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Wetter in Schwaben

09.06.2016

Überflutungen nach Starkregen: Wo droht jetzt Hochwasser?

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Die starken Regenfälle am Mittwochnachmittag haben im Raum Günzburg innerhalb kürzester Zeit zu Überschwemmungen geführt.
Bild: Bernhard Weizenegger

Der starke Regen hat am Mittwoch für Überflutungen im Raum Günzburg und Wertingen sowie in Augsburg gesorgt. Droht in unserer Region nach den Unwettern nun Hochwasser?

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt am Donnerstag im Allgäu vor ergiebigem Dauerregen. Das gilt auch für den Landkreis Landsberg. Für den gesamten Alpenrand wurde inzwischen eine Unwetterwarnungen vom Deutschen Wetterdienst herausgegeben. Die aktuellen Entwicklungen lassen sich auf der DWD-Website verfolgen.  Auch am Wochenende werde es in Bayern verbreitet zu mancherorts anhaltenden Regenfällen kommen, teilte der Deutsche Wetterdienst am Donnerstag mit. Vereinzelt seien dann auch wieder Gewitter möglich. "Es ist keine Wetterbesserung in Sicht", sagte ein Meteorologe. Lediglich am Freitag soll es weitgehend trocken bleiben.

Drohendes Hochwasser: Hier gibt es eine erste Warnstufe

Bei den andauernden Regenfällen richtet sich der Blick auf die Flüsse in Schwaben. Droht nun ein Hochwasser? Laut dem Hochwassernachrichtendienst Bayern ist die Lage in unserer Region entspannt. Lediglich in Fleinhausen, einem Ortsteil von Dinkelscherben, ist die niedrigste Warnstufe 1 herausgegeben. Das bedeutet, dass dort die Zusam an einigen Stellen etwas über das Ufer hinaustreten kann. Doch laut Andreas Tönnis vom Wasserwirtschaftsamt Donauwörth habe die Zusam die Pegelspitze schon erreicht. Nun falle der Wasserstand wieder. Auch für die Paar in Aichach wurde im Laufe des Vormittages die Warnstufe 1 gemeldet.

Sogenannte Vorwarnungen für Hochwassergefahr wurden für die Landkreise Neu-Ulm, Günzburg, Augsburg, Aichach-Friedberg, Donauwörth, Dillingen und Donau-Ries herausgegeben. Hier könne eine erste Meldestufe erreicht werden, erklärt Andreas Tönnis. Er spricht von einer vagen Lage. Die Entwicklung des Wasserpegels in Donau und Lech wird genau beobachtet. Alle fünf Minuten messen Geräte den Wasserstand. Jede Viertelstunde wird der Wert dann gespeichert. Tönnis rechnet in den nächsten Tagen mit einer Entspannung der Situation. "Heute und morgen soll es nicht mehr so viel regnen."

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Viel Wasser vom Himmel kam allerdings noch in der Nacht auf Donnerstag. In Augsburg liefen laut Polizei einige Keller voll. Auf einzelnen Straßen stand das Wasser so hoch, dass die Feuerwehr es am späten Mittwochabend abpumpen musste. Auf der Haunstetter Straße etwa. Oder wie hier auf der Neuburger Straße in Augsburg Höhe Hammerschmiedweg:

Auf der Neuburger Straße musste die Augsburger Feuerwehr am Mittwochabend Wasser abpumpen.
Bild: Patrick Rogosch

Schlamm und Wasser liefen in Dasing in den Keller eines Wohnhauses. Die schmutzige Brühe floss von einem angrenzenden Acker auf das Grundstück. Am Mittwochmorgen und am Nachmittag wurde die Region bereits mit größeren Auswirkungen von Starkregen getroffen:

Überschwemmungen im Raum Günzburg

Starke Regenfälle haben am Mittwoch zu mehr als 50 Einsätzen der Feuerwehr im Bereich Günzburg geführt. Das Wasser lief am Nachmittag wie in einem Bach vom Polizeiohr zum Mühlwegtunnel. Das Nadelöhr der Günzburger Umgehung stand zeitweise bis zu einem halben Meter voll. „Ich bin seit 20 Jahren hier, und so lange gibt es schon den Tunnel, aber so was habe ich noch nicht erlebt“, sagte Franz Schnatterer, der Chef der Straßenmeisterei.

Das Problem: Die Abwasserschächte wurden dort mit Schlamm überdeckt, sodass die braune Brühe zunächst nicht ablaufen konnte. Seine Mitarbeiter mussten sie per Hand öffnen – „keine ungefährliche Aufgabe, in Niederbayern ist dabei ja schon jemand in den Strudel gesogen worden“. Der Tunnel musste anschließend gereinigt werden. Wegen der stundenlangen Sperrung staute sich der Verkehr in der gesamten Innenstadt. Erst am Abend konnte die Verbindung wieder freigegeben werden.

