Newsticker

Söder fordert bundesweit einheitliche Regeln für regionale Corona-Gegenmaßnahmen
  1. Startseite
  2. Lokales (Dillingen)
  3. Travestie-Star Kolonko weckt in Lauingen Illusionen

Stadeltheater

13.05.2019

Travestie-Star Kolonko weckt in Lauingen Illusionen

Chris Kolonko in seiner Paraderolle als Marlene Dietrich. Ihr hat er eine ganz Show gewidmet und mit dieser Show wird er im Mai 2020 wieder ins Stadeltheater kommen.
Bild: Hans Gusbeth

Chris Kolonko gastiert mit „Unerfüllte Träume“ im Lauinger Stadeltheater. Das Publikum ist begeistert - und der Travestie-Star verspricht, wieder zukommen.

1983 landete die deutsche Elektropopgruppe „Alphaville“ einen Welthit mit dem Titel: „Forever young“. Es ging um die unerfüllbaren Menschheitsträume: ewige Jugend, ewiges Leben, ewige Schönheit. Just im gleichen Jahr hatte das Musical „La cage aux folles“ (Ein Käfig voller Narren) am Broadway seine Uraufführung. Das Lied „I am what I am“ wurde zum Hit und zur Coming-out-Hymne der Schwulenbewegung. Also darf es auch am Samstagabend nicht fehlen: „I´m my own special creation, I´m an illusion“ singt Chris Kolonko gleich zu Beginn im Stadeltheater, eine Reminiszenz an sein eigenes „Coming-out“.

Travestie ist die Kunst der Verwandlung und Verkleidung - vorzugsweise von Mann zu Frau. Und der Augsburger Chris Kolonko ist ein Meister seines Fachs
Bild: Hans Gusbeth

Travestie ist die Kunst der Verwandlung und Verkleidung – vorzugsweise von Mann zu Frau, von Georg Preusse zu Mary, von Thomas Neuwirth zu Conchita Wurst, bei Victor und Victoria in der Rocky Horror Picture Show, sogar bei Tootsie oder bei Charley’s Tante. Travestie ist aber auch Versuchung und Verführung, eine Kunst, die Chris Kolonko perfekt beherrscht. Mit Glamour, Glanz und Glitzer, mit Federn, Strass, Pailletten, mit Parfüm und Perücken, mit Frack, flamboyantem Fummel und perfektem Make-up. Und mit großen Namen: Marlene Dietrich zum Beispiel, Kolonkos Paraderolle, in der er der Diva eine komplette Show widmet. Im Stadeltheater gab es nur einen kleinen Ausschnitt der Marlene-Show – und das Versprechen, 2020 damit nach Lauingen zu kommen.

Kolonko lebt viele Frauen

Auf der Bühne spielt, singt, tanzt, ja lebt Kolonko seit 30 Jahren eine, nein, viele Frauen. Er ist ein Entertainer, ein (Schau-)Spieler. Fast drei Stunden lang verzaubert er sein Publikum, erzählt aus seinem Leben, plaudert, neckt, provoziert, vermeidet es gekonnt, dabei in allzu schlüpfrige Feuchtgebiete zu schlittern. Man merkt, dass er es genießt, wenn er in einem Wohnzimmer-Theater wie dem Stadel dem Publikum praktisch auf dem Schoß sitzen kann.

Travestie-Star Kolonko weckt in Lauingen Illusionen
Mit Glamour, Glanz und Glitter entführte der Augsburger Travestie-Künstler Chris Kolonko am Samstag das Publikum im ausverkauften Stadeltheater in eine Traumwelt.
Bild: Hans Gusbeth

Mit Gesang und Tanz, Crossdressing und Maskerade, frivoler Burlesque und superqueerem Hüftschwung kreiert ER als SIE Träume zum Anfassen, Illusionen, die im Kopf des Betrachters entstehen – und doch wie Seifenblasen platzen. Spätestens dann platzen, wenn er sich blitzschnell wie eine Schlange häutet, nachdem er sich zuvor als erotisches Gesamtkunstwerk in Christo’scher Geschenkverpackung präsentiert hat. Eine Verpackung, die wie bei Christo eine Illusion ist und wie bei Christo ein Verfallsdatum hat.

Ist die Verpackung wichtiger als der Inhalt? Ja

Ist die Verpackung wichtiger als der Inhalt? Ja, in der Travestie ist sie das. Hält der Inhalt, was die Verpackung verspricht? Nein, will er nicht und kann er nicht. Denn der unerfüllbare Traum von ewiger Schönheit birgt Kollateralschäden. Es gibt ihn nicht ohne Schmerzen. Doch wenn bei Travestie-Künstlern ärztliche Kunst ins Spiel kommt, geht es nicht um Geschlechtsumwandlung, sondern ganz banal um Bartlasern, strahlendweiße Zähne oder Lidstraffung. Letzteres steht bei Schönheitsoperationen von Männern an oberster Stelle, weiß auch Kolonko aus eigener Erfahrung. Forever young bedeutet, mit zunehmendem Alter immer mehr kaschieren zu müssen.

Und so verführen unerfüllte Träume, die unerfüllte Sehnsucht nach dem Original, zumindest zu Metamorphose, zu Mimikry. Und wenn es gut geht zur Travestie. Und es ging gut im ausverkauften Stadeltheater. Wie es seit über 30 Jahren meistens gut ging auf dem Weg von „Chris Crazy“ zu Chris Kolonko, dem erotischen Traumdeuter, dem inspirierenden Illusionisten, der das hypnotisierte Publikum in eine manchmal nicht ganz jugendfreie Zauberwelt entführt.

Der Augsburger kann entführen und verführen, mitnehmen und mitreißen. Mitreißen wie am Schluss, als der das Publikum zu einem Muttertags-Jubelsturm verführte, der auf seiner Facebookseite platziert wird. In drei Wochen taucht er dann mit seiner Traumwelt wie schon oft in die Kreuzfahrt-Traumwelt der MS Europa ein, wo der Roncalli-Traumzirkus mit „handverlesenen“ Künstlern“ Varieté-Highlights präsentiert – zwischen Lissabon und Hamburg und von Limassol nach Venedig. Chris Kolonko ist mit Recht einer dieser „handverlesenen“ Künstler.

Lesen Sie dazu unsere Berichte über weitere Veranstaltungen in Lauingen:

Ausstellung: So sehen 150 Jahre TV Lauingen aus

Große Satire und ein Söder-Zäpfle

Welches Donauufer hätten Sie gerne in Lauingen?

Pimento verspricht heiße Beats und bunte Lichter

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren