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Höchstädt

18.11.2020

Trinkwasserversorgung in Höchstädt: Eine Entscheidung gibt es noch nicht

Dieses Bild zeigt das „Szenario 4“, das nun durch weitere Erkundungsmaßnahmen detailliert untersucht werden soll. Die Frage ist: Gibt es einen Brunnenstandort weiter nördlich, der weder Mörslingen tangiert noch mit anderen Nutzungen in Konflikt steht?

Plus Es wird ein neues Gutachten erstellt. Auch um einer möglichen Klage der Gemeinde Mörslingen standhalten zu können. Dafür wird unter anderem Treibhausgas eingesetzt.

Nein, da hat sich kein Kind mit den Buntstiften ausgetobt. Die vielen Linien, Punkte und ausgemalten Flächen in den unterschiedlichsten Farben sind mehr als durchdacht. Sie sind sogar genauestens berechnet. Die Grafiken, die Bernd Hanauer, Geschäftsführer des Büros für Hydrogeologie und Umwelt GmbH in Gießen, am Montag auf der Leinwand in der Nordschwabenhalle präsentiert, sind für den Laien zwar mehr als beeindruckend. Es braucht aber durchaus ein gewisses Maß an Verständnis für die Ausführungen des Experten – und das haben Höchstädts Bürgermeister Gerrit Maneth und die Stadträte. „Ich höre und sehe das jetzt nicht zum ersten Mal, darum geht es“, sagt Maneth und schmunzelt.

Die Trinkwasserversorgung beschäftigt Höchstädt schon lange

Denn mit dem Thema Trinkwasserversorgung und den damit verbundenen Grundwasser-Modellen beschäftigt sich Höchstädt nicht erst seit Montag. Bei der Sitzung, bei der viele Zuhörer aus Mörslingen und Lutzingen dabei sind, wird aber erstmals das Ergebnis des hydrogeologischen Gutachtens, das fast exakt vor einem Jahr vom Stadtrat beschlossen und in Auftrag gegeben wurde, offiziell vorgestellt. Mit dem Ergebnis: Es braucht ein weiteres Gutachten.

Um was geht es? Der Stadtrat hat beschlossen, dass an der eigenen Trinkwasserversorgung festgehalten werden soll. Davon betroffen sind ausschließlich die Bürger aus Sonderheim und der Kernstadt. Sie werden über die zwei bestehenden Brunnen, die stark sanierungsbedürftig sind, versorgt. Die restlichen Stadtteile sind bei der Bayerischen Rieswasserversorgung angeschlossen. 1999 wurde das Wasserschutzgebiet (WSG) festgesetzt. Da es unter anderem seit zehn Jahren neue Vorgaben für solche Festsetzungen gibt und die Wasserrechtsbescheide für die Trinkwasserentnahme aus den zwei Brunnen dieses Jahr auslaufen, musste die Stadt reagieren.

Die Gemeinde Mörslingen wehrt sich

Im ersten Schritt wurde das hydrogeologische Gutachten im November 2019 in Auftrag gegeben – 200000 Euro Kosten. Und Ende Oktober hat Bürgermeister Maneth den Antrag auf Verlängerung des Wasserrechtsbescheids gestellt – und bekommen. Er sagt: „Wir dürfen bis 31.12.2023 weiter Wasser beziehen. Bis dahin sollten wir wissen, wie es weitergeht.“ Parallel dazu baut Rieswasser gerade eine zweite Versorgungsleitung bei Sonderheim.

Fakt ist, so erklärt es Experte Hanauer, dass die jetzigen Brunnen in „einem sehr schlechten Zustand“ sind. Eine Sanierung ist sehr teuer und aufwendig. Deshalb die Suche nach neuen, eventuell besseren Standorten. Wie berichtet, wehrt sich die Gemeinde Mörslingen mit allen Mitteln, die ihr zur Verfügung stehen, gegen eine neue Festsetzung des Wasserschutzgebietes – wenn es denn direkt vor oder mittendrin auf Mörslinger Flur geplant werde. Hintergrund ist auch der damit verbundene Bau der B16-Nord. „Deshalb war unter anderem die Maßgabe, dass wir einen neuen Brunnenstandort möglichst weit weg von Mörslingen finden“, so Hanauer. Der müsse aber dann genauso ergiebig sein und gleichzeitig nicht mit anderen Nutzungen in Konflikt stehen.

