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Bissingen

03.03.2021

Trauer in Bissingen: 19-Jähriger stirbt bei illegalem Autorennen

Ein illegales Autorennen hat am Mittwochabend zwischen Warnhofen und Bissingen stattgefunden. Bei einem Überholmanöver verlor ein 20–Jähriger die Kontrolle über sein Auto. Der Wagen überschlug sich mehrmals und prallte gegen einen Baum. Sein 19-jähriger Beifahrer erlitt dabei tödliche Verletzungen.
Foto: Wiemann

Plus Zwei junge Männer rasen in zwei Fahrzeugen über den Zieglerberg zwischen Warnhofen und Bissingen. Dabei kommt es zu dem fürchterlichen Unfall. Der Schock in der Marktgemeinde ist groß

Die Trauer im Kesseltal ist groß. In der Nacht zum Mittwoch haben sich zwei junge Männer offenbar zu einem illegalen Autorennen getroffen. Jeder hatte einen Beifahrer dabei. Einer der beiden, ein 19-Jähriger, überlebte das Rennen nicht.

Auf der kurvenreichen Waldstrecke zwischen Warnhofen und Bissingen lieferten sich die beiden jungen Männer, der eine 19, der andere 20 Jahre alt, nach momentanem Ermittlungsstand der Polizei, ein Rennen. Die beiden hatten sich dafür wohl gegen 21 Uhr am Kreisverkehr bei Warnhofen getroffen. Nach ersten Ermittlungen der Polizei rasten sie dann mit weit mehr als 150 Stundenkilometern über den Zieglerberg.

Riskantes Überholmanöver zwischen Warnhofen und Bissingen

Kurz vor der Abzweigung nach Fronhofen, im dortigen Waldstück, kam es dann zu dem folgenschweren Verkehrsunfall: Der 20-Jährige wollte laut Polizei den 19-Jährigen überholen. Doch dabei kam sein Wagen nach links von der Straße ab. Im angrenzenden Grünstreifen überschlug sich der Wagen und prallte gegen einen Baum. Das Auto überschlug sich weiter und kam erst nach etwa nach rund 50 Metern auf den Rädern wieder zum Stehen. Da hatte es den Beifahrer schon aus dem Wagen geschleudert. Der 19-Jährige erlitt dabei so schwere Verletzung, dass er noch am Unfallort starb. Der Fahrer selbst wurde schwer verletzt ins Krankenhaus nach Donauwörth gebracht.

Bissingens Bürgermeister kennt die Familien der Beteiligten

Bissingens Bürgermeister Stephan Herreiner kennt die Beteiligten und ihre Familien. Er erfuhr am Mittwochmorgen von dem tödlichen Autorennen. „Das ist ein Schock“, sagt er. Die Strecke zwischen Bissingen und Warnhofen war und ist immer wieder ein Thema. Der Gemeinderat hat, wie berichtet, schon eine Geschwindigkeitsreduzierung auf Höhe des Zieglerhofes gefordert. Mehrfach fanden Verkehrsschauen mit Landratsamt und Polizei statt. Das Ergebnis war jedes Mal, dass am Streckenverlauf nichts verändert werden muss. Unabhängig davon, so Herreiner, „hätte es dieses Unglück vermutlich leider nicht verhindert“.

Die Feuerwehren aus Bissingen und Göllingen waren vor Ort

Alarmiert wurden im Kesseltal die Feuerwehren aus Bissingen und Göllingen. Laut Matthias Sinning, Kommandant in Göllingen, ging am Dienstagabend kurz nach 21 Uhr der Alarm los. „So was habe ich auch noch nicht erlebt“, sagt er am nächsten Morgen. Das Aufgebot an Einsatzkräften sei riesig, aber notwendig gewesen. Er schildert, dass zu Beginn des Einsatzes insgesamt mehr als 30 Feuerwehrleute vor Ort waren. Bis in die frühen Morgenstunden dauerte der Einsatz. Der Göllinger Kommandant hat noch in der Nacht eine Nachbesprechung mit seinen Kameraden anberaumt, vor allem für die jüngeren unter ihnen. „Das muss man machen, das ist wichtig“, sagt Sinning. Er lobt in diesem Zusammenhang auch die Notfallseelsorger, die ebenfalls vor Ort waren. Sinning: „Bei uns im Landkreis Dillingen funktioniert das wirklich immer sehr gut.“

Die Bissinger Feuerwehr kümmerte sich um die Betreuung von Freunden

Markus Reiner, Vorsitzender und Gruppenführer der Feuerwehr Bissingen, bestätigt die Vorgehensweise und ergänzt: „Am Abend sind Jugendliche zur Unfallstelle gekommen. Das spricht sich heute leider sehr schnell rum.“ Deshalb habe auch Bissingens Zweiter Kommandant und Einsatzleiter Christian Sinning sofort reagiert und Notfallseelsorger informiert. Gemeinsam mit Bissingens Erstem Kommandanten Andreas Korn, so schildert es Markus Reiner, wurden die befreundeten Jugendlichen im Feuerwehrhaus noch bis in die Nacht betreut.

Reiner: „Wir werden schauen, dass wir uns bei einem extra Termin auch mit unseren jüngeren Feuerwehrkameraden, die die Unfallbeteiligten aus anderen Vereinen kannten, zusammensetzen. Das ist wichtig“, sagt der Vorsitzende. Unabhängig davon habe die Bissinger Wehr direkt im Anschluss mit ihren Kameraden den Unfall ebenfalls nachbesprochen.

Die Strecke zwischen Warnhofen und Bissingen war stundenlang voll gesperrt

Die Staatsanwaltschaft hat derweil ein unfallanalytisches Gutachten angeordnet. Die Führerscheine der beiden Fahrzeugführer wurden zur Vorbereitung der Einziehung sichergestellt. Die Kreisstraße DLG 5 war bis 2.30 Uhr voll gesperrt. Zur Unterstützung war ein Hubschrauber der Polizei im Einsatz. Die umliegenden Feuerwehren waren mit Verkehrsmaßnahmen und der Ausleuchtung der Unfallstelle betraut.

Gutachter machen sie vor Ort ein Bild über die Lage am Unfallort zwischen Warnhoffen und Bissingen.
Foto: Wiemann

Wie berichtet, finden seit vergangenen Jahr immer mehr illegale Autorennen statt. Nach Angaben des Innenministeriums gab es 560 verbotene Rennen mit 771 Teilnehmern im Freistaat – eine Steigerung um rund 90 Prozent. Bei den Rennen waren sieben Tote und 77 Verletzte zu verzeichnen. Die Polizei vermutet, das liegt daran, dass im Pandemiejahr 2020 gewohnte und beliebte Freizeitaktivitäten für junge Leute unmöglich oder zumindest erschwert wurden. (mit pm)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Die Feuerwehren: Retten, löschen, bergen, trösten

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