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Energie

17.11.2017

Tankst du noch oder lädst du schon?

Der Moment der Übergabe: Unser Mitarbeiter Jakob Stadler (links) erhält in Lauingen von Jürgen Kugler das Elektroauto der Donau-Stadtwerke Dillingen Lauingen. Er testet das Auto eine Woche lang und pendelt damit die 50 Kilometer von Augsburg aus in den Landkreis.
Bild: Roderfeld

Ein Experte für Elektromobilität kritisiert Alibi-Ladesäulen, unterbreitet aber auch konstruktive Vorschläge. Um zu sehen, wie gut das Ladenetz bereits ist, testet die DZ ein E-Auto

Was wäre, wenn eine Kommune, die ein neues Baugebiet ausweist, dabei schon an die Infrastruktur für Elektroautos denkt? Warum sollte man junge Familien nicht mit dem Argument anlocken, dass es dort auch E-Car-Sharing oder E-Bike-Sharing gibt? Was bringt es für das Image einer Gemeinde, eines Landkreises, wenn ein geschlossenes Elektromobilitätskonzept vorhanden ist?

Fragen, mit denen sich die Zuhörer im Lauinger Windstützpunkt konfrontiert sahen, unter ihnen Landrat Leo Schrell, Bürgermeiste Wolfgang Schenk und zahlreiche Kreisräte. Die Fragen stellte Guido Weißmann von der Firma Bayern Innovativ provokant in den Raum. Sie berührten den eigentlichen Kern eines fulminanten Vortrags, bei dem es der promovierte Physiker verstand, die Zuhörer im wahrsten Sinne des Wortes zu elektrisieren.

Da Elektromobilität gegen 150 Jahre „Verbrenner-Erfahrung“ kämpfen müsse, brauche sie etwas Unterstützung, zumal die größte Hürde für E-Mobilität „wir selber sind“. Auf diese Änderung der „Einstellung im Kopf“ hatte auch der Landrat bei seiner Begrüßung hingewiesen. Diese gelte nicht nur bei Ladesäulen, sondern bei der grundsätzlichen Einstellung zum Umweltschutz.

Mit seinem flammenden Plädoyer entlarvte dann Guido Weißmann, der Ansprechpartner für kommunale Elektromobilität der Bayern Innovativ zahlreiche Kritkpunkte wie „zu teuer“, „nicht ausgereift“ oder „geringe Reichweite“ als Vorurteile.

Aber der Experte, der im Auftrag des Bayerischen Wirtschaftsministeriums unterwegs ist, hatte nicht nur Fragen parat. Er gab auch Antworten, von denen einige allerdings wenig schmeichelhaft waren. Zum Beispiel: „Das Pressefoto mit dem Bürgermeister vor der E-Auto-Ladesäule ist zu wenig“. Das sei eher eine PR-Aktion, Weißmann nannte es abfällig die „isolierte Bürgermeistersäule“. Denn die erste E-Ladesäule der Kommune, publicityträchtig vorgestellt von Gemeindeoberhäuptern, habe eben nichts mit einem nachhaltigen und durchdachten Gesamtkonzept für Elektromobilität zu tun.

Dabei könne die E-Mobilität gerade auch in ländlichen Räumen einen sinnvollen Beitrag dazu leisten, kommunale Ziele zu erreichen. So werde trotz wachsendem Verkehr der Lärm in den Innenstädten deutlich reduziert. Dies gelte auch für den öffentlichen Nahverkehr, wo E-Busse deutlich weniger Lärm verursachten als die doppelt so lauten Dieselbusse. Ein durchdachtes Konzept für E-Carsharing in einem Neubaugebiet könnte für junge Familien so attraktiv sein, dass sie in die Kommune ziehen, die dieses anbiete. Elektromobilität könne auch für Unternehmen zu einem Ansiedlungsgrund werden. Insgesamt würden derartige Konzepte das Image der Kommunen verbessern.

Weißmann zeigte, dass Mobilität mehr als nur „Auto“ bedeutet. Denn beim „Auto“ handele es sich um ein Gesamtsystem, das seit über 100 Jahren für den „Verbrenner“ optimiert und mit den dazu notwendigen Infrastrukturen versehen wurde. Unter Effizienzgesichtspunkten sei ein „Verbrenner“ aber eher eine Heizung, denn ein Antriebssystem. Unbestritten seien Verbrennungsmotoren in hohem Maße umweltschädlich, sodass in vielen Städten inzwischen Fahrverbote für Dieselautos erwogen werden. Zahlreiche Länder haben gar ein Verbot der Neuzulassung für Verbrennungsmotoren ab 2025 angekündigt.

Bei einem Gesamtkonzept Elektromobilität seien in ländlichen Räumen besonders die Landkreise gefordert, da sich ein Mobilitätskonzept per se nicht auf eine einzelne Kommune beschränken könne. Allerdings, so Weißmanns Erfahrung: „Hat ein Landrat daran kein Interesse, kann man das Thema knicken.“ Bleibt abzuwarten, ob Guido Weißmann erneut eingeladen wird. Und ob die Zuschauer, wenn der Saal wie im Lauinger Windstützpunkt voll ist ihnen die Fragen auf den Nägeln brennen, auch fragen dürfen. Oder ob es wie in Lauingen abläuft, wo ohne erkennbaren Grund die gerade beginnende Diskussion abgewürgt wurde, wie einen Verbrennungsmotor an der grün werdenden Ampel.

Wie gut das Ladesäulennetz im Landkreis und darüber hinaus bislang ausgebaut ist, testen wir in der nächsten Woche. Am Freitag haben uns die Donau-Stadtwerke Dillingen-Lauingen den Schlüssel für ihren E-Smart übergeben. Bis nächsten Freitag nutzt unser Mitarbeiter Jakob Stadler das Auto für Termine und zum Pendeln von Augsburg zu unserer Redaktion – die einfach Stecke liegt bei 50 Kilometer.

Die Diskussion ist geschlossen.

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