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Dillingen

04.12.2019

THW: Sie helfen bei Katastrophen

Schneechaos in den Alpen: Im Januar halfen Einsatzkräfte des THW-Ortsverbands Dillingen mit, Dächer von der Schneelast zu befreien.

Von Bränden bis zum Donau-Hochwasser – die Kräfte des Technischen Hilfswerks unterstützen bei größeren Einsätzen. Jetzt bereitet sich der Dillinger Ortsverband auf ein besonderes Ereignis vor.

Gasexplosion in Gundelfingen, Hochwasser an der Donau, Schneekatastrophe in den Alpen – Hubert Preiß hat in den vergangenen 44 Jahren viel erlebt. So lange ist der Dillinger für das Technische Hilfswerk (THW) im Einsatz. Seit mittlerweile 22 Jahren führt der 61-Jährige als Ortsbeauftragter den Dillinger THW-Ortsverband. Und wenn sich Hubert Preiß an die vielen Katastropheneinsätze erinnert, die er mit seinem Team absolviert hat, weiß er gar nicht, wo er beginnen soll. Der naheliegendste Fall war für den Helfer zugleich der unglaublichste. „Als ich im Juli vor zwei Jahren zu Hause die Alarmierung erhielt, dass das Dillinger Rathaus brennt, da dachte ich – die spinnen“, sagt Preiß, der selbst seit 1973 bei der Stadtverwaltung beschäftigt ist. Als er von seinem Haus aus einen Blick ins Freie warf, sah er die Rauchsäule in der Stadt. Mit vereinten Kräften verhinderten die Feuerwehren und das Technische Hilfswerk, dass die Flammen auf das zweite Gebäude des Altbaus übergriffen. „Ich muss heute noch oft daran denken, wie knapp das war“, sagt Preiß. Er könne jetzt nachvollziehen, dass im Mittelalter bei Bränden oft ganze Straßenzüge abgebrannt sind.

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Sie halfen etwa nach der Explosion eines Wohnhauses in Gundelfingen oder beim Pfingsthochwasser

Das THW bietet im Auftrag der Bundesregierung technische Hilfeleistung im In- und Ausland. In der Region ist der Dillinger Ortsverband für den Katastrophenschutz zuständig. Bei einer Alarmierung der Kategorie B4, etwa dem Brand einer Fabrikhalle oder eines landwirtschaftlichen Anwesens, werde auch das Dillinger THW eingeschaltet. Wenn es nötig ist, rückt dann auch der blaue Radbagger der Organisation an. So geschehen bei der Explosion eines Hauses im März 2015 in Echenbrunn, bei der eine Frau getötet wurde. Preiß kann sich heute noch genau an diesen Einsatz erinnern. „Das war für die Helfer sehr belastend. Wir haben bis in den Morgen nach der Bewohnerin gesucht“, erläutert der Ortsbeauftragte. Am Morgen sei die Frau dann tot in den Trümmern des Hauses gefunden worden.

Wenn es nötig ist, rückt das THW Dillingen mit seinem Radbagger an. Das linke Foto entstand 2018 bei dem Brand einer Zimmerei in Pfaffenhofen. Wiederholt füllten die Dillinger THWler bei Hochwassereinsätzen Sandsäcke. Rechts ist ein Einsatz in der Dillinger Schillerstraße zu sehen, als bei einem Sturm ein Baum auf ein Haus stürzte.

Lebhafte Erinnerungen haben viele Dillinger THWler an das erste größere Hochwasser der vergangenen Jahrzehnte im Altlandkreis – das Pfingsthochwasser 1999. Die Helfer verstärkten Dämme mit Sandsäcken – ebenso beim Hochwasser der Elbe im Jahr 2002. Immer wieder waren die Kräfte des Dillinger THW in den vergangenen Jahren bei Donau-Hochwasser im Einsatz. Als 2013 Fischerdorf überschwemmt wurde, pumpten die Helfer Wasser ab und sicherten Gebäude. In Reichertshofen bewahrten die Dillinger eine Elektroverteilerstation vor Hochwasser. 2016 half der Ortsverband nach der Flut in Simbach am Inn beim Auspumpen und Instandsetzen der Häuser. Preiß wundert sich noch heute: „Ich konnte mir gar nicht vorstellen, dass in unserer hoch technisierten Zeit auf einmal ein ganzer Ort kein frisches Wasser haben kann.“ Die Aufbereitungsanlagen des THW sorgten wochenlang dafür, dass die Menschen in Simbach auch nach der Flut Trinkwasser zur Verfügung hatten. Und erst im Januar 2019 kämpften die Dillinger in Berchtesgaden gegen die Schneemassen. „Bei uns war alles normal, und dort gab es eine richtige Schneekatastrophe“, erinnert Preiß. 15 Mann des THW-Ortsverbands räumten Schneemassen von den Dächern.

THW: Sie helfen bei Katastrophen

Den THW Dillingen gibt es schon seit 50 Jahren

Mit der Situation im Dillinger Ortsverband ist der Chef zufrieden. Nach der Aussetzung der Wehrpflicht habe er die Sorge gehabt, dass Nachwuchs ausbleiben könnte. Dies sei aber nicht so gekommen. Das THW werbe mit Kennenlerntagen und Veranstaltungen des Kinderferienprogramms für seine Arbeit. „Wer jetzt zu uns kommt, ist mit viel Herzblut dabei“, sagt Preiß vor dem heutigen Tag des Ehrenamts. Neben dem Umgang mit jungen Leuten fasziniere ihn an seiner Aufgabe „die Möglichkeit, anderen helfen zu können, wenn sie in Not sind“. Dazu gehöre allerdings das ständige Üben. „Alle zwei Wochen haben wir Ausbildung“, informiert Preiß. Die Aktiven des Dillinger Ortsverbands, der zur Geschäftsstelle Ingolstadt gehört, absolvieren Lehrgänge – vom Radladerführerschein bis zum Kochen in einer Großküche. Hubert Preiß selbst ist 1975 zum THW Dillingen gekommen, er leistete dort seinen Ersatzdienst anstelle der Wehrpflicht ab. Die Begeisterung für die Sache ist dem Ortsbeauftragten anzumerken. Vom „THW-Virus“ ist auch die Familie infiziert: Auch Ehefrau Renate und die Töchter Katrin und Carina engagieren sich beim Hilfswerk.

Dieses Wochenende haben Hubert Preiß und THW-Fördervereinsvorsitzender Bernd Nicklaser ein besonderes Ereignis vor der Brust: Der THW-Ortsverband Dillingen feiert im Stadtsaal sein 50-jähriges Bestehen. Beginn ist um 17 Uhr mit einem Stehempfang, der Festakt startet um 18 Uhr. Es spricht auch der designierte Präsident der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk, Gerd Friedsam. Und nach dem Essen (ab 20 Uhr) wird es auch eine Diaschau geben, bei der bestimmt auch viele spektakuläre Hilfseinsätze der Dillinger THWler zu sehen sind. "

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