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Lauingen

16.05.2018

Trio Fleurs bezaubert am Muttertag

Das einheimische Künstlerinnentrio (von links) Barbara Bartmann (Klavier), Annette Sailer (Sopran) und Sonja Lorenz-Bayer (Querflöte) beeindruckten und verzauberten die Zuhörer im Rathausfestsaal.
Bild: Gernot Walter

Barbara Bartmann, Sonja Lorenz-Bayer und Annette Sailer - alle drei selbst Mütter - entzücken die Hörer im Lauinger Rathausfestsaal.

Drei Künstlerinnen, die selber Mütter sind, traten am Muttertag im überfüllten Lauinger Rathausfestsaal auf und beschenkten die Zuhörer mit einem fulminanten Konzert. Die Fleurs-Damen überreichten dabei in schönster Manier ein Bouquet mit ungewöhnlichen musikalischen Blumen. F(antasievoll, l(liebenswürdig), e(legant), u(mwerfend), r(iesig), s(agenhaft): Damit kann nur annähernd die Wirkung des Auftritts beschrieben werden. Die Interpretationsqualität kennzeichnete die spielerische Leichtigkeit der Querflöte von Sonja Lorenz-Bayer, die anpassungsfähige Begleitkunst von Barbara Bartmann am Blüthner-Flügel und die außergewöhnliche vokale Ausdruckskraft von Annette Sailer.

Leicht bekömmliche Kostbarkeiten konnte die Sopranistin mit fünf Blumenliedern von Robert Stolz anbieten. Sie verstand es, die Miniaturen „Rote Rose“ (klangmächtig), „Primel“ (engelsgleich), „Schneeglöckchen“ (verspielt), „Klatschmohn“ (kokett) und „Veilchen“ (liebenswert) differenziert und nuanciert darzustellen. Reizvoll der Vergleich mit Mozarts „Veilchen“, der aus Goethes Stimmungsgedicht einen dramatischen Vorgang macht. Hier spürte Annette Sailer jede noch so winzige Einzelheit gekonnt nach. Barbara Bartmann unterstützte sie am Flügel mit delikater Gestaltungsfreude, Sonja Lorenz-Bayer umrahmte einfühlsam mit ansprechenden Tongirlanden.

In der abwechslungsreichen Programmfolge war das nicht die einzige Doublette. Zwei anspruchsvolle Darbietungen mit arioser Grandezza gelangen A. Sailer in „Der König als Hirt“ (Amintas Arie L’amerò). Ihre tragfähige Stimme erhob sich wohltönend mit großen Aufschwüngen in Mozarts Zweiakter „ll rè pastore“. Dem „Hirt auf dem Felsen“ (Franz Schubert) ließ die Sopranistin ein sehnsuchtsvolles Liebeslied singen, wusste dessen Einsamkeit schmerzhaft nachzuvollziehen und beschwor jubelnd in der finalen Cabaletta den Frühling. herbei. Eindrucksvoll die feine Echoeinwürfe der Flöte Sonja Lorenz-Bayers, substantiell und artifiziell Barbara Bartmanns Begleitung. In den beiden Nachtigallen-Auftritten von Léo Delibes und Cesare Ciardi wetteiferten Flöte und Sopran in unnachahmlicher Partnerschaft: virtuoses Zwitschern, stupende Geläufigkeit, Triller, inspirierte Imitieren prägten den Rossignol-Charakter, während die Singstimme einschmeichelnd den Klangteppich bereicherte. Immer mit der notwendigen Anspannung, Anpassung und Führerrolle dabei Barbara Bartmann.

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Der Klavierpart in Maurice Ravels „Bezaubernde Flöte“ aus „Shéhérazade“ erklang mit distinguierte Noblesse, impressionistisch farbenprächtig und rhythmisch umspielt. Das Entzücken und die Wehmut einer jungen Sklavin, ihre unerfüllte Sehnsucht lotete A. Sailer wirkungsvoll aus, umgarnt von der zauberhaften Klangwelt der Flöte. Ihre große Meisterschaft konnte Sonja- Lorenz-Bayer exquisit in dem Bravourstück von Jules Mouquet „Pan und die Vögel“ beweisen. Mit schillernder Selbstverständlichkeit ahmte die Flöte die Vogelstimmen nach, verfremdete sie künstlerisch und ordnete ihnen eine vielgestaltete Farbenskala zu. Als „unsichtbare Flöte“ (une flûte invisible) seufzte Sonja Lorenz-Bayer hinreißend hinter einem großen Dekorationsspiegel und bei geöffneter Saaltüre aus dem Rathausgang in zwei Werken von André Caplet und Camille Saint-Saens.

Annette Sailer ließ die getragenen Chansons (wie auch alle anderen Titel) in der Originalsprache aufblühen. Quasi als Mai-Andacht mit Blumen für den Mai-Altar galten die beiden „Ave Marias“ von Astor Piazzolla und Franz Schubert. Annette Sailers natürliche Tonschönheit und die Strahlkraft hoher Töne kam den unterschiedlichen Werken sehr zu statten. Die Parlandostilistik einer Hildegard Knef erhob die Sopranistin verblüffend in „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ mit ihren Partnerinnen in ein parfümreiches Salonstück.

Das Konzert stand unter dem Motto „Spieglein, Spieglein“ und wollte das Märchenhafte betonen. Dazu passte das lyrische Werk von Edward Grieg „Es war einmal“. In ihrem Klaviersolo gab Barbara Bartmann dem Tagebuchblatt erinnerungsgesättigtes Profil und legte mit feinem Anschlag Gedanken und Stimmungen, äußeres und inneres Erleben erlesen dar. Langer begeisterter Beifall für einen unvergesslichen Konzertabend.

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