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Dillingen

15.08.2019

Trauernde Kinder brauchen ehrliche Antworten

In Günzburg gibt es einen neuen Kurs für Hospizbegleiter. Wo man sich anmelden kann und was man dafür braucht.

Die Mädchen und Jungen in der Trauergruppe für Kinder und Jugendliche sind zwischen fünf und 15 Jahre alt. Alle kennen den seelischen Schmerz des Verlustes eines geliebten Menschen, denn bei ihnen sind der Papa, die Mama, der Bruder oder die Schwester gestorben. Unverarbeitete Trauer kann der Seele schwer zusetzen.

Auch junge Kinder nehmen den Tod eines geliebten Menschen wahr

„Besonders Kinder brauchen Menschen, die sie in ihrer Situation sensibel wahrnehmen und sie auf ihrem persönlichen Weg der Trauer begleiten“, betont Evelyn Laible-Schmid, die seit 2013 eine Trauergruppe des Malteser Kinder- und Jugendhospizdienstes in Günzburg betreut. „Der Tod eines nahestehenden Menschen ist für Kinder jeden Alters ein emotional spürbares und auch im Alltag oft folgenschweres Ereignis. Auch wenn sie noch jung sind, nehmen sie den Tod und die damit verbundenen Veränderungen bei sich selbst, ihren Bezugspersonen und die zusätzlichen Belastungen im Alltag wahr“. In der Gruppe werden die Kinder und Jugendlichen altersgerecht auf spielerisch-kreative Weise an die Trauerthemen herangeführt. „Familien in einer Trauersituation sind oft sehr belastet“, so Evelyn Laible-Schmid. „Bezugspersonen sind häufig schon mit ihrer eigenen Trauer überfordert. Mit ihren Kindern umzugehen und sie hilfreich zu begleiten, fällt ihnen deshalb meist besonders schwer.“

Warum eine neutrale Person so wichtig ist

Doch die Kinder leiden selbst unter dem Schmerz um den geliebten Menschen, der gestorben ist. Sie haben eine Menge Fragen, die sie nicht zu stellen wagen, weil sie die Eltern nicht zusätzlich belasten wollen. „In der Trauergruppe geben wir ihnen die Sicherheit, dass wir ihre Fragen offen und ehrlich beantworten. Sie brauchen keine Angst zu haben, dass sie damit bei uns zusätzliche Trauer auslösen. Deshalb sind wir als neutrale Personen wichtig,“ so Evelyn Laible-Schmid.

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Der Malteser Kinder- und Jugendhospizdienst ist für Familien mit schwerkranken Kindern sowie für trauernde Familien eine Anlaufstelle. Das Angebot ist vielfältig: Neben der Kinder- und Jugendtrauergruppe haben die Malteser auch für verwaiste Eltern und jung Verwitwete eine Gruppe initiiert. Kinder der dritten und vierten Grundschulklassen erfahren im Projekt „Hospiz macht Schule“ eine altersgerechte Auseinandersetzung mit dem Leben und dem Tod. Außerdem bringt der Herzenswunsch-Krankenwagen schwer kranke Menschen an Orte, die sie ohne Hilfe nicht mehr besuchen könnten. Um diese Arbeit leisten zu können, sind die Malteser auf ehrenamtlich engagierte Menschen angewiesen.

So werden die Trauernden vorbereitet

„Wir unterstützen Familien mit einem lebensverkürzend erkrankten Kind oder Elternteil sowie trauernde Menschen“, so die Koordinatorin Sylvia-Maria Braunwarth. Die Ehrenamtlichen werden in Hospizbegleiter- und Trauerseminaren auf ihre verantwortungsvolle Arbeit vorbereitet, so wie Elvia Jaitner, die neu ist im Team.

In den Seminaren habe sie auch vieles über sich selbst gelernt, sagt die Günzburgerin. „Jetzt traue ich mich, die Dinge klar auszusprechen. Wie weit darf man gehen, wenn man mit Kindern über den Tod spricht?“ In der Gruppenarbeit habe sie während der Ausbildung erfahren, dass Ehrlichkeit und Authentizität wichtige Elemente in der Trauerarbeit sind. (pm)

Im Oktober beginnt ein neuer Qualifizierungskurs für ehrenamtliche Hospizbegleiter. Mehr Infos dazu gib es bei Sylvia-Maria Braunwarth, Telefon: 08221/2070792, E-Mail: sylvia-maria.braunwarth@malteser.org sowie im Internet unter www.malteser-guenzburg.de

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