Die Feuerwehr hatte währenddessen mit dem Riemgraben zu kämpfen. „Wir haben die Mitteilung bekommen, dass er überläuft. Fünf Minuten später waren wir da – und da war schon alles überflutet“, erklärte Christian Eisele, Kommandant der Günzburger Feuerwehr. Alle Einheiten aus der Stadt und den Stadtteilen waren mit 30 Fahrzeugen und knapp 120 Kräften im Einsatz, unterstützt von Wehren aus der Nachbarschaft, der Werksfeuerwehr des Bezirkskrankenhauses und dem Technischen Hilfswerk. So wurden etwa im Bereich der Amselstraße Sandsäcke gelegt, um zu verhindern, dass die Keller volllaufen.

Starkregen Günzburg
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Überflutungen im Raum Günzburg
Bild: Bernhard Weizenegger

In vielen Fällen funktionierte es, in anderen nicht. Dort mussten die teils mannshoch unter Wasser stehenden Räume wieder ausgepumpt werden. „Der Boden ist so gesättigt, dass jeder Tropfen Regen direkt in die Kanalisation geht“, sagte Oberbürgermeister Gerhard Jauernig. „Wir hatten jetzt einen Niederschlag von 45 Litern in 30 Minuten. Da geht es erst einmal darum, zu helfen. In den nächsten Wochen und Monaten müssen wir aber nicht nur in Günzburg überprüfen, inwieweit die Kanalisationen aus der Vergangenheit überhaupt für die Zukunft ausgelegt sind und optimiert werden können. Aber für jeden Starkregen kann man keine technischen Vorkehrungen treffen.“ Überschwemmungen in Günzburg

Auch Häuser an der Riemgrabenallee und umliegenden Straßen wurden mit Sandsäcken geschützt – mit Erfolg. „Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen“, meinte Anwohner Kurt Ixmeier. „Unsere Keller sind trocken geblieben.“ Er wohnt seit 13 Jahren in Günzburg und erlebte zum ersten Mal eine solche Überflutung – auch wenn es solche Ereignisse in der Kreisstadt bereits gegeben hat, wie Jauernig sagte.

Überschwemmungen im Wertinger Ortsteil Roggden

Im Raum Wertingen trifft das Unwetter allein den Ortsteil  Roggden. „Das war abartig“, sagt Kreisbrandmeister Olaf Dehlau. Der Aufbach im Dorf tritt über die Ufer, Anwesen werden überflutet. 14 Keller laufen voll, informiert der Kommandant der Feuerwehr Roggden-Hettlingen, Christian Mayrböck. „Es war eine große Wolke, die lokal abgeregnet hat“, so Kreisbrandmeister Olaf Dehlau.

Nach Zusamaltheim, Bocksberg und Laugna (wir berichteten) hat es nun den Wertinger Stadtteil getroffen. Gegen 1.30 Uhr hatte es am Mittwoch in Roggden heftig zu regnen begonnen. Um 3.45 Uhr kam es zu Überschwemmungen. Das Wasser sei an manchen Stellen bis zu einem Meter hoch gestanden, sagt Dehlau. Auf der Staatsstraße zwischen Roggden und Zusamaltheim liegt um 5.30 Uhr immer noch eine Schlammmasse, die von einem Radlader weggeräumt wird. Etwa 70 Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks, der Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung sowie der Feuerwehren Roggden-Hettlingen, Wertingen, Zusamaltheim und Sontheim helfen beim Auspumpen der Keller und dem Säubern der Straßen.

Unwetter in Roggden Hochwasser
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Regenflut überschwemmt Roggden
Bild: Berthold Veh

Mit einem Schrubber kehrt Josef Endres den Schlamm aus seinem Haus in Roggden. „Da musst du das Lachen wieder lernen“, sagt der Landwirt mit einer Portion Galgenhumor. Das Unwetter hat gestern Morgen den Wertinger Stadtteil voll getroffen. Von der Staatsstraße läuft die Regenflut in Bächen in die Dorfmitte hinunter.

Landwirt Endres hat in der ärgsten Not mit Mist einen Damm errichtet, der das Hochwasser von seinem Haus fernhalten sollte. Vergeblich. Der Keller ist vollgelaufen. „Mir reicht’s“, sagt die Frau des Milchbauern, Stefanie Endres. Die beiden Gefriertruhen, die Waschmaschine und der Trockner seien kaputt. Die desaströsen Milchpreise und jetzt die Überschwemmung – es hat schon bessere Zeiten im Hause Endres gegeben.

Nebenan, in der Raiffeisenstraße, schrubbt Otto Miller mit seiner Mutter Anneliese den Keller, der ebenfalls vollgelaufen war. Der Roggdener ist sauer auf die Stadt Wertingen. „Das Hochwasser-Problem in Roggden ist seit Riesebecks Zeiten (der frühere Wertinger Bürgermeister) bekannt“, schimpft Miller. Es sei versprochen worden, dass Roggden „hochwasserfrei“ werde. Bei starkem Regen laufe aber der Kanal nicht ab, sagt Miller. Und dann komme das Wasser aus dem Aufbach heraus.

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