Friseurtermin. „Die Harre kurz zu schneiden ist natürlich Bequemlichkeit“, sagt Mutschler. Das kürzere Fell brauche weniger Pflege. „Aber es ist eben auch hygienischer.“ Gerade bei Rassen wie Teddy würde sich im langen Fell viel mehr Dreck verfangen. Der Hund habe es dadurch auch selbst etwas leichter – Herrchen und Frauchen lassen das Haustier dann vielleicht eher einmal auf die Couch. Und er muss nicht so oft gekämmt werden.

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Dass es unterschiedliche Meinungen zu ihrem Beruf gibt, ist Mutschler bewusst. Ein Familienhund, der im Haus gehalten wird, könne auch nicht mit einem Zwingerhund verglichen werden, oder mit einem Jagdhund. Ein Züchter würde wohl sagen, man solle das Fell eines Yorkshire-Terriers natürlich belassen, anstatt es zu kürzen. Wichtig sei dann aber, es dementsprechend zu pflegen, sagt die Hundefriseurin. Gerade Rassen mit viel Unterwolle müssten oft besser gepflegt werden. „Hier oben sind die meisten Hunde gekämmt“, sagt Muschler und streichelt Teddy am Rücken. Bauch und Füße seien hingegen häufiger verfilzt. Das auskämmen sei „unschön“, daher sei die regelmäßige Pflege so wichtig. An den Pfoten ist Filz gerade im Sommer problematisch, denn Hunde schwitzen über die Ballen – nur dort haben sie Schweißdrüsen. Allein wegen der Hitze ist aber kein Haarschnitt nötig. Mutschler erklärt: „Wenn das Fell gut gepflegt und gekämmt ist, dann durchlüftet das genauso gut.“

Warum ein Hund nach dem Baden riecht

Zur Pflege gehört auch das Waschen. Im Sommer denken laut Mutschler einige Hundebesitzer, nach einem Bad im See sei der Hund ja auch gewaschen. Doch die Unterwolle trockne ewig nicht, dann fange ein Hund an, unangenehm zu riechen. Immer wieder heißt es, baden sei bei Hunden grundsätzlich schlecht, es zerstöre den natürlichen Schutzfilm der Haut. „Wenn man ein gutes Shampoo hat, macht man damit nichts kaputt“, sagt Mutschler. Sie achte darauf dass das Shampoo keine Parabene (diese werden zur Konservierung eingesetzt) und Silikone enthält. Wichtig sei auch der pH-Wert des Produktes – ein vermeintlich sanftes Babyshampoo ist deshalb nicht das richtige. Mit einem hochwertigen Hundeshampoo mache man in der Regel nichts falsch, doch es gehöre schon dazu, sich ausreichend zu informieren.

Das gilt bereits vor der Anschaffung des Hundes. Ein Kurzhaar mache bei der Fellpflege weniger Arbeit – dafür haart es und die Halter müssen häufiger Staubsaugen. Wer unsicher ist, könne auch bevor der Hund in der Familie ist bei ihr oder einem anderen Hundesalon anrufen, um sich helfen zu lassen, sagt Mutschler. Auch sie informiert sich immer weiter.

Sie ist Mitglied im Bundesverband der Groomer – das ist der englische Begriff für einen Hundefriseur. Mutschler tauscht sich mit Kollegen aus. Der Verband bietet auch Seminare an. Eine staatliche Ausbildung gibt es nicht. Mehrere Urkunden an Mutschlers Wand zeugen aber von den Kursen, die sie besucht hat. „Ein bisschen Talent braucht man auch“, sagt Mutschler. Und eine gewisse Geduld.

So gewöhnt man einen Hund an den Fön

Die Hunde würden mit der Zeit ruhig, sie gewöhnen sich ans Frisieren. Besonders gut funktioniert das, wenn die Tiere schon sehr jung an das Frisieren herangeführt werden. Es sei zum Beispiel eine gute Idee, den Hund im Alter von etwa zwölf Wochen das erste Mal in den Salon zu bringen. „Dann mach ich den Föhn an und es gibt ein Leckerli“, sagt Mutschler. Ihr eigener Hund, der das von klein auf kennt, ist, komme von alleine zum Föhn. Bei der Pflege müsse man zu hause eine gewisse Hemmung überwinden. Gerade Welpen würden beim Kämmen immer fiepen, doch die richtige Fellpflege tut dem Tier nicht weh. Halter und Hund müssen sich gemeinsam daran gewöhnen, und je ruhiger der Mensch ist, desto ruhiger werde auch der Hund.

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