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Landkreis Dillingen

21.01.2019

Trockener Sommer: Wird nun das Heu knapp?

Der vergangene Sommer war außergewöhnlich heiß und trocken. Das ist nun auch beim Heu zu spüren. Die Preise für das Futtermittel sind mitunter stark gestiegen. Das hat auch Auswirkungen auf Reiterhöfe in der Region, die Heu für die Versorgung ihrer Pferde benötigen.
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Der vergangene Sommer war außergewöhnlich heiß und trocken. Das ist nun auch beim Heu zu spüren. Die Preise für das Futtermittel sind mitunter stark gestiegen. Das hat auch Auswirkungen auf Reiterhöfe in der Region, die Heu für die Versorgung ihrer Pferde benötigen.
Bild: Daniel Karmann, dpa (Symbol)

Weil der Sommer so trocken war, steigen allerorten die Heupreise. Das hat Auswirkungen auf Reiterhöfe in der Region.

Manfred Demharters Schatzkammer duftet nach Erde, Gräsern und Wiesenblumen. Hier spulen sich im Kopf Filme von endlosen Sommerabenden aus der Kindheit auf dem Land ab – während draußen ein feucht-kalter Januarmorgen herrscht. Die Güter, die hier lagern, sind nach dem vergangenen Dürrejahr so begehrt wie selten. „Hier sind die Ballen, die demnächst verfüttert werden“, sagt Demharter und weist auf rund sechs Meter hoch gestapelte Heuballen in einer Ecke des Stadels auf dem Riedschreinerhof bei Kicklingen. In einem weiteren Lager befindet sich die Reserve bis zum Sommer: rund 180 Großballen. Ein Großballen wiegt 400 Kilogramm und kostet derzeit rund 80 Euro. Den fressen die 26 Pferde, die auf dem Hof einquartiert sind, täglich. Nachschub gibt es im Juni, bis dahin sollte das Lager reichen. „Ein Pferd könnte sich nur von Heu ernähren, so gut ist es“, sagt der 68-Jährige.

Landkreis Dillingen: Die meisten Höfe beziehen das Heu aus der Region

Auf dem Riedschreinerhof fressen die Tiere zu 90 Prozent Heu – nebenher noch Müsli und Hafer – und das ist dieses Jahr besonders teuer. „Die Knappheit an Heu im Norden treibt die Preise auch bei uns“, sagt Demharter. In Norddeutschland wurden bereits Heuballen geklaut, so begehrt sind sie. Der Markt ist schwankend und das Heu wird teurer, je länger die heulose Zeit andauert. „Aktuell kostet der Doppelzentner bei uns wohl um die 20 Euro“, sagt Demharter. Er selbst ist davon kaum betroffen. Demharter hat bereits vor Monaten das Heu, welches er seit Jahren von Landwirten aus der Region bezieht, gekauft und eingelagert. Dennoch beträgt der Anteil des Heus an den Gesamtkosten des Pferdehofs rund zwanzig Prozent. „Ich kenne bei uns in der Region keinen Pferdehof, der Probleme hat.“

Die meisten anderen Höfe beziehen das Heu ebenfalls aus der Region, erklärt der 68-Jährige in der warmen Reitstube, während in der Halle davor ein schwarzes Pferd seine Übungen absolviert. Das Fell glänzt, die Schritte sind kraftvoll. Damit das so bleibt, gibt es für die Pferde auf dem Hof kein Stroh oder Grummet, das sind die Ernten nach der ersten Mahd, zu fressen.

