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Höchstädt

12.11.2019

Tankstellenüberfall in Höchstädt: Täter sind geständig

Im November vergangenen Jahres überfielen zwei Männer diese Tankstelle in Höchstädt. Nun stehen die Täter vor Gericht.
Bild: Berthold Veh

Plus Zwei Männer haben in Bayern und in Baden-Württemberg mehrere Tankstellen überfallen. Wie ihr Plan scheiterte, sich nach dem Gefängnis Geld für ein schönes Leben in Spanien zu besorgen.

Schon mit 17 saß Raimund Eser* wegen Diebstahls das erste Mal auf der Anklagebank. Drei Jahre später, das Strafregister des inzwischen 19-Jährigen wies da schon acht Einträge auf, kam er das erste Mal für zwei Jahre ins Gefängnis. Doch dann schien der junge Mann, der in Lauingen aufgewachsen ist, endlich im Leben Fuß zu fassen. Der Betrieb eines Augsburger Kommunalpolitikers bot ihm die Chance, seine in der Haft begonnene Ausbildung zum Anlagenmechaniker fortzusetzen.

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Damit war es allerdings wieder vorbei, als die Polizei in seiner Wohnung Drogen fand und der 22-Jährige – aus Angst, wieder ins Gefängnis zu müssen – im Oktober 2018 untertauchte. Doch das Leben in der Illegalität will finanziert sein. Mit Wolfgang Bach*, einem Kumpel aus gemeinsamen Knasttagen, soll er in Bayern und im angrenzenden Baden-Württemberg mehrere Tankstellen überfallen haben.

Bei einem Raubüberfall in Höchstädt kam es zu einer Rangelei

Der Polizei gelang es, die mutmaßlichen Täter Ende November vorigen Jahres festzunehmen, wenige Tage nach Raubüberfällen auf Tankstellen in Gessertshausen und in Höchstädt. Der Vorfall in der Donaustadt ereignete sich in der Tankstelle von Inhaber Georg Behringer. Die beiden Männer, bewaffnet und mit Sturmhauben, stürmten kurz nach 21.30 Uhr die Tankstelle und forderten die Mitarbeiterin auf, das Geld aus der Kasse herauszurücken. Mit einem vierstelligen Betrag flüchteten die Täter. Dabei kam es noch zu einer Rangelei mit dem Sohn des Inhabers.

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Die Polizei leitete sofort eine Fahndung ein. Auch ein Suchhund kam zum Einsatz, der die Polizisten zu einem Anwesen in der Nähe der Tankstelle führte. Weil die beiden Flüchtigen bewaffnet waren, war zur Durchsuchung des Hauses ein Sondereinsatzkommando (SEK) der Polizei aus München vor Ort. Der Verdacht erhärtete sich jedoch nicht. Die erste heiße Spur führte nach Buttenwiesen: Dort, in einem Hotel, waren die Täter nach dem Überfall untergekommen. Ein erneuter SEK-Einsatz blieb erfolglos, da die Gesuchten offensichtlich kurz zuvor das Hotel unbemerkt verlassen hatten. Letztlich schnappte die Polizei die Täter in einem Hotel in Ulm.

Vor dem Augsburger Landgericht sind die Männer geständig

Vor dem Augsburger Landgericht hat jetzt der Prozess gegen die beiden begonnen. Die Angeklagten (Verteidiger: Ralf Schönauer und Peter Schnelle) gestanden zum Prozessauftakt die Anklage ein, die ihnen 18 einzelne Taten vorwirft. Unklar ist, inwieweit Esers Freundin darin verwickelt ist. Sie waren wochenlang zu dritt gewesen, doch sitzt die Frau nicht mit auf der Anklagebank.

Die Raubüberfälle auf Tankstellen geschahen immer abends, kurz vor Geschäftsschluss, wenn die Täter das meiste Geld in der Kasse vermuteten. Ihre Gesichter waren hinter Sturmhauben oder einer Halloweenmaske nicht zu erkennen. Unter Vorhalt einer Pistole zwangen sie Mitarbeiter, die meist alleine um diese Zeit waren, ihnen die Tageseinnahmen auszuhändigen. In Unterthingau (Kreis Ostallgäu) wurde ein Tankstelleninhaber leicht verletzt. Er hat wohl nicht schnell genug seine Kasse geöffnet. Einer der Täter versetzte ihm mit seiner Pistole einen Schlag auf den Kopf.

Auf ihren Raubzügen übernachteten die Täter in Hotels, wo sie nach einem oder mehreren Tagen abreisten, ohne zu bezahlen. Unter den Geschädigten sind Hoteliers im Allgäu, im Bodenseeraum, aber auch im Landkreis Dillingen, in Oberfranken und der Oberpfalz. Zurück ließen sie wiederholt verwüstete Hotelzimmer. Als sie in Neumarkt übernachteten, schossen sie im Hotel nachts mit Pistolen um sich – was erstaunlicherweise unbemerkt blieb: Erst, als sie abgereist waren, wieder ohne bezahlt zu haben, wurden an den Wänden ihres Hotelzimmers mehrere Einschusslöcher entdeckt.

Auch ohne DNA-Spuren konnten die Täter überführt werden

Obwohl die Täter bei den Tankstellenüberfällen maskiert auftraten und keine DNA-Spuren hinterließen, war schnell klar, wer sie sind. Kurioserweise hatten sie beim Einchecken in den Hotels ihre Familiennamen und Wohnadressen korrekt angegeben. Einer der Angeklagten erklärte vor Gericht ihr seltsames Verhalten damit: „Wir sind halt keine Profis. Wir waren die meiste Zeit im Rausch.“ Täglich hätten sie entweder Wodka oder Jägermeister getrunken, dazu Joints geraucht. Um Haschisch zu kaufen, seien sie öfter nach Augsburg gefahren. Wegen Besitz von Drogen sind beide Angeklagte vorbestraft.

Beide Angeklagte könnten wegen ihrer Drogensucht eingeschränkt schuldfähig sein. Die Strafkammer hat deswegen einen medizinischen Sachverständigen mit einem Gutachten beauftragt. Doch trotz Drogen und Alkohol konnte der Angeklagte Eser noch gut Auto fahren. Das beweist ein Verfolgungsrennen, das er sich mit der Polizei auf der A9 lieferte und gewann.

In einem Porsche Cayenne gelang es den Tätern, sich einer Polizeikontrolle zu entziehen. Den Sportwagen hatten sie dem Küchenchef eines Hotels im Stubaital geklaut und mit falschen Kennzeichen versehen. Sie ließen ihn in Bayreuth stehen, wo sie auch übernachteten. Fortan fuhren sie mit dem Zug zu den Tatorten. Ihr ursprünglicher Plan, verriet Eser im Prozess, sei gewesen, den „geilen Porsche“ in Tschechien zu verkaufen und mit dem so verdienten Geld nach Spanien abzuhauen. Weil dies wegen der fehlenden Autopapiere nicht klappen konnte, begannen sie, Tankstellen zu überfallen. Der Prozess ist bis Mitte Dezember terminiert. (mit dz)

* Namen geändert

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