Rieswasser baut eine zweite Versorgungsleitung bei Sonderheim.

Kernbohrungen, Erkundungen, Fließgeschwindigkeiten, morphologische Faktoren, Pumpversuche, Brunnenverockerung, Durchlässigkeitstest, Computersimulationen – um all das und noch vieles mehr ging es im vergangenen Jahr. Mit dem Ziel: ein bilanzkontrolliertes Grundwassermodell, das als Grundlage zur Festsetzung des bestmöglichen Wasserschutzgebietes dienen soll. „Dafür haben wir die verschiedensten Szenarien berechnet“, so Hanauer. Mit dem Ergebnis, dass der bisher als günstig eingestufte neue Brunnenstandort zwar sehr ergiebig sei, aber doch „erhebliche Nachteile“ für Mörslingen mit sich bringe.

Deshalb, so Maneth, sei man einen Schritt weiter gegangen und habe nach Alternativen gesucht. Und die gibt es – vielleicht. Der Bürgermeister erklärt: „150 bis 200 Meter vom jetzigen Standort weg in Richtung Norden könnte sich noch mal eine Chance ergeben. Mehr geht dann nicht mehr, weiter können wir nicht ausweichen.“ Würde sich der neue Standort als optimal erweisen, so könnte das Wasserschutzgebiet festgesetzt werden, ohne dass es Mörslingen oder andere umliegende Kommunen beeinträchtige.

Theoretisch. Bernd Hanauer: „Die Chance ist da, aber das wissen wir erst nach den weiteren Erkundungsmaßnahmen.“ Denn, so auch die Empfehlung der beteiligten Behörden, es braucht ein weiteres Gutachten. Weitere 150000 Euro mehr, die die Stadt in die Hand nehmen muss und dann auf die Höchstädter und Sonderheimer Bürger umlegen wird. Bürgermeister Maneth: „Das sollte es uns auf jeden Fall wert sein, so können wir den optimalsten Brunnenstandort ermitteln.“

Der Stadtrat fürchtet eine Klage der Gemeinde Mörslingen

Der Stadtrat stimmt zu, aber es gibt Sorgen. Diese, dass die Mörslinger, die bei diesem Thema seit Monaten nur über einen Rechtsanwalt mit der Stadt Höchstädt kommunizieren, dennoch klagen. Wolfgang Konle (SPD) sagt: „Ich bin stinksauer. 150000 Euro mehr. Warum müssen wir das zahlen?“ Der Bürgermeister bringt es auf den Punkt: „Weil wir auch Wasser entnehmen wollen.“ Rainer Wanek (Pro Höchstädt) hat Bedenken, dass durch die erneute Messung „einfach alles wieder in die Länge gezogen wird“. Und er will wissen, wer im Fall des Falles der Beklagte ist. „Das Landratsamt weist das Wasserschutzgebiet aus, also kann das Landratsamt beklagt werden“, erläutert Hanauer. Ludwig Kraus (CSU) sagt, man solle diese letzte Untersuchung mitgehen, und Hans Mesch (FW) ergänzt, dass dies aber zügig umgesetzt werden sollte. Mitte 2021 könnte ein erneutes Ergebnis vorliegen, sagt der Experte. Johann Jall (Umland) kritisiert etwas anderes: den geplanten Markierungsversuch. Dafür werde Isoliergas verwendet. „Das ist eines der bekanntesten Treibhausgase“, sagt Jall. Hanauer argumentiert: „Die Konzentration ist so winzig, das können wir klimamäßig vergessen.“

Bürgermeister Maneth fasst es zusammen: „Es gibt einen Brunnenstandort, der gut wäre. Er ist besser als die bestehenden. Der neue ist aber zu nahe bei Mörslingen. Es gibt weiteren Erkundungsbedarf, wenn wir Mörslingen nicht mit einem Wasserschutzgebiet belasten wollen.“ 150000 Euro für eine mögliche Alternative etwas weiter nördlich. Mehr, so Maneth, geht dann nicht. Aber so könnte man einer Klage dann auch standhalten. „Wir haben jetzt genug Zeit, um das vernünftig zu erkunden“, so Maneth. Gleichzeitig habe man den Rechtsanwalt der Gemeinde Mörslingen um Herausgabe des Baugrundgutachtens gebeten.

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