Das empfiehlt auch die auf Pferde spezialisierte Tierärztin Dr. Friederike Messerschmidt von der Tierklinik Gessertshausen. Kann ein Pferd ohne Heu leben? „Ganz klar, nein!“, sagt sie und erklärt warum: Heu ist ein Raufutter und absolutes Grundnahrungsmittel für Pferde. Um Magengeschwüren und Koliken vorzubeugen, ist Heu immens wichtig. „Die Tiere sollten niemals länger als vier Stunden kein Raufutter fressen“, erklärt Messerschmidt, „denn ihr Speichel puffert die Magensäure und das Fressen regt die Darmtätigkeit an.“ Heu stecke nicht nur voller wichtiger Nähr- und Ballaststoffe, welche im Dickdarm des Tieres zersetzt werden, sondern es hat auch keine negativen Auswirkungen auf das durchschnittliche Pferd – solange das Heu von guter Qualität ist. „Bei Schimmelpilz-Toxinen reagieren die Tiere sehr empfindlich, die müssen unbedingt vermieden werden.“

"Die Lage am Heumarkt ist angespannt"

Je eher das Heu nach der Mahd trocken sei, desto besser, sagt Messerschmidt. Grummet sei dagegen zu eiweißreich und feinfaserig für das durchschnittliche Pferd. Es wirke überfütternd. Stroh dürfe maximal einen Anteil von einem Drittel an der täglichen Pferde-Ration haben. „Stroh hat einen sehr hohen Raufaseranteil, kann aber rasch Verstopfungen und Koliken verursachen.“ Außerdem habe es wenig Nährstoffe, sagt Messerschmidt. Eigentlich, so Messerschmidt, solle Stroh überhaupt nicht verfüttert werden. Ein durchschnittlicher Warmblüter wiegt 600 Kilogramm und braucht rund 12 Kilo Heu am Tag – bei 35 Jahren durchschnittlicher Lebenserwartung wandern weit mehr als hundert Tonnen Heu in ein Pferdemaul.

Diese Nahrung zu beschaffen, ist derzeit schwieriger als sonst. „Die Lage am Heumarkt ist angespannt“, erklärt ein Heuhändler aus dem südlichen Landkreis, „aber nicht hoffnungslos.“ Manfred Schmidt, der in Wirklichkeit anders heißt, sagt, der Preis sei dieses Jahr rund 50 Prozent höher als üblich. In Norddeutschland sei die Situation für Pferdebesitzer und Reithofbetreiber deutlich angespannter als in Bayerisch-Schwaben. „Diejenigen bei uns, die bereits vor Monaten eingekauft haben, haben aktuell keine Probleme“, erklärt der Händler. Schwierig sei es für die Reitställe und -höfe, die sich ohnehin in einer finanziell angespannten Lage befinden und nicht vorgesorgt haben. Damit sie nicht am Ende des Winters mit leeren Raufen dastehen – das sind die Gestelle, aus denen die Pferde das Heu fressen – müssen sie nun zukaufen. Am derzeitigen Markt werde Heu aus Polen bis nach Südtirol exportiert. Die Heuqualität sei durch die große Trockenheit sehr gut, aber die Menge fehle eben. Während der erste Schnitt im Süden mengenmäßig gut ausgefallen sei, seien die weiteren Schnitte teilweise ausgefallen.

Der Händler verkauft 300 Tonnen Heu im Monat

Der erste Schnitt, das eigentliche Heu, ist das Premiumprodukt. Im vergangenen Jahr konnte dieser Schnitt durch die Trockenheit optimal gelagert werden. Denn das Heu bleibt nach der Mahd für vier bis sechs Tage auf dem Feld liegen, wobei es gewendet wird. Je eher es trocken ist, desto mehr Nährstoffe enthält es, wenn es anschließend zu Ballen gepresst wird und rund sechs Wochen lagert. An diesem Vormittag hat laut Schmidt bereits der siebte Lastwagen das Werksgelände verlassen, der Händler verkauft etwa 300 Tonnen Heu im Monat. „Die Preise können bis August auf diesem Niveau verharren,“ sagt der Unternehmer.

Er sehe der Entwicklung am Heumarkt gelassen entgegen, sagt Demharter. Schließlich habe er gute Beziehungen zu den Landwirten der Umgebung. Auf hochwertiges Heu muss der 68-Jährige auch in Zukunft nicht verzichten.

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